Konstrukte einer politischen Welt von Schüler*innen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Digitaler Anhang zur Dissertation
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Digitaler Anhang zur Dissertation
Zusammenfassung
Menschen mit geistiger Behinderung wird vielfach abgesprochen, sich mit politischen Sachverhalten auseinandersetzen zu können. Dies zeigt sich u. a. schulisch, wo politische Bildungsinhalte im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung bislang kaum aufgegriffen werden. Auch empirisch ist noch weitgehend unklar, ob Menschen mit geistiger Behinderung eine politische Welt wahrnehmen können und, wenn ja, welche Wissenskonstrukte sie sich zu einer solchen aufbauen.
Im Rahmen dieser qualitativen, explorativen Studie wird diesen Fragen theoretisch und empirisch nachgegangen. Das zugrundeliegende Wissensverständnis ist dabei ein radikal-konstruktivistisches; d. h. Wissen wird als Produkt selbstreferenzieller Bedeutungszuschreibungen begriffen. Das Sampling, die Datengewinnung und -auswertung der Studie orientierten sich an der konstruktivistischen Grounded Theory. Zentraler Zugang waren Interviews mit 14 Werkstufenschüler*innen zweier rheinland-pfälzischer Schulen mit dem Förderschwerpunkt ganzheitliche (geistige) Entwicklung. Die Schüler*innen unterschieden sich u. a. deutlich hinsichtlich ihrer kognitiven und sprachlich-kommunikativen Fähigkeiten sowie ihrer schuldemokratischen Erfahrungen. Um Interviews mit ihnen allen durchführen zu können, wurde ein methodologisch neues Instrument erarbeitet, ein sog. themenspezifischer ‚Gesprächskoffer‘. Dieser umfasste Gesprächsimpulse in Form von Fragen in leichter und schwerer Sprache, Bild- und Audiomaterialien sowie Videovignetten und wurde in einem umfangreichen Elementarisierungsprozess entwickelt. Die mit dem ‚Gesprächskoffer‘ angeregten Interviewäußerungen wurden nicht nur inhaltsanalytisch, sondern auch qualitativ-tiefergehend interpretiert. Alle methodologischen Überlegungen der Arbeit sind umfangreich beschrieben und sollen somit auch Impulse für die Forschung mit Menschen mit geistiger Behinderung allgemein geben.
Mit den Ergebnissen dieser Studie findet sich erstmals ein umfassender empirischer Beleg, dass Menschen mit geistiger Behinderung vielfach schon im Schulalter an politischen Themen und Sachverhalten interessiert sind und sich zu diesen differenziert zu beschreibendes Wissen aufbauen. Dabei erwerben sie politisches Wissen nicht grundlegend ‚anders‘ als Menschen ohne Behinderung. Im Rahmen der Analyse wurde ein Prozessmodell zur Wahrnehmung der Schüler*innen erarbeitet, das beschreibt, wie und vor welchen Hintergründen Schüler*innen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung eine politische Welt wahrnehmen und welches politische Wissen sie sich zu einer solchen aufbauen.
Die Erkenntnisse zum Themenfeld Politik im Rahmen dieser Studie können zudem als Indizien für weitere, abstrakte Themenfelder begriffen werden, bei denen dem Personenkreis eine Ausei- nandersetzung bislang noch wenig zugetraut wird.
Abstract
People with intellectual disabilities are often considered unable to understand politics. This is apparent, e. g., at school, where political education has rarely been offered to pupils with intellectual disabilities. Empirically, it also still remains unclear whether they are able to perceive a political world and, if so, what political knowledge they construct.
In this qualitative, explorative study, these questions are addressed theoretically and empirically, based upon a radical constructivist concept of knowledge. It is assumed that people actively construct knowledge in a self-referential process.
The sampling, data collection, and analysis were based on the approach of constructivist grounded theory. For the study, 14 pupils with intellectual disabilities were interviewed in Rhineland-Palatinate, Germany. They differed significantly in terms of their cognitive and verbal-communicative skills, as well as their previous experiences with school democracy. In order to be able to conduct interviews with all of them, a new methodological instrument was devel- oped, a topic-specific ‘conversation box’. It included interview stimuli in the form of questions in both easy-to-understand and more difficult language, as well as images, audio, and video material. The interview utterances were not only analyzed with regard to their content, but also with the aim to discover deeper structures of meaning. Methodological considerations are described in detail and are also intended to offer ideas for further research with people with intellectual disabilities in general.
The results of this study provide empirical evidence that pupils with intellectual disabilities are indeed interested in politics and political issues and can acquire political knowledge which can be described in a detailed way. The pupils do not acquire political knowledge per se ‘differently’ than those without disabilities. In the course of the analysis, a theoretical framework was developed that describes the pupils’ process of knowledge acquisition. It also explains how and against which background pupils with intellectual disabilities perceive a political world and what knowledge they construct about it.
The study’s findings on the topic of political knowledge can also be seen as an initial impulse in considering other, similarly abstract topics that are often withheld from people with intellectual disabilities.
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