Multisensorisches Design als Gesundheitsressource: Individualisierbare und Stressregulierende Räume - Ein systemischer Designansatz, der Design mit Medizin und Neurowissenschaften verbindet
Description
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Designansatz zu entwickeln, der mit räumlichen Gestaltungsmöglichkeiten und ausgewählten Designparametern Stress und Erregungszustände in Krankenhäusern resp. in Patientenzimmern reduziert. Damit verbunden ist die Notwendigkeit die VertreterInnen der relevanten Gestaltungsdisziplinen für die enormen Auswirkungen zu sensibilisieren, die ihre planerische und gestalterische Arbeit auf den menschlichen Körper und die Psyche haben. Der Zusammenhang und die Wechselwirkungen von Design, Gesundheit und Krankheit werden über verschiedene medizinische und psychologische Modelle, die weitgehend auf systemtheoretischen Ansätzen basieren, dargestellt. Auf dieser systemtheoretischen Grundlage wird der transdisziplinäre Zugang des Erweiterten Interface, das den Zugang vom Design zum menschlichen Organismus in einem 1. Schritt beschreibt, entwickelt. Der menschliche Körper und die Psyche sollen für die gestalterischen Disziplinen jedoch in einem 2. Schritt ganz konkret und anwendungsorientiert nicht mehr länger als Black Boxes wahrgenommen werden, sondern als Wirkungs- und Handlungsraum für die Aktivitäten des Designs und der Gestaltung erschlossen werden. Die Entwicklung des Designansatzes erfolgt über Daten, die im Rahmen eines empirischen Forschungsprojektes in einer Psychiatrischen Klinik erhoben worden sind. Über diese generierten Daten konnte der Ansatz des Selbstorganisierten Designs entwickelt und formuliert werden, der es PatientInnen ermöglicht mit unterschiedlichen Designparametern, die in einer Rahmenstruktur individuell konfigurierbar sind, ihre Erregungszustände und ihren Stress selbst zu regulieren. Das Selbstorganisierte Design besteht aus einem 2-phasige Designprozess, der in der 1. Phase in Form eines patientenzentrierten Co-Designs durchgeführt wird, dessen Ergebnis die Rahmenstruktur bildet. In der 2. Phase werden die PatientInnen instruiert diese Rahmenstruktur individuell zu konfigurieren und zu nutzen, um damit ihre Erregungszustände und ihren Stress selbst regulieren zu können. Das Selbstorganisierte Design folgt einem Paradigmenwechsel, der im Design vor mehr als zehn Jahren eingesetzt hat. Designentscheidungen werden an die NutzerInnen delegiert und das Design entsteht erst durch den Gebrauch dieser. Dieser Ansatz ist gerade für den Gesundheitsbereich insbesondere in psychiatrischen Kontexten von besonderer Bedeutung, da die PatientInnen vor dem Hintergrund unterschiedlicher Erfahrungen einen Handlungsspielraum zur Verfügung gestellt bekommen, der ihnen in einem definierten Rahmen Möglichkeiten der Individualisierbarkeit und Selbstregulierbarkeit bietet. Das Handeln der PatientInnen entsteht durch das individuelle Konfigurieren der Designparameter und wird so lange ausprobiert wird, bis eine entsprechende Passung gefunden ist, die den Stress und die Erregung reduzieren. Dieser Ansatz ermöglicht es durch den hinzugekommenen Handlungsspielraum die Asymmetrie zwischen hilflosen, ertragenden PatientInnen auf der einen Seite und helfenden und unterstützenden ÄrztInnen und TherapeutInnen auf der anderen Seite etwas auszugleichen.
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