Journalismus unter Druck: Österreich-Ergebnisse der dritten Welle der Worlds of Journalism Study
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Zum mittlerweile dritten Mal wurde 2023 von einem Forscher:innenteam des Instituts für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung der ÖAW und des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien die internationale Worlds of Journalism Study (WJS3) in Österreich durchgeführt. 856 österreichische Journalist:innen gaben Auskunft zu Arbeitsbedingungen, journalistischem Selbstverständnis, ethischen Grundsätzen, beruflichen Einflüssen und aktuellen Entwicklungen, die den Berufsstand zunehmend unter Druck setzen.
Das erschreckende Ergebnis: Mehr als ein Drittel der österreichischen Journalist:innen haben in den letzten Jahren erniedrigende oder hasserfüllte Äußerungen sowie öffentliche Diskreditierung ihrer Arbeit erlebt. Ein ebenso großer Anteil macht sich Sorgen um das psychische wie körperliche Wohlbefinden. Dazu kommen Zeitdruck und Ressourcenknappheit – zwei Faktoren, die von 64 bzw. 54% der Befragten als starker Einfluss auf ihre Arbeit erlebt werden, Tendenz steigend. Die höchsten Zuwachsraten sind jedoch in Bezug auf die empfundene Einflussnahme durch Vorgesetzte und Redaktionskolleg:innen zu verzeichnen, die weit mehr als ein Drittel der Befragten berichtet haben.
Auch das journalistische Selbstverständnis ändert sich. Neben der neutralen Informationsvermittlung wird inzwischen auch der Kampf gegen Desinformation zu den beiden wichtigsten Aufgaben des österreichischen Journalismus gezählt. Der Anspruch, lösungsorientierten Journalismus zu praktizieren, der auf gesellschaftliche Missstände hinweist und deren künftige Auswirkungen aufzeigt, ist ebenfalls weit verbreitet. Zudem wird der Fokus vermehrt auf die selbstständige Meinungsbildung des Publikums gelegt.
Bei den ethischen Einstellungen ist für die große Mehrheit der Journalist:innen eine strikte Selbstbindung an journalistische Ethikstandards festzuhalten. Nur eingeschränkt ist ein Relativismus zu beobachten, der ethische Flexibilität in außergewöhnlichen Situationen offenlässt.
Mit 47,3 Jahren sind die österreichischen Journalist:innen im Durchschnitt gut vier Jahre älter als noch in der Vorgängerbefragung aus dem Jahr 2014/15. Der Anteil weiblicher Journalist:innen (50,7%) ist im Berufsstand ebenso gestiegen wie der Anteil von Hochschulabschlüssen (70%).
Die meisten Journalist:innen arbeiten im Politikressort (21%), gefolgt von Feuilleton (15,2%), Chronik (14,4%) und Service/Lifestyle (12,8%). Fast zwei Drittel produzieren journalistische Inhalte mittlerweile für ein Web-Outlet, etwas mehr als die Hälfte für ein Printprodukt und immerhin 35% regelmäßig für Social Media.
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CMC Forschungsbericht 17_v1.0.pdf
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Funding
- FWF Austrian Science Fund
- Journalism under Duress I 4912
Dates
- Created
-
2025