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Ein Blick durch die Klobrille: Die Kulturgeschichte der Toilette

Iseli, Maria

Mehrmals täglich benutzen wir sie, im Durchschnitt verbringen wir fast ein Jahr unseres Lebens auf ihr: Die Toilette. In diesem Artikel wird zuerst eine Toilettenschüssel aus dem Historischen Museum Luzern aus dem Jahr 1900 unter die Lupe genommen, eine der ersten wassergespülten Toiletten ihrer Art. Ein WC steht mitten in einem Museum. Der Standort überrascht auf den ersten Blick, ist man sich doch gewohnt, sein Geschäft hinter verschlossener Tür zu erledigen. Ein Blick in die Kulturgeschichte der Toilette zeigt dann: Das «Stille Örtchen» war nicht immer so still und verschlossen wie heute. Warum ist es uns heute unwohl, wenn wir vor jemandem die Toilette benützen, während man im Alten Rom auf Gemeinschaftslatrinen diskutiert, gelacht und Verträge unterzeichnet hat? Der zeitliche Fokus dieses Artikels liegt zwischen 1860 und 1910. Die «Verhäuslichung der Verrichtung», die Institutionalisierung der Stadtentwässerung sowie die Hygienebewegung führten in dieser Zeit zu einer Verschiebung der Schamgrenze. Exkremente, die zuvor als Düngemittel wertgeschätzt wurden und um deren Beseitigung man sich lange selber kümmern musste, wurden zunehmend tabuisiert und geächtet. Mit Bezug auf England als Vorreiter der Hygienebewegung und Sanitärindustrie wird auch die Situation in Luzern dargelegt. Ein genauer «Blick durch die Klobrille» zeigt auf, dass die Toilette ein Objekt mit komplexen Regeln ist, mit einer Gebrauchskultur, die sich über Konventionen entwickelt hat.

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