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INNOVATION DURCH STRATEGISCHE OFFENHEIT -- Gesamtversion

Gertraud Leimüller; Clemens Blümel |; Benedikt Fecher

Digitalisierung und Globalisierung ändern die Innovationsparadigmen grundlegend:
Geschwindigkeit, plattformbasiertes Arbeiten, Netzwerke sowie – auch als
Konsequenz dieser Entwicklung – Formate offener Wissenschaft und Innovation
gewinnen an Bedeutung. Ziel dieses Berichts ist eine Analyse des Status Quos in
Bezug auf offene Wissenschaft und Innovation sowie die Ableitung von Empfehlungen
für eine Weiterentwicklung des deutschen Forschungs- und Innovationssystems.
Der Bericht baut dabei auf eine vorangegangene Studie auf, in dem erstmals ein
Modell für die strategische Öffnung entwickelt und Wertschöpfungspotenziale
entlang der drei Dimensionen der Öffnung – Inklusivität und Kollaboration, Zugänglichkeit
und Nachnutzung, Transparenz und Überprüfung – aufgezeigt wurden
(siehe Fecher et al. 2018).
Deutschland verfügt gegenwärtig über ein leistungsfähiges und ausdifferenziertes
Forschungs- und Innovationssystem, das sich im internationalen Vergleich durch
eine außerordentliche Breite an Institutionen auszeichnet. Allerdings zeigt sich,
dass sich die Innovationsaktivitäten zu sehr sektoral verengen, auf zu wenige
Innovationsakteure verteilen und potenziell produktive Schnittstellen zwischen
Wissenschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in zu geringem
Ausmaß produktiv genutzt werden. Die Analyse der Politikmaßnahmen in diesem
Papier belegt zudem, dass die politischen Instrumente in Deutschland zu wenig
auf die Herausforderungen eines digitalen, offenen und vernetzten Forschens
und Innovierens zugeschnitten sind. Die deutsche Innovationspolitik benötigt eine
Erweiterung ihres methodischen Instrumentariums, um auch im digitalen Zeitalter
wettbewerbsfähig zu sein. Daher sind in diesem Bericht Aktivitäten aus den drei
gewählten Referenzländern Niederlande, Österreich und Großbritannien aufgeführt,
die sich ähnlich wie die Europäische Kommission bereits strategisch der
Herausforderung von Öffnungsprozessen gestellt haben.
Auch in Deutschland lassen sich, verstärkt im Zuge der Digitalen Agenda der
Bundesregierung zwischen 2014 und 2017, eine Reihe von Initiativen erkennen. Allerdings
sind die Initiativen noch zu vereinzelt und zu wenig miteinander durch eine
übergreifende politische Strategie verknüpft. Es bedarf der Entwicklung einer
Gesamtstrategie für Offenheit gemeinsam mit den wesentlichen Stakeholdern,
um Potenziale, Handlungsfelder und Prioritäten zu definieren und damit vorhandene
Spielräume klug zu nutzen als auch neue zu schaffen. Die Förderinstrumente
der Deutschen Forschungs- und Innovationspolitik unterstützen in zu geringem
Maße die Einbindung unüblicher Akteure (wie Crowds, Online-Communitys,
lead user oder Nutzerorganisationen) in Konsortien; auch hier ist eine Öffnung
und Weiterentwicklung der Programme anzuraten. Weiters werden kleine und
mittelständische Unternehmen zu wenig dabei unterstützt, an neuen, offenen
Innovationspraktiken teilzunehmen und Zugänge zu externem Innovationswissen
zu erhalten. Es bedarf einer zielgerichteten Inklusion unüblicher Akteure in die wissenschaftliche
und wirtschaftliche Wertschöpfung, nicht ausschließlich, aber vorrangig
in den neuralgischen Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.
Ziel sollte es sein, in allen Dimensionen
der Offenheit gezielt solche Praktiken
zu fördern, die einen erhöhten sozialen und ökonomischen Nutzen versprechen
und die die Wettbewerbsfähigkeit des Innovationsstandorts
stärken. Dabei
sollten durch die Maßnahmen insbesondere neuartige, unübliche Wissensgeber
durch Förderung, Netzwerkbildung und gezielte Regulierung adressiert und
Wissenstransfer gefördert werden. Bei der Förderung offener Wissenschafts- und
Innovationsaktivitäten sollten gleichzeitig die Risiken (etwa in Bezug auf geistiges
Eigentum) klar benannt werden. Öffnung bedeutet nicht, Wettbewerbsvorteile
blind aufzugeben, sondern durch kluge, dem digitalen Zeitalter entsprechende
Herangehensweisen gezielt neue Wettbewerbsvorteile zu schaffen.
Um die Chancen eines offenen Forschens und Innovierens klarer identifizieren
zu können, bedarf es zudem einer klaren Wissensbasis. Gegenwärtig ist die
existierende Forschungs- und Innovationsindikatorik nur bedingt aussagekräftig
im Hinblick auf neuartige Formen des Innovierens. Daher ist eine Ausweitung
und Weiterentwicklung unter Einbeziehung von nationalen und internationalen
Experten, Pionieren bei der Anwendung offener Methoden, Stakeholdern und
unüblichen Akteursgruppen (beispielsweise Nutzern) nötig, um alle Dimensionen
von Offenheit im Forschungs- und Innovationssystem durch eine entsprechende
Indikatorik abbilden und bei künftigen Evaluationsverfahren berücksichtigen zu
können.

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