Published June 13, 2023 | Version 1

Nachhaltige Landnutzung messen – Nachholbedarf bei Moorböden

  • 1. Universität Greifswald Institut für Botanik und Landschaftsökologie
  • 2. Universität Greifswald Lehrstuhl für AVWL und Landschaftsökonomie

Description

Forschungsfragen:

  • Welche Aussage erlaubt der Indikator für nachhaltige Landnutzung „Ökologischer Landbau“ mit Blick auf organische Böden?
  • Wie sollten organische Moorböden in der Messung nachhaltiger Landnutzung berücksichtigt werden?

Die Messung nachhaltiger Landnutzung differenziert bisher nicht zwischen mineralischen und organischen Böden (Moorböden). Dabei ist die landwirtschaftliche Nutzung von Moorböden in der Praxis bisher mit der Entwässerung der Böden verbunden und somit auch mit einem stetigen Verlust an organischer Substanz im Boden bzw. mit stetig hohen Treibhausgasemissionen. In Deutschland stammen 7 % aller Treibhausgasemissionen aus entwässerten Mooren und ihre Berücksichtigung ist daher von nationaler Relevanz. Der Verbreitungsschwerpunkt der Moorböden liegt dabei in Norddeutschland.

Eine Emissionsreduktion ist durch Wiedervernässung mit anschließenden Wasserständen in Flurhöhe möglich. Die Landnutzung kann über Paludikultur an flurnahe Wasserstände angepasst werden. Die UN-Nachhaltigkeitsziele 2 „Kein Hunger“ und 15 „Leben an Land“ zielen auf eine nachhaltige Landnutzung ab, das Ziel 13 auf „Maßnahmen zum Klimaschutz“. Ohne Differenzierung der Böden werden Trade-Offs zwischen diesen Nachhaltigkeitszielen nicht erkannt.

Eine Analyse der SDG-Indikatoren für Kommunen zeigt, dass Moorböden kaum berücksichtigt werden. Nachhaltige Landnutzung wird bisher insbesondere über den Indikator „Ökologischer Landbau“ gemessen, worin Moorböden keine gesonderte Rolle einnehmen. Die vorgenommene Flächenanalyse für die drei moorreichsten Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Niedersachsen zeigt, dass landwirtschaftlich genutzte Moorböden besonders häufig als Grünland bewirtschaftet werden und ökologisch bewirtschaftete Flächen hier in hohem Umfang vertreten sind. Die angestrebte Wiedervernässung von Moorböden zum Klima- und Biodiversitätsschutz und die Ausdehnung des ökologischen Landbaus zur Stärkung der nachhaltigen Landnutzung muss dem Rechnung tragen.

Im Resümee wird daher die Entwicklung eines eigenen Moor- bzw. Paludikultur-Indikators sowie die Modifizierung des Indikators Ökologischer Landbau für Moorböden vorgeschlagen. Ausschlaggebend für die Treibhausgasemissionen aus Moorböden sind insbesondere die Wasserstände, welche jedoch bisher nicht auf den einzelnen Nutzflächen erhoben werden. Klärungsbedarf gibt es daher bei der Datenverfügbarkeit, der notwendigen Datenqualität und der Zuständigkeit der Datenhaltung.

Files

Hohlbein_DFNS2023_Nachhaltige Landnutzung messen - Nachholbedarf bei Moorböden.pdf