Published October 26, 2020 | Version v1
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Analyse und Unterstützung virtueller Lernteams bei der objektorientierten Softwareentwicklung

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Die konstruktivistische Lerntheorie geht davon aus, dass Wissen vom Lernenden auf Basis seiner Erfahrungen, seines Vorwissens und des sozialen Kontextes aktiv und individuell konstruiert wird. Folglich gibt es sehr viele Möglichkeiten der Wissenskonstruktion, ein Lernprozess ist kaum vorhersagbar. Ziel ist daher „die Entwicklung von Lernumwelten, in denen kognitive Lernprozesse in handelnder Auseinandersetzung mit der Umwelt stattfinden können“ (Schulmeister 1997, 78).

Das Projekt VitaminL (Virtuelle Teams: Analyse und Modellierung in netzbasierten Lernumgebungen, Kölle & Langemeier 2004) greift diese Idee auf und überträgt sie auf virtuelle Lernteams. In solchen Lernteams findet eine spezielle Art von Wissensmanagement als kooperativer Prozess statt. Individuelles Wissen muss kommunikativ in das Team übertragen werden, indem es reflektiert und verarbeitet wird.

In der universitären Praxis finden solche Prozesse innerhalb von Gruppenübungen, insbesondere in Tutorien zur objektorientierten Programmierung, statt. Dort werden Aufgaben gestellt, die im Team zu lösen sind. Treten Probleme auf, so werden anwesende Tutoren um Hilfe gebeten. Für die Übertragung auf virtuelle Teams wird an der Universität Hildesheim im Rahmen des Projekts VitaminL eine CSCL-Umgebung entwickelt, die solche Teams bei der kurzzeitigen, synchronen Bearbeitung von Programmieraufgaben aus dem Bereich der objektorientierten Software-Entwicklung unterstützt. Die Lehre der objektorientierten Software-Entwicklung an der Universität Hildesheim ist durch hohe Interdisziplinarität geprägt, Lerngruppen bestehen aus Studierenden verschiedenster Studiengänge, die bzgl. Programmierkenntnissen als Anfänger bezeichnet werden müssen. So findet auch die Weiterentwicklung des VitaminL-Projekts in Kooperation des Instituts für Technik (Informatik-Ausbildung) und des Instituts für Angewandte Informationswissenschaft statt.

Die Übertragung der Gruppenübungen (Tutorien) ins E-Learning in Form von virtuellen Tutorien mittels der CSCL-Umgebung hilft zum einen, die personalintensiven Präsenztutorien zu entlasten, zum anderen ermöglicht es überhaupt erst die Durchführung dieser kooperativen Lernform unabhängig von Raum und Zeit. Ähnliche Ansätze verfolgen die Projekte ENFORUM (Kuhlen 2004a) des Hochschulverbandes für Informationswissenschaft (HI), das ebenfalls interdisziplinär ausgerichtet ist und ein virtuelles kollaboratives Wörterbuch mit enzyklopädischen Eigenschaften zur Verfügung stellt und K3-forum (Kuhlen 2004b), das in Ergänzung zum ENFORUM ein Systems zur kooperativen Produktion und Aneignung von konzeptorientiertem Wissen entwickelt. Auch das Projekt SELIM (Software Ergonomie und Lernen im Multimedialen Kontext, Schudnagis 2002) virtualisiert Tutorien für die informationswissenschaftliche Ausbildung (an der Universität Hildesheim), unterstützt dabei allerdings die individuelle Lernform.

Bei VitaminL wird auf der Basis eines speziell auf den o.g. Anwendungsbereich adaptierten Rollenmodells eine Software-Komponente entwickelt, die ein virtuelles Team während der Zusammenarbeit beobachtet und Informationen über dessen Zusammensetzung liefert. Die Analyse erfolgt mittels eines stochastischen Verfahrens und liefert Rollenprofile der Teammitglieder als Ergebnis. Diese Profile werden von einer zweiten Komponente verarbeitet und auf Defizite untersucht. Mittels Case Based Reasoning (CBR) werden mögliche Problemsituationen während der Aufgabenbearbeitung erkannt und Lösungsansätze in das Team eingebracht, die zur Zielerreichung beitragen sollen, ohne das Team von den für den Lernerfolg wichtigen Teilaufgaben zu entlasten.

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