Published September 17, 2020 | Version v1
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Praktiken der Eignungsabklärung von angehenden Zürcher Primarlehrpersonen (1940-1960)

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Beitrag im Sammelband «Praxeologie in der Historischen Bildungsforschung: Möglichkeiten und Grenzen eines Forschungsansatzes» 10.5281/zenodo.4045831.

Um eine Balance von Kontrolle und Eigensinn geht es bei der im Beitrag von Andreas Hoffmann-Ocon im Zentrum stehenden Eignungsabklärung, die unter einer doppelten Zielsetzung untersucht wird: Einerseits richtet sich der Fokus auf die Erschliessung von Praktiken der Eignungsabklärung angehender Zürcher Primarlehrpersonen um die Mitte des 20. Jahrhunderts anhand von Fallbeispielen, andererseits wird gegenstandsbezogen die Frage aufgegriffen, welche neuen Einblicke spezifische Quellen – etwa Kommissionsprotokolle, Ego-Dokumente und Praxisberichte angehender Unterrichtender und Jahresberichte – auf sich erneuernde und wandelnde Alltagsroutinen im Handlungsfeld der Eignungsabklärung bieten. Anders als im kantonalen Seminar Küsnacht, im Evangelischen Seminar Unterstrass oder im Lehrerinnenseminar der Höheren Töchterschule war das zu Beginn der 1940er-Jahre eingerichtete Oberseminar des Kantons Zürich ein Ort nachmaturitärer Ausbildung. Um die lokalen Praktiken und ihre vielfältigen Variationen seitens der Kandidierenden von der Dimension des zirkulierenden pädagogischen Wissens über Schülerbeobachtung, Taktgefühl und Selbstoptimierung, auf das in der Prüfungsphase rekurriert wurde, beschreiben und vermessen zu können, werden zeitgenössisch geläufige Diskurse und leitende Metaphern in die Analyse miteinbezogen. Die praxeologische Perspektive wird genutzt, um dasjenige an der eignungsrelevanten studentischen Praxisberichterstattung präziser zu bestimmen, was die situative Aushandlung des Prüfungsgrenzverlaufs in einer Phase akuten Lehrpersonenmangels bildete. Wie sehr das Soziale – z.B. in Form von Herkunft der Kandidierenden, von Arbeitsbedingungen in Krisen- und Kriegszeiten und Stadt-Land-Differenzen, in das die Eignungsabklärungspraktiken eingebettet war – in der Interaktion zwischen angehenden Lehrpersonen und Direktion eine erstaunliche Vielgestaltigkeit der Berichtspraxis hervorbrachte, zeigt Hoffmann-Ocons Beitrag. Die Differenz zwischen den Berichtstypen, vom Studentenaufsatz, der anstelle von Praxiseinblicken Versatzstücke aus der Pädagogikvorlesung reproduziert, bis zum lyrischen Spiel mit der eigenen Eignung, eröffnet den Blick auf das gesamte Praxisarrangement der Abklärung, das auch für eigensinnige Inszenierungen durch angehende Lehrpersonen zugänglich gewesen ist.

Notes

+repphzhbib2020F

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Hoffmann-Ocon_2020_Praktiken der Eignungsabklärung_Praxeologie Historische Bildungsforschung_1.pdf

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