Häusliche Gewalt im Alter: Eine qualitative Untersuchung zu Interventionsprozessen bei Fällen Häuslicher Gewalt im Alter
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Fälle von Häuslicher Gewalt gegenüber älteren Menschen gelangten in den letzten Jahren immer wieder ins mediale Rampenlicht, nach einer kurzen Welle der Entrüstung flachte diese jedoch schnell wieder ab. Infolge der doppelten demografischen Alterung der Bevölkerung ist von einer weiteren Zunahme dieser Problematik in Zukunft auszugehen. Angesichts dieser Tatsache erstaunt es, dass kaum wissenschaftliche Studien zur Thematik der Häuslichen Gewalt, welche sich mit spezifischen Aspekten des Alters beschäftigen, vorliegen. Insbesondere in Bezug auf die Interventionen besteht eine erhebliche Forschungslücke.
Im Rahmen eines Forschungsauftrags der Unabhängigen Beschwerdestelle im Alter (UBA) setzt sich die vorliegende Masterarbeit mit eben dieser Thematik auseinander. Anhand Fallakten der UBA werden diese erstens darauf untersucht, welche Konfliktentstehungsbedingungen sich im einzelnen Fall manifestieren, um sie danach in bestehende Konfliktmuster nach Barbara Baumeister und Trudi Beck einordnen zu können. Zweitens werden Prozessabläufe sowie Interventionen bei Fällen Häuslicher Gewalt im Alter identifiziert, um aufzuzeigen, inwiefern in der Praxis interveniert wird. Unabhängig vom Forschungsauftrag wird als letztes eruiert, inwieweit sich professionelles Handeln von Sozialarbeitenden am Fallmaterial zeigt.
Für die Untersuchung wurden Fälle der UBA im Zeitraum von 2015 bis 2019 mit zwei unterschiedlichen qualitativen Methoden ausgewertet. Für die Bearbeitung der Fragestellungen zu den Konfliktentstehungsbedingungen sowie zu professionellem Handeln von Sozialarbeitenden wird inhaltsanalytisch vorgegangen. Für die explorativ angelegte Fragestellung nach Prozessabläufen und Interventionen wird auf die Grounded Theory zurückgegriffen.
Der UBA liegt mit dieser Arbeit erstens eine Einordnung und Übersicht ihrer Fälle in Bezug auf die Bedingungen von Konfliktentstehung bei Häuslicher Gewalt im Alter vor. Gleichzeitig werden anhand der Erkenntnisse dieser Masterarbeit die eng gefassten Konfliktmuster erweitert. Zweitens konnten Interventionsmuster festgestellt werden, die in Form von sechs (Interventions-) Typen präsentiert werden: (1) Durchgreifen, (2) Unterstützung erschliessen, (3) Kompromiss finden, (4) Familienkonferenz einberufen, (5) Gelder sichern und (6) Aushalten. Zentrales Ergebnis in Bezug auf die letzte Fragestellung ist, dass Standards von professionellem sozialarbeiterischem Handeln bei der UBA wenig bis nicht berücksichtigt werden und die Disziplin der Sozialen Arbeit gegenüber Medizin und Recht eine nachrangige Position einnimmt. Gerade für die Soziale Arbeit sind die ernüchternden Ergebnisse von fundamentaler Bedeutung. Eine Positionierung als unabdingbaren Player in der Altenarbeit allgemein und spezifischen im Gebiet von Häuslicher Gewalt im Alter erscheint als zentral. Denn multifaktorielle Bedingungsgefüge, wie sie sich in Fällen Häuslicher Gewalt im Alter zeigen, bedürfen einer Kontextualisierung und Mehrperspektivität.
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