Ein Monitoring für das Sozialwesen in der Schweiz: Theoretische Grundlagen und eine Untersuchung zur Sozialpolitik der Kantone der Zentralschweiz
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Das Sozialwesen in der Schweiz hat sich - wie in allen hoch entwickelten europäischen Gesellschaften - zu einem eigenständigen Funktionssystem entwickelt. Ähnlich wie im Gesundheitswesen steigen die Kosten für das Sozialwesen seit 1970 kontinuierlich.
Die Beobachtungsinstrumente zur Analyse und Steuerung der Entwicklungen des Sozialwesens sind jedoch im Vergleich mit anderen gesellschaftlichen Funktionsbereichen (Wirtschaft, Gesundheit, Bildung) noch wenig ausgebaut.
Die vorliegende Untersuchung hat zum Ziel, auf der Grundlage der Luhmannschen Systemtheorie ein Konzept eines integralen Monitorings für das Sozialwesen zu entwickeln und in einem Bereich (sozialpolitische Steuerung) empirisch zu testen.
Kapitel 2 beschäftigt sich mit dem Wandel der Hilfsformen im Verlauf der gesellschaftlichen Entwicklung. In diesem theoretischen Teil wird aufgezeigt, warum und wie es zur Ausdifferenzierung des Sozialwesens in modernen Gesellschaften kommt, welche Funktionen das Sozialwesen für die Gesamtgesellschaft hat und welche Leistungen es für die anderen gesellschaftlichen Teilbereiche (Funktionssysteme) erbringt.
Eine wichtige sozialpolitische Erkenntnis aus diesen theoretischen Überlegungen ist, dass die kaum steuerbare Kostenexplosion für "Soziale Hilfe" eine Folge von Problemauslagerungen anderer Funktionssysteme (Wirtschaft, Bildung, Gesundheit, Recht) ist.
Kapitel 3 stellt das Konzept eines Monitorings für das Sozialwesen vor und führt die vier Beobachtungsbereiche dieses Konzeptes aus:
-Soziale Probleme sind gesellschaftlich unerwünschte Entwicklungen, die den Bedarf nach Sozialer Hilfe konstituieren. Dieser erste Beobachtungsbereich bezieht sich auf die gesellschaftliche Funktion des Sozialwesens.
-Der Bereich "professionelle Leistungen" beobachtet Entwicklungen und Veränderungen von Hilfsleistungen der Organisationen des Sozialwesens. Dieser Bereich beschäftigt sich mit dem Output des Sozialwesens.
-Der dritte Bereich "sozialpolitische Steuerung" beobachtet die politischen Interventions- und Steuerungsmassnahmen und gibt Auskunft über sozialpolitische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Organisationen des Sozialwesens.
-Der vierte Bereich "Versorgungsverhältnisse" untersucht Entwicklungen resp. Veränderungen von regionalen und kantonalen Versorgungsstrukturen. Dieser Beobachtungsbereich beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel und den interinstitutionellen Kooperationsformen der verschiedenen Organisationen Sozialer Hilfe.
Schwerpunkt von Kapitel 4 ist die operative und empirische Ausarbeitung des Beobachtungsbereichs "Sozialpolitische Steuerung". In diesem Kapitel wird aufgezeigt, dass das politische System vier steuerungsstrategische Intrumente hat, um sozialpolitische Ziele umzusetzen. Diese vier steuerungsstrategischen Optionen sind:
-Programmsteuerung: Initiierung von neuen und Weiterentwicklung von bestehenden Hilfsprogrammen,
-Leistungssteuerung: Einrichtung von Leistungsaufträgen zur Spezifizierung der Ressourcennutzung öffentlicher Mittel (Subventionen),
-Zuständigkeitssteuerung: Neuregelungen resp. Klärung von politischen Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten (Bund, Kantone, Gemeinden),
-Versorgungssteuerung: Entwicklung von Versorgungskonzepten (Leitbildern) und Strukturierungen von Versorgungseinheiten (z. B. Psychiatrieregionen).
Kapitel 5 präsentiert eine Untersuchung zur Sozialpolitik in der Zentralschweiz. In diesem empirischen Teil wird am Beispiel der sechs Kantone der Zentralschweiz das Konzept der sozialpolitischen Steuerungsinstrumente, das in Kapitel 4 vorgestellt wurde, umgesetzt.
Datengrundlage bilden zwei schriftliche und mündliche Erhebungen der sozialpolitischen Aktivitäten der Jahre 2001 und 2002 bei allen kantonalen Sozialämtern.
Kategorisiert und ausgewertet wurden diese Aktivitäten einerseits nach Inhalten und Themen und andererseits nach Steuerungsformen. Die Inhalte sozialpolitischer Aktivitäten geben Auskunft darüber, in welchen Problem- oder Aufgabenbereichen die Kantone im Untersuchungszeitraum aktiv waren. Die Analyse der Steuerungsformen soll die sozialpolitischen Strategien der Kantone aufzeigen.
Nachfolgend werden die wichtigsten Ergebnisse für die gesamte Zentralschweiz dargestellt.
Inhaltliche Schwerpunkte der regionalen Sozialpolitik bilden die Bereiche Kinder/ Jugend/ Familie und Ausländerintegration sowie teilweise auch Behindertenbetreuung. Durchschnittlich vertreten waren Grundlagenarbeit der Kantone, Vorhaben bei der Alters- und Sozialhilfe, während die Aktivitäten im Bereich der beruflichen Integration und der Vormundschaftspflege für Erwachsene sehr gering war.
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