Published June 18, 2026 | Version 1.0

Militarisierung von Wissenschaft und Forschung

  • 1. NatWiss e.V.
  • 2. Universität zu Köln
  • 3. ROR icon Universität Hamburg

Contributors

Description

Insbesondere seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gibt es zunehmend Forderungen aus der Politik, Forschung und Lehre an deutschen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen stärker auf militärische, geo- und sicherheitspolitische Ziele auszurichten. Die Fachgruppe „Krieg, Sicherheit, Frieden“ der Scientists4Future Deutschland hat untersucht, welche Rahmenbedingungen dafür bestehen, welche Positionen die verschiedenen Interessenvertreter in Politik und Wissenschaft einnehmen und welche möglichen Auswirkungen einer stärkeren Militarisierung insbesondere der Hochschulen zu erwarten sind und wie diese in Relation zur Wissenschaftsfreiheit stehen.
Ausgangspunkt ist die Rolle der Wissenschaft für die nachhaltige Entwicklung der Menschheit, die Fragen der Sicherheit und internationaler Beziehungen einschließt. Angesichts zunehmender internationaler Spannungen müssen die Konsequenzen der wissenschaftlichen Arbeit stärker bedacht werden. Das umfasst das Dual-Use-Potenzial und die Wissenssicherheit, erfordert aber insbesondere verstärkte Aktivitäten in der Technikfolgenabschätzung und Friedensforschung. Als Alternative zu einer einseitigen Konfrontations- oder Sicherheitslogik müssten die Hochschulen die Grundlagen einer langfristig tragfähigen Friedenslogik erarbeiten, die internationale Kooperation, Diplomatie, individuelle und gemeinsame Sicherheitsinteressen, Wissensaustausch und die Adressierung globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und soziale Krisen in den Mittelpunkt stellt. Dies erfordert eine ausreichende öffentliche Finanzierung. Eine wichtige Rolle kommt den Verfahren der ethischen Bewertung sicherheitsrelevanter Forschung zu, etwa durch Kommissionen für Ethik sicherheitsrelevanter Forschung, wie sie von der Leopoldina und der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt werden. Zivilklauseln, die an vielen deutschen Hochschulen festschreiben, dass Forschung friedlichen Zwecken dienen soll, sind eine wesentliche Richtschnur in diesen Verfahren. Sie müssten erhalten und weiterentwickelt werden.
Dagegen birgt einer Militarisierung der Hochschulen eine Reihe von Risiken:  Einschränkung von Wissenschaftsfreiheit und internationaler Kooperation, zunehmende Geheimhaltung inklusive Publikationsverboten, Einfluss militärischer Geldgeber auf Forschungsthemen, mögliche Selbstzensur und Einschränkung des offenen Diskurses.
Zur Lösung der globalen Probleme ist eine offene internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft unabdingbar. Militärische Forschung sollte überwiegend außerhalb der öffentlichen Universitäten stattfinden, während in den Universitäten militärischer Missbrauch und Dual-Use offen untersucht und diskutiert werden müssen.

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Militarisierung_von_Wissenschaft_und_Forschung-final.pdf

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2026-06-05
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