Randnotiz zu Johannes 6,21: "schon war das Boot am Ufer"
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Im Evangelium nach Johannes findet sich die Erzählung, in der die Jünger in ihrem Boot über den See Genezareth fahren. Es ist Nacht. Ein Sturm kommt auf, Wind und Wellen. Da erblicken sie Jesus. Er geht auf dem See über das Wasser und kommt ihnen entgegen. Sie fürchten sich. Er beruhigt sie. Die Erzählung endet mit dem Satz: »Sie wollten ihn zu sich in das Boot nehmen, aber schon war das Boot am Ufer, das sie erreichen wollten.« (Joh 6,21)
Es ist ein Satz, der fast schon überraschend abrupt die Geschichte beendet. Vor allem aber scheint er von einem weiteren Wunder zu berichten: Nicht nur, dass Jesus über den See geht, hier ist mit einem Mal auch noch das Boot plötzlich am Ufer. Wie ist das möglich und wie ist es gemeint?
Sehen wir uns den Satz an, die Stelle, das Kapitel und betrachten wir die Szene.
Wir werden sehen, dass die Erzählung vom Seewandel eingebettet ist zwischen die Brotvermehrung und die Rede vom Himmelsbrot. Das scheint einen guten Sinn zu haben, denn es liegt ein Weg zwischen dem gewöhnlichen Brot, das der Sättigung des Hungers dient, und dem himmlischen Brot, das uns ewiges Leben schenkt. Dieser Weg kann auch voller Stürme sein und uns bleibt nichts anderes übrig, als ihn zu gehen. Doch wenn wir Gott ins Boot nehmen wollen, sind wir schon am Ufer. Weil Gott das Ufer ist. Weil Gott das Ziel ist.
Die Antwort könnte also lauten: Das Boot ist schon am Ufer, weil Gott das Ufer ist, weil Gott das Ziel ist.
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2026-04-24Erstveröffentlichung 24. April 2026 by Dalibor Truhlar auf Amazon