Das Parlament zu Schnappel: nach stenographischen Berichten herausgegeben
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Ein wunderbares, heiteres Buch, getragen von einer tiefen Melancholie über die politische Entwicklung nach der Revolution von 1848. »Das Parlament zu Schnappel« (1850) gewährt originelle Einblicke in die Gedankenwelt und den Humor des deutschen Nachmärzes.
Es handelt sich um eine Parodie auf die parlamentarischen Debatten der Paulskirche, die in einer Kleinstadt-Wirtschaft angesiedelt ist. Das Werk ist eine wertvolle Quelle für die Mentalitätsgeschichte und die Rezeption der Revolution in der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts.
Rund ein Dutzend Männer trifft sich im Jahr 1849 allabendlich in der Gaststube des »Kronenwirths Wieduwilt« in Schnappel. Anstatt über politische Entscheidungen zu debattieren, wie der Titel verspricht, tauschen sich die Herren aber in einem mehr oder weniger privaten Rahmen über Alltägliches, Anekdoten und Witze aus.
Die illustre Runde besteht aus Stammgästen unterschiedlicher Berufe, Herkünfte und politischer Überzeugungen, darunter ein Stadtphysicus, ein Postmeister, ein Friedensrichter, ein Pfarrer und ein pensionierter Hauptmann. Vom Reaktionär und Konservativen bis zum Republikaner und Sozialisten ist alles vertreten.
Die Besonderheit des Textes liegt in seiner dialogischen Form, die eine immense Lebendigkeit, Unmittelbarkeit und vor allem: Humor erzeugt. Die zahllosen Anekdoten und Schnurren, Wortspiele und Sprachwitze, Ironie und Satire aus vielen Regionen Deutschlands sind geradezu ein Archiv des deutschen Humors um 1850, enthalten aber oft Frustration und Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen.
Das Verhältnis zur gescheiterten Revolution ist das unterschwellige Zentrum der Gespräche. Sie sind durchdrungen von einer tiefen Enttäuschung und Skepsis gegenüber der politischen Entwicklung und beklagen den Verlust der Presse- und Redefreiheit, dass Europa »faul durch und durch« sei und man »auswandern, oder Alles in Geduld abwarten« müsse. Der Humor enthält zwischen den Zeilen auch gelegentlich verzweifelte Untertöne.
Dennoch klingt in der melancholischen Resignation immer wieder ein Funke Widerstand und die Forderung nach Veränderung an. Auch die Überzeugung, dass »solange wir noch lachen und scherzen können zu unseren unheilvollen Zuständen, sind wir noch nicht verloren«, zeugt von einer unbeugsamen Lebenskraft.
Weitere erzählende Literatur zur Revolution 1848 siehe prosa1848.de
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2026-04-09Größe der PDF-Datei