Published September 2025 | Version v1

Eissturmvogel Müll Monitoring in Deutschland – Aktualisierung 2024

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Description

Meeresmüll und hier insbesondere Plastik ist ein global zunehmendes Problem mit umfangreichen ökonomischen und ökologischen Folgen. Mittlerweile ist nahezu das gesamte marine Nahrungsnetz von der Verstrickung in oder dem Verschlucken von Plastikmüll betroffen. Nach Vorarbeiten aus den Niederlanden wird der Eissturmvogel (Fulmarus glacialis) seit 2002 nordseeweit als Indikator für die Plastikmüllbelastung eingesetzt. Er eignet sich in besonderer Weise, da er ein echter Hochseevogel ist und regelmäßig bei der Nahrungssuche Plastik an der Meeresoberfläche aufnimmt, welches er im Magen speichert. Zudem ist er regelmäßig als Totfund im Spülsaum anzutreffen. Durch die Analyse der Plastikpartikel in den Eissturmvogelmägen lassen sich Langzeitdaten zum Umweltzustand der Nordsee sammeln.


Zunächst wurde im Rahmen der OSPAR Meeresschutzkonvention ein Ökologisches Qualitätsziel für den Eissturmvogel für die Nordsee (Fulmar Litter EcoQO) entwickelt und formuliert, das verbindlich festlegte, wie die Plastikmüllbelastung zu reduzieren sei (OSPAR 2008, OSPAR 2010). Auch die europäische Meeresstratgie-Rahmenrichtlinie (MSRL 2008/56/EG, EC 2008) verwendet den Eissturmvogel als Indikator für die Bewertung des Guten Umweltzustands (GES). Er wird für das Kriterium D10C3 in der Nordsee verwendet („Abfälle und Mikroabfälle werden von Meerestieren in einer Menge aufgenommen, die die Gesundheit der betroffenen Arten nicht beeinträchtigt“). Nach wissenschaftlicher Herleitung wurde 2020 das OSPAR EcoQO durch den neuen Eissturmvogelschwellenwert (Fulmar Threshold Value, FTV) für OSPAR und die EU MSRL ersetzt. Die langfristige Zielmarke fordert: „Über einen Zeitraum von mindestens fünf aufeinanderfolgenden Jahren dürfen nicht mehr als 10 % der Eissturmvögel (Fulmarus glacialis) in Proben von mindestens 100 Vögeln den Wert von 0,1 g Plastikpartikeln im Magen überschreiten“ (Van Franeker et al. 2021).


Neben der Bewertung des Guten Umweltzustands anhand des Kriteriums D10C3 werden die Eissturmvogeldaten für die deutschen Nordsee zusätzlich für die Bewertung des Indikators für ein operatives Umweltziel benutzt, das 2024 aktualisiert wurde. Das neue deutsche operative Umweltziel UZ 5.3 besagt: „Die Anzahl der Plastikteile in den Mägen von Eissturmvögeln der deutschen Nordsee ist bis zur Erreichung des bestehenden Schwellenwertes weiter zu reduzieren“. Es wird durch den folgenden Indikator gemessen: „Trend der Plastikteile in den Mägen von Eissturmvögeln“.


Seit 2002 findet das Eissturmvogel Müll Monitoring in Deutschland durchgängig statt. Nach vielen Jahren mit wechselnder und zum Teil fehlender Projektfinanzierung haben sich nun die Küstenbundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg zusammengetan, um ab Herbst 2024 das Monitoring gemeinschaftlich zu finanzieren. Der aktuelle Bericht liefert die Daten für 2024 mit 17 Eissturmvögeln und ergänzt die 2023er Daten um 3 weitere Tiere. Betrachtet werden vornehmlich 5-Jahresperioden um jährliche Schwankungen abzumildern. Von 2020-2024 wiesen 92 % der 86 deutschen Eissturmvögel Plastik im Magen auf. Dies waren im Mittel 17 Partikel mit 0,31 g pro Vogel. 52 % der Tiere lagen oberhalb des Schwellenwerts von 0,1 g Plastik pro Vogel. Diese Werte liegen höher als für die vorangegangenen 5-Jahreszeiträume.


Mit mehr der Hälfte aller Vögel über dem Schwellenwert, ist Deutschland noch weit entfernt davon den Zielwert zu erreichen, dass unter 10 % der Vögel mehr als 0,1 g Plastik im Magen haben dürfen. Seit 2002 lässt sich nur für Industrielles Plastik eine signifikante Abnahme beobachten. Verbraucherplastik und Gesamtplastik nehmen seit 2002 nur langsam ab. Beim 10-Jahrestrend ist für alle 3 Kategorien eine Stabilisierung zu beobachten. Deutschland und die anderen Nordseeanrainer müssen weiterführende und verstärkte Maßnahmen ergreifen, um den Schwellenwert langfristig zu erreichen.

Abstract (English)

Marine litter, especially plastic, is a growing global problem with far-reaching economic and ecological consequences. Almost the entire marine food web is now affected by entanglement in or ingestion of plastic waste. Following preliminary work in the Netherlands, the northern fulmar (Fulmarus glacialis) has been used as an indicator of plastic waste pollution throughout the North Sea since 2002. It is particularly suitable for this purpose as it is a true seabird and regularly ingests plastic from the sea surface while foraging, which it stores in its stomach. In addition, it is regularly found dead along the shores. By analysing the plastic particles in fulmar stomachs, long-term data on the environmental status of the North Sea can be collected.


First, an Ecological Quality Objective for the fulmar in the North Sea (Fulmar Litter EcoQO) was developed and formulated within the framework of the OSPAR Convention on the Protection of the Marine Environment, which set out binding requirements for reducing plastic waste pollution (OSPAR 2008, OSPAR 2010). The European Marine Strategy Framework Directive (MSFD 2008/56/EC, EC 2008) also uses the fulmar as an indicator for assessing Good Environmental Status (GES). It is used for criterion D10C3 in the North Sea (‘Waste and micro-waste are ingested by marine animals in quantities that do not adversely affect the health of the species concerned’). Following scientific derivation, the OSPAR EcoQO was replaced in 2020 by the new Fulmar Threshold Value (FTV) for OSPAR and the EU MSFD. The long-term target requires that ‘Over a period of at least five consecutive years, no more than 10 % of fulmars (Fulmarus glacialis) in samples of at least 100 birds may exceed 0.1 g of plastic particles in their stomachs’ (Van Franeker et al. 2021).


The Fulmar Litter Monitoring has been carried out continuously in Germany since 2002. After many years of fluctuating and, in some cases, lacking project funding, the coastal states of Schleswig-Holstein, Lower Saxony and Hamburg have now joined forces to jointly finance the monitoring from autumn 2024 onwards. The current report provides data for 2024 with 17 fulmars and adds 3 more birds to the 2023 data. Five-year periods are primarily considered in order to mitigate annual fluctuations. From 2020 to 2024, 92 % of 86 German fulmars had plastic in their stomachs. This amounted to an average of 17 particles weighing 0.31 g per bird. 52 % of the birds exceeded the threshold value of 0.1 g of plastic per bird. These values are considerably higher than those for the previous five-year periods.


This means that Germany is still a long way from achieving its target of less than 10 % of birds having more than 0.1 g of plastic in their stomachs. Since 2002, only industrial plastic has seen a significant decline. Consumer plastic and total plastic have only been declining slowly since 2002. The 10-year trend shows stabilisation for all three categories. Germany and the other North Sea coastal states must take further and more stringent measures to achieve the threshold value in the long term.

Files

Eissturmvögel_Müll_Monitoring_in_DE_Aktualisierung_2024.pdf

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