Published March 5, 2026 | Version v1
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Nichtkommerzielle Rundfunkveranstalter: Was sie tun und was sie leisten

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Die vorliegende Studie untersucht die gesellschaftliche Wirkung des Nichtkommerziellen Rundfunks in Österreich und entwickelt ein erweitertes Verständnis von Reichweite. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass klassische Reichweitenindikatoren – Einschaltquoten, Klickzahlen oder Marktanteile – die demokratische und infrastrukturelle Leistung des Sektors nur unzureichend erfassen. Ziel war es daher, die spezifischen Wirkungsdimensionen des NKR empirisch zu rekonstruieren und konzeptionell zu fassen. 

Zentrales Ergebnis ist das Konzept der aktivierenden Reichweite. Darunter werden jene Prozesse verstanden, in denen Individuen und Gruppen durch die Strukturen des nichtkommerziellen Rundfunks befähigt werden, sich einen medialen und demokratischen Möglichkeitsraum zu erschließen, der ihnen andernfalls nicht zugänglich wäre. Reichweite wird hier nicht primär als Größe eines Publikums definiert, sondern als Qualität und Dauer von Beteiligung, als Erweiterung medialer und sozialer Kompetenzen sowie als Stabilisierung eigenständiger Öffentlichkeiten. 

Die fallübergreifende Analyse der Interviews mit Programmmacher:innen zeigt sechs ineinandergreifende Wirkungsräume. Erstens fungiert der Nichtkommerzielle Rundfunk als demokratischer Möglichkeitsraum, in dem zivilgesellschaftliche Akteur:innen Öffentlichkeit nicht nur erhalten, sondern selbst herstellen können. Sichtbarkeit ist hier Ergebnis partizipativer Produktionspraxis und institutioneller Unterstützung – nicht marktförmiger Selektion. Zweitens wirkt der Nichtkommerzielle Rundfunk als Praxislabor Medien: Medienkompetenz entsteht durch reale Produktionsprozesse, durch kooperative Arbeit und durch durchlässige Übergänge zwischen Amateur:innen und Professionalität. Drittens etabliert er einen Bildungs- und Diskursraum, in dem Medien nicht nur genutzt, sondern kritisch reflektiert und kontextualisiert werden. Viertens schafft der Nichtkommerzielle Rundfunk mit eigenen Plattformen und Archivstrukturen eine gemeinnützige, technologisch souveräne Infrastruktur, die Inhalte langfristig absichert und von algorithmischen Verwertungslogiken entkoppelt. Fünftens ermöglicht seine alternative Zeitlogik vertiefte Auseinandersetzung jenseits beschleunigter Aufmerksamkeitsökonomien. Sechstens eröffnet er ästhetische Experimentierräume, in denen hybride und innovative Formate ohne unmittelbaren Marktdruck entstehen können. 

In der Zusammenschau wird deutlich: Der Nichtkommerzielle Rundfunk ist nicht lediglich ein alternativer Programmanbieter, sondern eine demokratisch relevante Medieninfrastruktur. Seine Leistung reicht über die Produktion von Inhalten hinaus. Er sichert materielle Zugänge zu Medienproduktion, vermittelt Kompetenzen, stabilisiert lokale und thematische Öffentlichkeiten, fördert zivilgesellschaftliche Vernetzung und stärkt technologische Souveränität. Aktivierende Reichweite erweist sich dabei als Strukturprinzip seines Wirkens. Sie manifestiert sich in langfristigen Beteiligungsprozessen, in der Befähigung zur eigenen medialen Artikulation und in der institutionellen Absicherung partizipativer Praxis. Der Nichtkommerzielle Rundfunk produziert somit nicht nur Programme – er produziert demokratische Handlungsfähigkeit. 

Für medienpolitische und förderpolitische Entscheidungen folgt daraus, dass eine Bewertung des Sektors nicht ausschließlich auf quantitativen Reichweitenkennzahlen beruhen kann. Erforderlich ist ein Verständnis, das die demokratiepolitische, kompetenzbildende und infrastrukturelle Funktion des Nichtkommerziellen Rundfunks anerkennt. In einer zunehmend plattformdominierten Medienumgebung stellt er einen strukturell verankerten Möglichkeitsraum dar, in dem Öffentlichkeit, Teilhabe und Selbstermächtigung materiell abgesichert werden. 

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Subtitle (German)
Eine qualitative Studie zu den Leistungen des Nichtkommerziellen Rundfunks in Österreich