"Die Kartei ist das überwundene Buch" – Rolle und Funktion des Zettelkatalogs als Teil der bibliothekarischen Sammlung
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Der Zettelkatalog gehört zu den Erfindungen, die die Bibliothek der Welt geschenkt und die als Kartei große Erfolge gefeiert hat (Krajewski 2017). In der Geschichte des Kataloges markiert er einen wichtigen Schritt. Von der Katalogkarte auf der Rückseite von Spielkarten (Desmarais, Rozier), über den in Parma erstellten „endgültigen“ Katalog auf Karten (Paciaudi), also einen Katalog, der nicht mehr von Karten in einen Band übertragen wird, entwickelte sich das Konzept ‚Zettelkatalog‘ über die Erfindung von Lochung der Karte und Stange (Pinçon) und schließlich die Normierung (‚Harvard‘, Abbott) zu einem hoch effizienten analogen Ordnungs- und Verweissystems. Doch der Katalog ist mehr, er ist Gegenstand seiner selbst, Teil der bibliothekarischen Sammlung, die er beschreibt. Er überwindet den Katalogband bzw. das Buch, bleibt aber zugleich wie ein Buch Bestandteil der Bibliothek. Das verdeutlicht nichts besser als der „catalogue capsenthétique“ des Pinçon, der wie ein Großfolio mit Ledereinband gestaltet wurde (Barbier et al. 2015), so wie ein Buch, das man ins Regal stellt.
Das Wegwerfen oder auch das Kopieren des Kataloges in ein anderes Medium, mag er auch durch eine „neue Ausgabe“ oder ein „neues System“ überholt sein, ist daher immer ein Risiko (Baker 2002) und muss strengen Aussonderungsrichtlinien unterliegen. Die Bibliothek ist ein Ort in den wir, wie Eco (2010) einmal formuliert hat, wie in eine „Tiefkühlzelle“ unsere „Erinnerung“ einlagern, zu der auch Kataloge gehören, die, trügen sie selbst auch eine Signatur, weniger im Sinne der Funktion, die sie erfüllen oder früher erfüllten, betrachtet würden, denn als Teil der Bibliothek, in der sie sich befinden.
Der Beitrag möchte aus einer historischen Perspektive die Funktion und Rolle des Bibliothekskataloges als Teil der Sammlung der Bibliothek und wissenschaftlichen Gegenstand beleuchten und daraus Empfehlungen für die bibliothekarische Behandlung von „Zettelkatalogen“ ableiten.
Notes (German)
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