Warum Wissenschaft die einzige Säule ohne institutionelle Selbstverteidigung ist
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Moderne Gesellschaften stützen sich auf mehrere tragende Säulen, darunter Politik, Recht, Medien, Wirtschaft und Wissenschaft. Während die meisten dieser Systeme über institutionelle Mechanismen zur Selbstbegrenzung und Selbstverteidigung verfügen, bildet die Wissenschaft eine strukturelle Ausnahme. Der Essay argumentiert, dass Wissenschaft keine eigene institutionelle Architektur besitzt, die sie vor funktionaler Überdehnung schützt, sobald sie in politische Entscheidungsprozesse eingebunden wird. Historisch als dezentrale, selbstkorrigierende Erkenntnispraxis entstanden, war Wissenschaft nicht darauf ausgelegt, als machtnahe Instanz zu fungieren. Unter Bedingungen permanenter Krisen wird diese Leerstelle sichtbar: Epistemische Selbstkorrektur wirkt zu langsam, um politische Instrumentalisierung zu verhindern. Ohne eine prozedurale Grenzinstanz zwischen Erkenntnis und Entscheidung droht Wissenschaft, ihre epistemische Autonomie gerade aufgrund ihres gesellschaftlichen Erfolgs zu verlieren.
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