Der philosophische Schwanengesang
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Die Studie untersucht das Phänomen des philosophischen „Schwanengesangs“ am Beispiel von Dieter Henrichs Spätwerk Furcht ist nicht in der Liebe (2022). Der über neunzigjährige Philosoph, zeitlebens dem Kantischen Denken und der Theorie des Selbstbewusstseins verpflichtet, wendet sich darin überraschend einem biblischen Vers zu und entwickelt eine Konzeption der Liebe als Gegenfigur zur existenziellen Angst. Diese Wendung wird nicht als biographische Anomalie, sondern als philosophisch signifikanter Schritt gelesen.
Die Untersuchung zeigt, dass Henrichs späte Position sowohl in frühen biographischen Erfahrungen als auch in einem breiteren philosophiegeschichtlichen Zusammenhang verankert ist. Im Dialog mit Heidegger wird deutlich, dass Henrich der existenzialontologischen Bestimmung der Angst als Grundbefindlichkeit des Seins zum Tode eine alternative Denkfigur gegenüberstellt: die „vollkommene Liebe“ als nicht-verdrängende, sondern verwandelnde Weise des Umgangs mit Endlichkeit.
Der Befund wird durch weitere Beispiele aus der Philosophie und den Künsten gestützt, darunter Heideggers späte Lehre der Gelassenheit, Wittgensteins Abkehr vom systematischen Sprachideal sowie analoge Bewegungen im musikalischen und bildnerischen Spätwerk großer Künstler. Die Studie argumentiert für eine ontologische Konstante des Schwanengesangs im philosophischen Spätwerk: eine späte Öffnung für das Unvordenkliche, die nicht Schwäche, sondern eine spezifische Form von Reife darstellt. In gegenwärtigen Kontexten kollektiver Verunsicherung gewinnt diese Denkfigur besondere Aktualität.
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- Subtitle (German)
- Von Heideggers Kehre zu Henrichs Liebe – Das späte Sich-Öffnen großer Denker