Gräber, Gaben, Generationen. Der frühmittelalterliche Friedhof (7. Jahrhundert) von der Früebergstrasse in Baar (Kanton Zug). Antiqua 48 (Basel).
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Description
Im Jahr 2000 wurde auf dem Areal einer Wohnüberbauung an der Früebergstrasse in Baar ZG ein frühmittelalterliches Gräberfeld (7. Jh.) entdeckt. In einer phasenweise spektakulären Rettungsgrabung wurden insgesamt 208 Skelette und über 5000 Einzelfunde zutage gefördert. Viele Grabbeigaben waren dabei in Blöcken geborgen worden, die man später im Labor unter optimalen Bedingungen freigelegt und dokumentiert hat. Das materialgerechte Vorgehen und die sehr gute Dokumentation auf der Ausgrabung lieferten eine optimale Basis für die Auswertung der Funde und insbesondere der Befunde.
Die Autorin, unterstützt von einem interdisziplinären Team von Fachleuten sowie wissenschaftlichen Zeichnerinnen und Zeichnern, konnte zahlreichen Fragestellungen fundiert nachgehen. Die in Wort und — besonders hervorzuheben — aufwendiger zeichnerischer Umsetzung der Detailbefunde vorgelegten Resultate weisen ein äusserst breitgefächertes Spektrum auf, z. B.:
- anthropologische Untersuchungen, die u. a. zeigten, dass im frühmittelalterlichen Baar verhältnismässig gute Lebensbedingungen geherrscht haben müssen
- feinstratigraphische Untersuchungen der im Labor freigelegten Befunde inklusive der organischen Materialien: Textilien, Leder, Fell, Hölzer
- metallographische Untersuchung von Saxklingen, erweitert um eine japanische Untersuchungsmethode zur Klingenkunde und Erkenntnisse zur Tauschierung von Eisenobjekten
- Aussagen zur Verwendung von Perlen am Kleid bzw. zur Tragweise von (Hals-) Perlenketten (Farbrhythmus und Farbsymmetrie sind wichtiger als einzelne Formen oder Muster)
- Erarbeitung von sozialen Kategorien aufgrund von Perlen und Gürtelgehängen
- Rekonstruktion von Wadenbindenschnallen (statt Schuhschnallen)
- Entwurf von Lebensbildern (u. a. «Der Mann mit dem Ziegenfellmantel», «Die Totenherrichtung«, «Das Babygrab»)
- Untersuchung der Bestattungssitten: geschlechts- und altersspezifische Unterschiede wurden im Grab dargestellt
- das Grab als Form der visuellen Kommunikation innerhalb einer Gesellschaft, das Ideologien widerspiegelt (Idealbild von reich geschmückten Frauen und schwer bewaffneten Männern)
- Interpretationen des Zeichengehalts und ikonographische Vergleiche von Verzierungsmotiven
- Überlegungen zur Unterscheidung von sozialem (gender) und biologischem Geschlecht (sex)
- horizontalstratigraphische Analysen der Belegungsentwicklung.
Files
Antiqua_48_Baar_Früebergstrasse_1_E-Book.pdf
Additional details
Additional titles
- Subtitle (German)
- Band 1: Text
- Subtitle (German)
- Band 2: Katalog, Tafeln und Verzeichnisse