Published November 13, 2025 | Version 1.0.0
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Von Flurnamen und Fensterrosen: Datenrettung mit dem Cultural Heritage Framework

Authors/Creators

  • 1. Academy of Sciences and Literature Mainz

Description

Wenn Akademieprojekte in möglichst generische technische Infrastruktur investieren, ermöglicht dies auch nicht antizipierte Nutzungsszenarien. So fanden in den vergangenen Monaten an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (AdWL) zwei Datenrettungsprojekte statt, deren Umsetzung und Herausforderungen in diesem Beitrag herausgearbeitet werden. Die technische Grundlage für beide Projekte bildet das Cultural Heritage Framework (CHF), das über Projektgrenzen hinweg Datenmodelle, Benutzerüberflächen und Serialisierungen für Kulturgut-Webanwendungen bereitstellt und sich auch für Portale eignet. Die soziale Grundlage bildeten der Ruf der AdWL (und der Unionsakademien generell) als zuverlässiger Infrastrukturbetreiber sowie starke Regionalnetzwerke im einen und internationale Vernetzung im anderen Fall.

Im Rahmen des Digitalen Familiennamenwörterbuchs Deutschlands (DFD) wurde das Rheinland-Pfälzische Flurnamenlexikon (RPFL) bewahrt, das maßgeblich an einer Mainzer Partnerinstitution (Institut für Geschichtliche Landeskunde) aufgebaut wurde und kontinuierlich bearbeitet wird. Ziel des Projekts ist die digitale Erschließungen von Flurnamensammlungen aus verschiedenen analogen Quellen. Die Rettung wurde nötig nachdem die ursprüngliche Redaktionssoftware und begonnene Publikation aus Sicherheitsgründen vom Netz genommen werden mussten; auch eine zunächst provisorisch eingerichtete nicht-öffentliche Variante auf einem improvisierten Server erwies sich als nicht dauerhaft wartbar. Im Rettungsprozess wurden die vorhandenen Datentabellen passend zu den Wörterbuch- und Lexikon-Datenmodellen des CHF transformiert und ins Portal für Namenforschung importiert. Neben der Wiedereröffnung von Redaktionsoberflächen steht dem Projekt damit auch ein Baukasten für die Ausspielung und Serialisierung der Daten zur Verfügung. Das RPFL wird in derselben Softwareinstanz betrieben wie das DFD, erhält auf diese Weise automatisch Aktualisierungen und Verbesserungen, aber kann seine Daten separat pflegen. So war der arbeitsreichste Schritt schlussendlich nicht der Import, sondern der Aufbau des gegenseitigen Vertrauens aller Entscheidungsträger.

Einen abenteuerlicheren Weg nahmen die Daten des britisch-französischen Citizen-Science-Projekts The Rose Window. Die Fotografien, Metadaten und einfachen Standortdokumentationen der Amateurwebseite werden in der internationalen Glasmalereiforschung rege genutzt, doch wie viele vergleichbare Projekte war der Bestand an eine Einzelperson im Rentenalter geknüpft. Über Kolleg:innen im internationalen Corpus Vitrearum ergab sich Kontakt zum Corpus Vitrearum Medii Aevi (CVMA) und der Wille, eine Fallstudie ggf. auch als Vorbild für weitere Datenrettungen in diesem Bereich umzusetzen. So wurde letztlich die einzige Sicherungskopie der 2 TB umfassenden Daten per Festplatte von Frankreich nach Deutschland geschickt und dort kopiert; der Versand aus dem Vereinigten Königreich war zu diesem Zeitpunkt Brexit-bedingt zu unsicher. Mit Hilfe einer NoCoDB konnte eine vorhandene Datentabelle vereinheitlicht und zusammen mit den Bildern in eine im Aufbau befindliche CHF-Instanz des CVMA importiert werden. Die Daten sind nun Teil eines neuen Community-Angebots, wo sie parallel zu den CVMA-Daten vernetzt ausgespielt und nach Bedarf weiter bearbeitet werden können. Die größte Herausforderung war nicht der einzelne Bestand, sondern der weitere große Bedarf nach institutionalisierter Langzeitverfügbarkeit ähnlicher digitaler Sammlungen kombiniert mit dem wahrgenommenen Verlust historisch gewachsener Präsentationsschichten.

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Datenrettung - Steller - Folien.pdf

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