Published August 29, 2025
| Version v1
Presentation
Open
BMI-Monitoring und Sportmotorik Erhebung bei Schülerinnen und Schülern verschiedener Schultypen: Eine soziodemographische Analyse mit bildungspolitischem Fokus.
Description
Eine aktuelle Meta-Datenanalyse basierend auf 3'662 bevölkerungsrepräsentativen Studien berichtet von einer Verdoppelung der Adipositas-Zahlen weltweit seit 1990. Bei schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen haben sich die Zahlen in diesem Zeitraum weltweit gar vervierfacht (Phelps et al., 2024). Bezüglich der Übergewichtsprävalenz von schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen in der Schweiz hält die health behaviour in school-aged children Untersuchung (HBSC-Studie) fest, dass der Anteil an Übergewichtigen bei den 11-15 Jahre alten Schülerinnen und Schülern von 1990 bis 2014 angestiegen ist und bei der letzten Befragung im Jahr 2018 stagnierte. Dies ist nur ein vermeintlich positives Signal, denn auch hierzulande macht sich der sogenannte adipositas-shift bemerkbar. Das Phänomen beschreibt die Verschiebung des Anteils an moderat bis mittelstark übergewichtigen Personen zu stark Übergewichtigen (i.e. Adipösen). In den letzten 30 Jahren hat sich der Anteil adipöser Menschen ab 15 Jahren in der Schweiz verdoppelt (BfS, 2023). Die Zunahme an übergewichtigen Menschen in der Bevölkerung ist aus gesundheitlicher Sicht problematisch. Zudem zeigt der zahlreich dokumentierte inverse Zusammenhang zwischen Gewichtsstatus und sportmotorischer Leistungsfähigkeit bei Schulkindern (bspw. Wälti et al., 2022), dass Übergewicht einem gesundheitsförderlichen Verhalten nicht zuträglich ist. Dass das Bewegungsverhalten ein Sozialisationsphänomen ist, welches stark an die Bewegungsaktivität der Eltern gebunden ist (Lamprecht et al., 2021) und dass die Übergewichtsprävalenz vom sozioökonomischen Status der Familie beeinflusst wird (Quilling et al., 2016), ist belegt.
Nebst der übergeordneten Fragestellung, ob ein Zusammenhang zwischen dem BMI und der sportmotorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen besteht, wurde in dieser regional-repräsentativen Studie auch der Zusammenhang der Übergewichtsprävalenz zur Herkunft, zum Sozialstatus und zum Schultyp erforscht. Besonders der letzte Aspekt rückt aufgrund des Studiendesigns in den Fokus. Die darzustellenden Ergebnisse basieren auf einem Body Mass Index (BMI) und Sportmotorik Monitoring, in welchem zusätzlich zahlreiche soziodemographische Faktoren erhoben wurden. Insgesamt wurden Daten von 2'469 Kinder und Jugendlichen an drei Schultypen erhoben: Erstens an Volksschulen (Kindergarten, 4. und 8. Klassen), zweitens an Kantonsschulen (8. und 12. Klassen) und drittens bei Lernenden im 3. Lehrjahr an Berufsfachschulen. In diesen drei Teilstichproben wurde eine BMI-Erhebung durchgeführt, indem die Körpergrösse und das Körpergewicht der Testpersonen objektiviert gemessen wurde. Auf allen Schulstufen wurden weitere Daten durch eine subjektive Erfassungsmethode via Fragebogen erhoben. So wurden qualitative und quantitative Merkmale zu soziodemografischen Hintergründen und zur Sportaktivität erfragt. Weiter wurde ab der 4. Klasse ein sportmotorischer Leistungstest bestehend aus sieben Testaufgaben durchgeführt.
Die Auswertung zeigt, dass sich der prozentuale Anteil an übergewichtigen Personen mit zunehmendem (Schul-)Alter erhöht. In dieser dritten Messperiode zeigt sich erstmals eine auffällige, signifikante Verschiebung von einer verminderten Anzahl übergewichtiger zu einer zunehmenden Anzahl adipöser Kinder- und Jugendlicher (i.e. adipositas-shift). Das negative Korrelat des Migrationshintergrundes mit dem Übergewichtsrisiko manifestiert sich auf der Volksschulstufe ab dem 4. Schuljahr bedeutsam und ist bei der Teilstichprobe Berufsfachschule hoch signifikant. Die durchschnittlich deutlich höchsten Werte sind bei Berufsschullernenden mit Migrationshintergrund festzustellen; hier sind rund ein Drittel übergewichtig (inkl. adipös). Es zeigen sich erneut schultyp-spezifische Unterschiede, wenn man Jugendliche im gleichen Altersspektrum vergleicht. So sind Kantonsschülerinnen und -schüler des 8. Schuljahres weniger übergewichtig als Schülerinnen und Schüler desselben Schuljahres der Volksschulen. Jene des 12. Schuljahres von Kantonsschulen sind weniger übergewichtig als Lernende des 3. Lehrjahres an Berufsfachschulen. Die sportlichen Leistungen der getesteten Personen verweisen insbesondere bei den Mädchen im 8. Schuljahr der Volksschulen auf einen Negativtrend, der sich bei jenen mit Migrationshintergrund verschärft zeigt. In allen Schultypen zeigt sich, dass Testpersonen mit Eltern, die einen höheren Fachabschluss aufweisen, ein geringeres Risiko haben übergewichtig (inkl. adipöse) zu sein. Ein Faktor der ebenfalls zu schultyp-spezifischen Unterschieden beiträgt, könnte die Vereinsaktivität darstellen: An Gymnasien sind doppelt so viele Personen Vereinssportaktiv als an den Berufsfachschulen. Die Erkenntnisse werfen unweigerlich gesellschafts- wie auch bildungspolitische Fragen auf, die diskutiert werden müssen.
Notes
Files
Posterbeitrag_Serino-Anliker_BMIMLT2324.pdf
Files
(362.8 kB)
| Name | Size | Download all |
|---|---|---|
|
md5:c1926e8cf425ea5614a90bc0f8782925
|
362.8 kB | Preview Download |
Additional details
Related works
- References
- Report: 10.5281/zenodo.15013908 (DOI)