Gesellschaftliche Deutung von Armut und Bewältigungsstrategien von Armutsbetroffenen: Erkenntnisse aus der Literatur und ihre Relevanz für die sozialarbeiterische Beratungsarbeit
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Armut wird gemeinhin mit Selbstverschuldung, Unfähigkeit, Faulheit, Arbeitsscheu und dergleichen in Verbindung gebracht. Diese seit langem tradierten, durch gesellschaftliche Entwicklungen geprägten und medial verbreiteten stereotypen Bilder sind in der Gesellschaft stark verankert. Armut wird primär als individuelles Versagen thematisiert und gesellschaftlich bedingte Strukturprobleme aussen vor gelassen. Nicht zuletzt beeinflusst dies, dass viele Menschen trotz prekären Lebenssituationen keine (private oder staatliche) Hilfe in Anspruch nehmen. Hilfebedürftigkeit bzw. Inanspruchnahme von Hilfe stehen in einem dauernden Spannungsverhältnis zu dieser gesellschaftlichen Deutung von Armut.
Was Armutsbetroffene bei der Bewältigung ihres Alltags leisten, welche Strategien des Überlebens und der Identitätssicherung sie entwickeln, bleibt oft unbeleuchtet. In der sozialarbeiterischen Beratungsarbeit sowohl gesellschaftliche Entwicklungen bzw. Deutungen als auch Strategien und das Handlungsvermögen von Armutsbetroffenen im Blick zu haben ist relevant. Dadurch können Verhaltensweisen von Klient_innen – ihr Streben nach psychosozialer Handlungsfähigkeit und somit nach Selbstwert, Anerkennung, Selbstwirksamkeit – auch aus der Perspektive der Armutsbetroffenheit erkannt, gedeutet und diesen entsprechend begegnet werden.