Fachwissenschaftliches und fachdidaktisches Wissen angehender Sekundarlehrkräfte im naturwissenschaftlichen Experimentieren mit Tabletten − Entwicklung von Messverfahren und erste Ergebnisse
Description
Hintergrund Die Erforschung des Fachwissens und des fachdidaktischen Wissens von Lehrpersonen ist ein zentrales Anliegen der Unterrichtsforschung. Da diese beiden Wissensdimensionen zu einem grossen Teil als fach- bzw. themenspezifisch gelten, müssen zu deren Erfassung spezifische Testinstrumente entwickelt werden. In der vorliegenden Arbeit werden anhand eines chemischen Experiments zur Löslichkeit von Brausetabletten solche Testinstrumente entwickelt. Simultan findet die Entwicklung analoger Tests zum Fachinhalt des Experimentierens mit Asseln statt. Mit diesen Instrumenten wird das Wissen angehender Lehrkräfte der Sekundarstufe I untersucht. Es soll geklärt werden, welches fachwissenschaftliche und fachdidaktische Wissen diese Lehrkräfte an der Pädagogischen Hochschule Zürich im naturwissenschaftlichen Experimentieren aufweisen. Zudem soll begutachtet werden, ob sich die eingesetzten Textvignetten zur objektiven Erfassung dieses Wissens eignen.
Methode Die für diese Untersuchung entwickelten Tests bedienen sich eines offenen Textvignettenformats. Die gewonnenen Antworten werden mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring auf Basis von Kategoriensystemen ausgewertet. Diese Auswertungsmethodik verlangt die Erstellung separater Kategoriensysteme für jeden Test. Die Auswertung der Antworten der 14 Studienteilnehmenden erfolgt durch zwei kodierende Personen.
Resultate Die erstmalige Durchführung zeigt, dass die Tests das Wissen im Fall dieser Stichprobe angehender Lehrpersonen breit abfragen. Obschon die klassischen Testgütekriterien nicht abschliessend überprüft werden konnten, sind in den Antworten Schwerpunkte sowie Lücken in bestimmten Fachwissensbereichen und fachdidaktischen Wissensbereichen erkennbar.
Schlussfolgerungen Die Kategoriensysteme zeigen mögliche Strukturen der Wissensdimensionen auf, die für eine Auswertung angewendet werden können. Die Auswertungsmethodik bedarf jedoch einer Verfeinerung, indem die Qualität der Aussagen der Teilnehmenden mit einbezogen werden. Zudem muss eine Validierung der Tests stattfinden. Die Schwerpunkte in den Nennungen der fachwissenschaftlichen Kategorien geben Hinweise darauf, dass sich eine verstärkte Thematisierung bestimmter Ausbildungsinhalte auch in den Auswertungsresultaten niederschlägt. Allerdings sind auch Lücken bei zentralen Konzepten erkennbar. Diese Konzepte bedürfen einer stärkeren Verankerung bei den Studierenden. In Bezug auf das fachdidaktische Wissen lässt sich erkennen, dass Studierende in den meisten Fällen lernzielorientiert beraten. Sie klären grösstenteils mögliche nächste Schritte und probieren die Lernenden dabei kognitiv anzuregen. Wenn sie Feedback geben, ist dieses zumeist in Form eines aufgabenbezogenen Lobs.