Published January 18, 2023 | Version 1
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11 Prinzipien guten Medien & Informatik Unterrichts: Ein Diskussionsanstoss

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Unsere Arbeits- und Lebenswelt ist stark mit digitaler Infrastruktur durchdrungen. Beispielsweise ist das Internet für die meisten Schüler*innen „eine Infrastruktur, die sie wie Wasser- oder Stromnetze als gegeben voraussetzen“ (Stalder, 2020). Mit einer sich wandelnden digitalen Infrastruktur verbunden sind gesellschaftliche und kulturelle Transformationsprozesse, wobei sich technische Entwicklungen und kulturelle Veränderungen gegenseitig beeinflussen. Diese Prozesse haben auch „Einfluss auf Schule, Unterricht und Schüler*innen. Die Nutzung [und Gestaltung Anm. Autor*innen] von digitalen Medien- und Computertechnologien hat sich als Schlüsselkompetenz in der Gesellschaft etabliert, genauso wie Lesen, Schreiben und Rechnen” (Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz [D-EDK], 2016). Diese umfassende gesellschaftliche Bedeutung führte dazu, dass Medien & Informatik im Lehrplan 21 als Modul angelegt ist und damit in allen Fachbereichen thematisiert wird (D-EDK, 2016). Dass nicht ein Fach allein für die Vermittlung von Medien- und Informatikkompetenzen zuständig ist, sondern die Verantwortung gleichzeitig auch bei den anderen Fachbereichen liegt, ist eine Herausforderung (Herzig & Martin, 2020). Es müssen „abgestimmte schulische Lerngelegenheiten geschaffen werden […], die in der Summe der Beiträge aller Unterrichtsfächer einen umfassenden Kompetenzerwerb ermöglichen“ (Herzig & Martin, 2020, S. 283). Diesen umfassenden Kompetenzerwerb streben die 11 Prinzipien für guten Medien & Informatik Unterricht an und kommen deshalb nicht nur in den vorgesehenen Medien & Informatik-Lektion (im Kanton Bern für die 5.-7. und 9. Klasse) zum Tragen, sondern auch überall da, wo Medien & Informatik integriert in anderen Fachbereichen unterrichtet wird.

Guter Medien & Informatik Unterricht orientiert sich zuallererst am übergeordneten Bildungsauftrag der Volksschule. Bildung wird dabei als offener, lebenslanger und aktiv gestalteter Entwicklungsprozess des Menschen verstanden, der es dem Einzelnen ermöglicht „seine Potentiale in geistiger, kultureller und lebenspraktischer Hinsicht zu erkunden, sie zu entfalten und über die Auseinandersetzung mit sich und der Umwelt eine eigene Identität zu entwickeln“ (D-EDK, 2016). Ein solches Bildungsverständnis, dass die Mündigkeit und Emanzipation der Schüler*innen im Hinblick auf die formulierten Bildungsziele ins Zentrum stellt, liegt allen 11 Prinzipien zu Grunde.

Des Weiteren orientiert sich guter Medien & Informatik Unterricht an den allgemeindidaktischen Merkmalen guten Unterrichts (siehe beispielsweise Meyer, 2021). Auf eine erneute Formulierung dieser Grundsätze wird deshalb verzichtet. Die 11 Prinzipien gehen auf Aspekte ein, die den Autor*innen insbesondere für den Medien & Informatik Unterricht als wichtig erscheinen. Dabei sind die formulierten Prinzipien nicht trennscharf. Sie stehen in einem wechselwirkenden Verhältnis zueinander.

Die gleichzeitige Berücksichtigung aller 11 Prinzipien ein hoher Anspruch. Wir empfehlen deshalb im eigenen Unterricht mit dem Umsetzen einiger weniger Prinzipien zu starten und dann Schritt für Schritt weitere Prinzipien zu berücksichtigen. Um einen ersten Einstieg zu erleichtern sind enthalten alle Prinzipien kurze Beispiele. Diese Beispiele sind nicht als abschliessend sondern exemplarisch und inspirierend zu verstehen.

Die Prinzipien knüpfen an die beiden Grundlagenpapiere Grundlagen eines Perspektivrahmens Medien & Informatik (Regez et al., 2022) sowie Überlegungen zu einer gemeinsamen Fachdidaktik Medien & Informatik (Regez et al., 2023) an. Allen, die weiter in die Thematik einer Fachdidaktik Medien & Informatik eintauchen wollen, sind diese Dokumente zur weiteren Lektüre empfohlen.

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