Der Begriff der sinnlichen Erkenntnis bei Immanuel Kant und Alexander Gottlieb Baumgarten - Eine Annäherung an die Perzeptionsgeschichte in der europäischen Aufklärung -
Authors/Creators
Description
Die Grundfragen, welche im Rahmen der Epistemologie, also der Erkenntnislehre, gestellt
werden, lauten u.a. „wie und inwiefern beteiligen sich die Sinne und der Verstand am
Erkennen“, „wie kommt Erkenntnis zustande“ oder „was ist Erkenntnis überhaupt“?
Hierzu führt Thaliath in seinem Aufsatz zur sinnlichen Erkenntnis (2018) folgende
Überlegungen aus: „Seit der Grundlegung der Episteme- und der Epistemologie – von
Platon wird an der Zusammenwirkung bzw. an der korrelativen Beteiligung der Sinne und
des Verstandes am Erkennen kaum gezweifelt. Man erkennt durch die Sinne und den
Verstand. Allerdings sind diese durchaus verschiedenen Fähigkeiten des Subjekts in
Bezug auf die Natur und das Ausmaß ihrer Beteiligung am Erkennen kaum gleichgestellt
worden. Stattdessen werden sie im Erkenntnisprozess hierarchisch unterteilt. Den Sinnen
schreibt Platon eine niedrige Funktion zu, nämlich die unvollkommene oder unpräzise
Wahrnehmung von Gegenständen, die in ihrem Seinsmodus ebenso unvollkommene
Abbilder von Ideen ausmachen. Dagegen ist der epistemische Zugang zu den
vollkommenen und ewigen Ideen notwendigerweise eine geistige Schau (Thaliath 2018:
2).“ Diese epistemische Grundansicht wird auch von Descartes in der Frühmoderne weiter
vertreten; er beschreibt die sinnlichen Wahrnehmungen als eine „Vorphase des
Erkennens“, d.h. es bedarf bei der Verarbeitung von Sinneseindrücken der klärenden und
ordnenden Beteiligung des Verstandes. Diese Vorrangstellung des Verstandes vor der
Sinnlichkeit wurde, so Thaliath, auch „in der postkartesischen Philosophie des
Rationalismus weiter expliziert“ und dann in der Transzendentalphilosophie Kants weiter
ausgeführt (vgl. Thaliath 2018: 2).
In seiner Lehre der Sinnlichkeit, der Transzendentalen Ästhetik – einem Teil der Kritik der
reinen Vernunft -, erörtert Kant diese Vorrangstellung des Verstandes gegenüber der
Sinnlichkeit. Im Anschluss wird der erste Teil seiner Transzendentalen Elementarlehre im
Detail wiedergegeben und kommentiert.