Encoding Provenance. Live-Demonstration des Provenance Interface
Description
Seit 2021 recherchieren die Forscherinnen im OFP-Projekt am Brandenburgischen Landeshauptarchiv die Provenienzen von Kunst- und Kulturgütern, die in der Zeit des Nationalsozialismus von der Vermögensverwertungsstelle beim Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg geraubt wurden. Hierfür werden die zuvor digitalisierten Akten dieser NS-Finanzbehörde mittels eines digitalen Tools ausgewertet. In der Folge entstehen zahlreiche Forschungsdaten
rund um die Objekte und ihre Herkunft.
Als digitales Forschungsprojekt kam schnell die Frage auf: Wie können die gesammelten Informationen nachhaltig und strukturiert auch nach dem Projektende 2026 bereitgestellt werden? Die Antwort liegt in einem digitalen Werkzeug, das an der Schnittstelle zwischen Provenienzforschung und Digital Humanities im Projekt entwickelt wurde: Das Provenance
Interface.
Das Provenance Interface dient der systematischen Dokumentation der Provenienz von Kunst- und Kulturgütern. Mit dieser Anwendung können Objektgeschichten und Eigentumsverhältnisse sowie deren Entzugs- und Erwerbungskontexte strukturiert abgebildet werden. Die Grundlage bildet eine relationale Datenbank, die es ermöglicht die Beziehungen von Kunstwerken, Personen, Organisationen, Ereignissen und Quellen zu erfassen und erlaubt somit eine
nachvollziehbare Darstellung von Provenienzen.
n dem Vortrag wird anhand der Eingabe einer konkreten Provenienz veranschaulicht, wie auch fragmentarische und unsichere Daten verarbeitet, Akteure und Beziehungen abgebildet und Archivquellen in den historischen Kontext eingebettet werden können. Dabei zeigt sich, wie das Provenance Interface nicht nur Transaktionen, sondern auch die umfassenden Verflechtungen von antisemitischer Vernichtungspolitik, Ausplünderung, Besitzwechsel und
Restitution durch Zeit und Raum dokumentiert.
Das Provenance Interface steht exemplarisch für den digitalen Wandel in der Provenienzforschung und ist Teil der wachsenden Bestrebungen innerhalb der Fachdisziplin, maschinenlesbare, auswertbare und nachnutzbare Datengrundlagen zu schaffen. Die Präsentation zeigt, wie ein solches Werkzeug und ein datenbasierter Zugang die alltägliche Forschung erleichtern und bereichern können – ohne die Komplexität der historischen Zusammenhänge
zu reduzieren.
Diese Präsentation ist im Rahmen der Tagung "Digital Turn. Sammlungen – Provenienzen – Märkte", die am 27. und 28. November 2025 an der Humboldt-Universität zu Berlin stattfand, entstanden.
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SODa_ProvInter_OFP_Stauber.pdf
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