Published March 13, 2025 | Version v1
Working paper Open

Bildungsbenachteiligungen im Licht der Entfremdungs-Resonanz-Dynamik: Konzeptualisierungen, empirische Explorationen und Forschungsdesiderata

  • 1. ROR icon University of Teacher Education Zug
  • 2. ROR icon MSH Medical School Hamburg – University of Applied Sciences and Medical University
  • 3. University of Kaiserslautern-Landau: Landau, Rheinland-Pfalz, DE

Description

Abstract: Fragen der Bildungsbenachteiligung werden gewöhnlich an Leistung und Laufbahn orientiert, an Meritokratie und Wettbewerb. Welche Einsichten können aber gewonnen werden, wenn die Beziehung zum Lernen in den Blick genommen wird und wenn danach gefragt wird, wie diese Beziehung gestaltet und wovon sie geprägt ist? ‘Entfremdung’ ist ein Begriff, mit dem diese Beziehung als eine negative beschrieben werden kann und mit dem insbesondere in den Diskursen der Bildungspsychologie gearbeitet wird. Gleichzeitig hat der Entfremdungsbegriff ein neues Momentum erhalten seit den jüngsten Beiträgen von Hartmut Rosa, in denen ‘Entfremdung’ in einer dialektischen Beziehung mit ‘Resonanz’ konzipiert wird, wodurch sich nun neue analytische und pädagogische Horizonte eröffnen. Wir diskutieren dieses Konzept in Bezug auf die Beziehung zum Lernen in der Schule und bringen es insbesondere in Zusammenhang mit Fragen der Bildungsbenachteiligung. Diese kann gemäss unserer Überlegungen im Licht der Entfremdungs-Resonanz-Dynamik neu gelesen werden, etwa indem deutlich wird, inwiefern es für sozialstrukturell benachteiligte Schülerinnen und Schüler Erschwernisse gibt, um resonante Lernerfahrungen zu machen, während auch sozialstrukturell bevorzugte Schülerinnen und Schüler, die etwa unter grossem Leistungsdruck stehen, im Hinblick auf ihre Beziehung zum Lernen mitunter als benachteiligt gesehen werden können und somit sozialdeterministischen Erklärungsmustern von Bildungsbenachteiligung widersprochen werden kann. Wir diskutieren diese Zusammenhänge vor dem Hintergrund der Ungleichheitsforschung und einiger ethnografischer Explorationen. Schliesslich spannen wir ein mehrdimensionales Feld von Forschungsdesiderata auf: Das Thema scheint voller Potenziale zu sein.

Abstract (English)

Questions of educational disadvantage are usually framed in terms of academic performance and trajectory, meritocracy and competition. But what insights can be gained by focussing on the students’ relationship to learning and by asking how this relationship is shaped and what it is shaped by? ‘Alienation’ is sometimes used to describe this relationship in negative terms, particularly in the discourses of educational psychology. Simultaneously, the concept of alienation has gained new momentum since the recent contributions by Hartmut Rosa, in which ‘alienation’ is conceived in a dialectical relationship with ‘resonance’. This perspective opens up new analytical and pedagogical horizons. In this paper, we discuss this concept regarding the relationship to learning within the school context, and we connect it to the questions of educational disadvantage. According to our considerations, educational disadvantage can be reread in the light of the alienation-resonance dynamic, such as by scrutinising in what ways sociostructurally disadvantaged students encounter difficulties to have resonant learning experiences and in what ways socio-structurally advantaged students, who may be under great pressure to perform, can also be seen as disadvantaged in terms of their relationship to learning. This contradicts socialdeterministic explanatory models of educational disadvantage. We reflect on these theses, referring to inequality research and some ethno-graphic explorations. Finally, we identify a multidimensional field of research desiderata: the topic seems to be full of potential.

Files

A_Mantel_C_et-al_2025_Resonanz-benachteiligungen.pdf

Files (468.5 kB)