Presentation Open Access

Dresdner Totengedenkbuch 1914-1918. Ein partizipatives Transkriptionsprojekt bürgerschaftlicher Vereine und einer wissenschaftlichen Bibliothek

Munke, Martin

Dresden war eine von vielen deutschen Städten, die im und nach dem Ersten Weltkrieg die Namen und Lebensdaten der aus der Stadt stammenden gestorbenen Soldaten sammelten, um sie nach dem Krieg in einem „Ehrenbuch“ zu würdigen. Dieses Buch kam letztlich nicht zustande. Erhalten geblieben sind die Vorarbeiten dazu: Tausende von Karteikarten im Sächsischen Staatsarchiv – Hauptstaatsarchiv Dresden (Bestand 11248 Sächsisches Kriegsministerium), die zu den gestorbenen Soldaten viele Angaben beinhalten: Lebensdaten, familiäre Verhältnisse, Beruf, Herkunftsort, Wohnadresse u.v.m. Sie bilden damit eine wichtige Quelle für die Militärgeschichte einer Großstadt im Ersten Weltkrieg, aber auch für die Sozial- und Familiengeschichte. An der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) wurden die Karteikarten in den vergangenen beiden Jahren digitalisiert, sie stehen in den Digitalen Sammlungen frei zur Verfügung. Nun soll die Kartei im Dateneingabesystem DES des Vereins für Computergenealogie erschlossen werden. Ein Ziel des im Februar 2021 begonnenen Projektes, das als gemeinschaftliches Vorhaben vom Verein für Computergenealogie, vom Dresdner Verein für Genealogie und von der SLUB durchgeführt wird, ist so einerseits eine virtuelle Rekonstruktion des nie erschienenen Totengedenkbuches. Andererseits und vor allem steht die Aufbereitung dieser wichtigen, aber bisher nur wenig genutzten historischen Quelle in einer einfach recherchierbaren und weiterverarbeitbaren Form im Mittelpunkt. Das Vorhaben bietet damit die Grundlage für die Behandlung eigener Forschungsfragen sowohl durch forschende Bürger*innen wie auch durch die professionelle Wissenschaft.

Im Mittelpunkt des Vortrags werden Fragen des technischen Projektdesigns sowie der Kommunikation und Kooperation in einem partnerschaftlichen Vorhaben von bürgerschaftlich organisierten Akteuren und staatlichen Gedächtnisinstitutionen stehen. Hier gibt es die Besonderheit, dass das digitale Transkriptionsprojekt zwar als ein partizipatives angelegt ist, aber vorgeschaltet auch interne Transkriptionsanteile in der SLUB als beteiligter Einrichtung enthält. Im Kontext der Digitalisierung des Bestandes erfassten ehrenamtlich Mitarbeitende des Hauses in einem ersten Erschließungsschritt die Namen der Verstorbenen, die als Einstiegspunkte in der Präsentation dienen und über die Suchfunktion der Digitalen Sammlungen recherchierbar sind. Die Erfassung erfolgte in der quelloffenen Digitalisierungssuite Kitodo, die an der SLUB für alle Digitalisierungsprojekte zum Einsatz kommt. Der zweite, hauptsächliche Schritt der Erfassungsarbeit – die komplette Transkription der Karteikarten – erfolgt dann als partizipatives Projekt über die DES-Plattform des Vereins für Computergenealogie, die näher vorgestellt werden soll: ihre Möglichkeiten und Grenzen für die Administration, die interne und externe Kommunikation, für Datenim- (die zuvor in Kitodo erfassten Daten) und -exporte, v. a. aber natürlich für die eigentliche Transkriptionsarbeit. Hier gilt es u. a. die vorgelagerten Arbeiten der Projektpartner am Datenmodell zu thematisieren, das gewissen systembedingten Einschränkungen unterworfen war. Weiterhin soll ein Blick auf die projektübergreifenden Recherche- und Auswertungsmöglichkeiten im DES geworfen werden, da im System eine Reihe weiterer, thematischer verwandter Transkriptionsprojekte durchgeführt werden und so eine Kontextualisierung über den im Projekt bearbeiteten Bestand hinaus möglich ist. Insgesamt wird so ein Weg aufgezeigt, auf dem ursprünglich analog vorliegende, serielle historische Quellen als strukturierte digitale Daten erfasst werden können, und der auch für andere Projekte nachnutzbar scheint.

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