Poster Open Access

Digitales Publizieren in den Geisteswissenschaften. Abschlussbericht und Handlungsempfehlungen des DFG-Projektes Fu-PusH

Kaden, Ben; Kleineberg, Michael; Walk, Martin


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Als Einstieg in die gegenw&auml;rtigen Herausforderungen wurden Fragen aus den durchgef&uuml;hrten Experteninterviews ausgew&auml;hlt, welche die Befragten jeweils selbst stellten und in die Debatte einbrachten. Ein QR-Code verweist auf die Projektwebseite.</p>\n\n<p>&nbsp;</p>\n\n<p><em>Ergebnisse</em></p>\n\n<p>Die Ergebnisse des Fu-PusH-Projektes zeigen sehr deutlich die Unterschiede im Forschungs- und Publikationsverhalten sowohl zwischen den Geisteswissenschaften und den Naturwissenschaften als auch innerhalb des disziplin&auml;ren Spektrums der Geisteswissenschaften selbst. Dies betrifft insbesondere die Zur&uuml;ckhaltung gegen&uuml;ber der Nutzung digitaler Publikationsmedien, auch angesichts ihrer anerkannten Potenziale.</p>\n\n<p>Das Publikationsverhalten in den Geisteswissenschaften orientiert sich nach wie vor weitgehend an traditionellen Formen aus der Printkultur wie Monografien, Sammelbandbeitr&auml;ge, Zeitschriftenaufs&auml;tze sowie Rezensionen. Wo digital publiziert wird, folgt man den etablierten Modellen der Verlagspublikation in einem dem Printparadigma m&ouml;glichst &auml;hnlichen Format. Hier sind auch perspektivisch nur geringe oder selektive &Auml;nderungen und Optimierungen zu erwarten. Die Einbindung von multimedialen Erweiterungen wird auf der Materialebene durch urheberrechtliche Bedingungen und auf der technischen Ebene durch den Mangel an Standards und niedrigschwelligen L&ouml;sungen eingeschr&auml;nkt. Bisher l&auml;sst sich am ehesten die Form des Bloggens als dauerhafte zus&auml;tzliche Variante f&uuml;r die wissenschaftliche Kommunikation bestimmen.</p>\n\n<p>Das Publizieren nach dem Open-Access-Prinzip scheint in den Geisteswissenschaften geringer ausgepr&auml;gt als in den Naturwissenschaften. Daf&uuml;r lassen sich mehrere Gr&uuml;nde identifizieren. Zum einen fehlen an vielen Stellen bislang fachwissenschaftlich etablierte Infrastrukturen. Zum anderen genie&szlig;en rein digitale Publikationen nach wie vor keinen guten Ruf, was sich beispielsweise auf die Kreditierung des Forschungsoutputs auswirkt. Schlie&szlig;lich wirkt im Vergleich zu naturwissenschaftlichen Publikationen der Zugangsdruck zu Neuerscheinungen an vielen Stellen durch l&auml;ngere Forschungszeitr&auml;ume und geringere Kosten weniger stark.</p>\n\n<p>Auff&auml;llig ist, dass sich st&auml;rker in Schnittstellen mit Naturwissenschaften befindliche und internationalisierte Disziplinen (z.B. Sprachwissenschaften, Arch&auml;ologie) deutlich aktiver in dieser Richtung entwickeln, als die vorwiegend hermeneutisch-interpretativ arbeitenden F&auml;cher. Eine Nutzung von frei zug&auml;nglichen Materialien erfolgt dagegen f&auml;cher&uuml;bergreifend. Es existiert beim Open Access also eine Diskrepanz zwischen Publikations- und Rezeptionsverhalten.</p>\n\n<p>In einigen Bereichen vor allem unter dem Einfluss der Digital Humanities finden sich jedoch auch st&auml;rker digital orientierte Entwicklungen. Eine Erkl&auml;rung lautet, dass viele Formen dieser Wissenschaft &uuml;berhaupt erst durch digitale Technologien realisierbar werden. Dort wo gr&ouml;&szlig;ere Datenmengen flexibel verarbeitet werden m&uuml;ssen, etwa in der Editionswissenschaft oder der Computerlinguistik, finden sich bereits st&auml;rker etablierte Formen der digitalen Forschung und des digitalen Publizierens, die &ndash; sehr selektiv &ndash; auch auf anderen Fachbereiche inspirierend einwirken. Eine Zwischenform zwischen Publikation und Forschung, der vergleichsweise viel Potential zuerkannt wird, ist das digitale Annotieren. Damit zusammenh&auml;ngend wird das gr&ouml;&szlig;te Zukunftspotenzial des digitalen Publizierens im Bereich der digitalen Editionen gesehen, die h&auml;ufig zugleich als m&ouml;gliche Hybridausgaben zur differenzierten Rezeption wie auch als digitales Forschungsdatum zur weiteren Verarbeitung gesehen werden.</p>\n\n<p>Die Nutzung von Social-Media-Anwendungen scheint sich in vielen Bereichen der Geisteswissenschaften weitgehend auf die Vernetzung durch soziale Wissenschaftsnetzwerke oder Kurznachrichtendienste (Twitter) zu beschr&auml;nken.&nbsp; Mit Hypotheses.org etabliert sich allerdings nach und nach eine Blogplattform, die sich durchaus ein gewisses Renommee aufbaut. Das ist insofern der relevante Schritt, weil eine zentrale H&uuml;rde bei der Nutzung solcher Medien die bisher fehlende Kreditierbarkeit f&uuml;r wissenschaftliche Karrieren darstellt. Zudem existiert die Sorge, dass frei auf solchen Wegen zum Beispiel vor einer &ldquo;ordentlichen&rdquo; Publikation publizierte Ergebnisse von Anderen &uuml;bernommen und verwertet werden.</p>\n\n<p>Bei vielen Aspekten vernetzter und digitaler Forschung bzw. des interaktiven Publizierens zeigt sich, wie sehr wissenschaftskulturelle Aspekte der Nutzung bestimmter technologischer Formen entgegenstehen. Das betrifft insbesondere den Aspekt der Kollaboration, der Voraussetzung f&uuml;r den sinnvollen Einsatz virtueller Forschungsumgebungen ist. Hier findet sich nur eine geringe Nutzungsbereitschaft. Es ist zu vermuten, dass sowohl wissenschaftskulturelle Gepflogenheiten als auch eine vergleichsweise komplexe Nutzbarkeit die Akzeptanz und Nutzung solcher Angebote bremsen. Zweckm&auml;&szlig;iger erscheinen hier einfache, modularisierte und miteinander verkn&uuml;pfbare L&ouml;sungen.</p>\n\n<p>Herausforderungen werden generell bei Fragen der technischen Standardisierung zur Gew&auml;hrleistung von Interoperabilit&auml;t deutlich. Dies betrifft sowohl die Werkzeuge als auch die digitalen Forschungsdaten. Zudem zeigen sich wahrgenommene Risiken, die generell von Technologien im Kontext der Digital Humanities ausgehen. Zum einen liegen bisher kaum Erfahrungswerte vor, mit denen sich eine tats&auml;chliche Relevanzbewertung von Informationsinfrastrukturen bzw. Publikationsszenarien vornehmen l&auml;sst. Zum anderen besteht die Gefahr, dass neue technische Dispositive bestimmte Forschungs- und Erkenntnispraxen beg&uuml;nstigen und daf&uuml;r andere weniger angemessen ber&uuml;cksichtigen.</p>", 
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