Presentation Open Access

Offsetting in der Praxis – ein Beispiel aus der Leibniz-Gemeinschaft

Flohr, Ralf; Lazarus, Jens

Die Open-Access-Publikation in hybriden Zeitschriften wird zu Recht kritisiert, weil Verlage sowohl durch Publikationsgebühren, als auch durch in der Regel weiter steigende Subskriptionspreise für die Zeitschriften mehrfach verdienen. In den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften bieten fast alle der renommierten und von den Wissenschaftler/-innen bevorzugten Fachjournale die Option, gegen die Zahlung einer Article Processing Charge einzelne Beiträge im Open Access veröffentlichen. Offsetting-Modelle für Zeitschriftenpakete stellen hier eine Möglichkeit dar, die Publikationsgebühren mit den Subskriptionskosten zu verrechnen und bieten die Chance, über Verhandlungen zu einer im Vergleich zum Status quo kostengünstigeren oder für die beteiligten Einrichtungen und Wissenschaftler-/innen vorteilhafteren Lösung zu gelangen. Sie schließen zugleich eine Lücke in der Förderung von Open Access, da die hybriden Zeitschriften bisher meist von der Finanzierung durch Publikationsfonds ausgeschlossen sind. Ziel der Offsetting-Verträge ist eine langfristige Umstellung der Geschäftsmodelle der Zeitschriften im Sinne der Open Access-Transformation.

Nach Pilotvereinbarungen in Deutschland, Österreich, Großbritannien und den Niederlanden existiert seit 2018 auch in der Leibniz-Gemeinschaft eine erste Offsetting-Vereinbarung. Es handelt sich um einen Konsortialvertrag mit dem britischen Wissenschaftsverlag Taylor & Francis, an dem 12 Leibniz-Institute mit wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Forschungsbereichen teilnehmen. Die Entscheidung für die Aufnahme von Verhandlungen mit dem genannten Verlag basiert auf einer umfassenden Analyse des Publikationsaufkommens der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Leibniz-Institute. Die ZBW-Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft ist Verhandlungsführerin in dem Konsortium und koordiniert die Umsetzung der Offsetting-Vereinbarung.

Der Vortrag behandelt den Offsetting-Vertrag im Rahmen der Open-Access-Strategie der Leibniz-Gemeinschaft. Er stellt die Konditionen des Vertrags, das Finanzierungsmodell und die praktische Abwicklung in dem Konsortium von Leibniz-Einrichtungen dar. Die Vereinbarung wird auch vor dem Hintergrund der Kritik an Offsetting-Vereinbarungen und den ersten praktischen Erfahrungen mit dem Verlag analysiert und bewertet. Ein Ausblick auf weitere Verhandlungen im Rahmen der Open-Access-Transformation in der ZBW wird den Vortrag abschließen.

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