Gibt es ein Thema, also abgesehen von der Website, die du natürlich betreust, gibt es ein Thema, das dich auf der Cebit wirklich gereizt hat?
Was mich tatsächlich reizt, ist insgesamt Cloud Computing.
Das war ja auf der Website, die so ein bisschen vorhanden, aber hat auch weitere Teile von der in Anführungszeichen anderen Rest Cebit mit geprägt.
Und das ist ja auch kein Geheimnis, dass Cloud Computing eines der großen kommenden Themen ist.
Aber ich integriere das schon ziemlich stark in meinen Arbeitsalltag.
Ich bin gerade dabei, komplett meinen Adress-Management in die Cloud auszulagern,
Teste da gerade verschiedener Anbieter, Salesforce zum Beispiel und auch Hi-Rise HQ, das ist ein Produkt von 37 Signals.
Das bedeutet, ich versuche da schon alles in die Richtung Cloud zu verschieben.
Ich habe mit Kathrin Passig zusammen mein letztes Buch Dinge geregelt bekommen, ohne ein Funk- und Selbstdisziplin,
komplett in der Cloud geschrieben, ein schönes Wort Cloud, und zwar auf Google Docs, um präzise zu sein.
Das bedeutet, ich experimentiere auch und speziell in meinem Arbeitsalltag, nicht nur privat, mit Cloud-Anwendung
und sehe da drin einen Reiz für die Zukunft, weil das ganz neue Form der Kollaboration ermöglicht.
Das verlangt aber auch viel Vertrauen in die Server, die irgendwo stehen und die Internetleitungen, dass die funktionieren.
In die Cloud-Ausfeld bist du ohne Arbeitsgrundlage, oder?
Ich bin ja noch gar nicht so lange in der IT- und Internetbranche drin, sondern ich würde sagen, seit dem Jahr 1999, 2000, tiefer.
Dann gleich mit Anlauf und Kopf über rein, aber ich bin ja jetzt ziemlich genau zehn Jahre in der IT-Landschaft.
Ich habe mich als Nicht-Techniker schon immer abhängig gefühlt von allen möglichen Strukturen und Menschen.
Es gab eine Zeit, wo ich bei Firmen gearbeitet habe, wo das File-System, das Dataisystem, was da aufgesetzt war,
wo man sich vorkam wie ein Depp, wenn man da nur die falsche, was auch immer geklickt hat und auf einmal an nichts mehr rankam.
Ich glaube, eine Abhängigkeit von der Technik, da leiden wir alle darunter, wenn die Technik schlecht ist.
Insofern ist diese Frage für mich, ist man abhängig von Cloud Computing oder nicht?
Das ist eigentlich eine Frage, ist die Technologie sicher und zuverlässig?
Und das ist in allen Bereichen relevant und nicht nur beim Cloud Computing.
Wenn du Dinge konzipierst, konzipierst du am Rechner oder auf Papier mit Stift in der Hand?
Ich habe Papier zu fast 99,9% aus meinem Leben in der Arbeit verbannt.
Der einzige Schnittpunkt zwischen Papier und Arbeit sind bei mir tatsächlich die Bücher, die ich veröffentliche.
Die gibt es nach wie vor hauptsächlich auf Papier, aber natürlich auch als E-Books.
Dinge wie Regelt kriegen zum Beispiel.
Da ist jetzt zeitgleich das Taschenbuch und die iPhone-Applikation rausgekommen.
Aber sonst arbeite ich extrem selten auf Papier.
Es kommt vielleicht zweimal im Jahr vor, dass ich so einen Blog vor mir habe und irgendwas draufschreiben.
Vermisst du was?
Nein, überhaupt nicht.
Im Gegenteil, ich freue mich nicht mehr mit dem Papier arbeiten zu müssen,
weil was ich früher gemacht habe, Sachen auf Papier zu notieren und es dann nie wieder zu finden
und das Gefühl zu haben, da irgendwo in diesem riesigen Stapel lauert eine Idee, die ich total geil mal hatte
und dann aufgeschrieben habe und dann ist sie verloren, weil ich sie nicht wieder finde.
Dieses Gefühl ist ganz grauenhaft, das möchte ich nicht mehr haben.
Ist es aber nicht auch manchmal, also bei Schriftstellern ist es ganz nett, wenn die Klasse dann mal verloren geht
und alle fragen sich, was wäre das für ein Buch gewesen?
Ist es manchmal nicht auch reizvoll, dass eine Idee vielleicht verloren geht
und man weiß nie, ob sie gut oder schlecht geworden wäre?
Nein, überhaupt nicht.
Also gerade bei der Frage mit dem Schriftstellern und dann geht die Klasse verloren,
man fragt sich, was das für ein Buch geworden wäre.
Das hört sich nur interessant an, aber das ist total scheiße.
Es gibt ganz viele Sachen, da muss man mal aufpassen.
Es gibt ganz viele Sachen in der Welt, die hören sich interessant an, sind aber total bescheuert.
Und das ist eine davon.
Wenn Sascha Lobo nicht über das Internet nachdenkt, was tut er dann am liebsten?
Ich denke ja nicht nur über das Internet nach, sondern ich denke eigentlich über die Welt nach,
über Arbeit, über die Gesellschaft, auch über so etwas über soziale Gerechtigkeit.
Aber tue das in den meisten Fällen, übrigens auch nicht allen Fällen,
aber in den meisten Fällen in Verbindung mit der digitalen Welt.
Das würde ich sogar noch höher ansiedeln von der Mechanik als nur in Anführungszeichen des Internet,
sondern dann nenne ich das die digitale Welt.
Man kann also sagen, mein Großthema, das hört sich jetzt sehr hoftrahmend an,
aber ist die digitale Gesellschaft, der Wandel von dem, was wir da draußen jeden Tag erleben,
im Richtung digital.
Das interessiert mich und an dieser Front versuche ich selber aktiv,
sowohl theoretisch wie auch praktisch mitzuforschen.
Welches wird das nächste Buch sein, das du liest?
Hast du schon was auf deiner Leseliste?
Das nächste Buch, das ich lese, da mache ich mir exakt null Gedanken drüber,
weil ich gerade mein nächstes Buch schreibe.
Da frisst sich viel Zeit gleichzeitig auf.
Bücher schreiben, Bücher lesen, das geht von gleichen Zeitkonto auch bei mir zumindest.
Vor allem deshalb, weil mein Buch, an dem ich gerade arbeite,
ich bin im Schlusssport, es wird im Herbst erscheinen,
bei Rohvold wird mein erster Roman sein.
Kann man schon verraten, worum es geht?
Es geht tatsächlich um meine Erlebnisse in der New Economy.
Es hat also auch ein leicht autobiografischen Anklang.
