Das war für mich am Anfang, muss ich ganz ehrlich sagen, die ersten beiden Jahre habe ich immer – im Grunde heute noch – frag ich mich immer, wie so etwas überhaupt funktionieren kann.
Ich habe es selbst gemacht, habe mir mal nur auf Tor schießen wollen, indem ich mir die Augen verbunden habe, habe mir genau gemerkt, wo der Ball liegt.
Und trotzdem habe ich ihn nicht getroffen.
Ich habe früher sehr viel Fußball gespielt, als ich noch gesehen habe, und das war so ein Lebensinhalt von mir mit auch.
Ich habe auch sehr viel Basketball gespielt, aber das wird es im blinden Sport leider nie geben.
Dann bin ich nach Essen gekommen, habe diesen Sport kennengelernt, war davon begeistert.
Dann kam die Nationalmannschaft und dann ging es irgendwie in die Türkei und nach Frankreich.
Das Niveau wurde immer besser und es hat immer mehr Spaß gemacht.
Ich habe mit den anderen Jungs den Verein hier aufgebaut und wir verstehen uns sehr gut.
Es ist einfach eine gemeinschaftliche sportliche Aktivität, die man sonst im blinden Sport nicht hat.
Unser Team nimmt auch Teil in der blinden Fußball-Bundesliga, der DBFL, die läuft dieses Jahr an sechs Spieltagen.
Heute gilt der erste Spieltag, heute sind wir acht Jungs, die zusammen auf dem Platz stehen mit den beiden Keepern und mit den Guides draußen und Trainer und Maskottchen mit.
Dann möchte ich schon das Werfer in der Einheit bilden.
An euer Woi denken, ganz, ganz wichtig.
Egal wer geidet, egal ob Chris oder Matthias, klare, deutliche Ansagen für die Spieler.
Entfernungansagen und auch sagen, wie er steht.
Aber links zum Tor, rechts zum Tor, ganz konsequent und laut ansagen.
Wir haben ein Ziel, wir möchten eine vernünftige Saison spielen und dazu heute einen schönen Spiel abliefern.
Der erste Spiel müssen drei Punkte hängen.
Genau, dann müssen wir noch nichts anderes zählt.
1-0-2-0 ist egal, Hauptsache die Jungs fahren mit drei Punkten nach Hause und können auf der oben im Café ein Bierchen trinken.
Natürlich haben wir ganz lieb.
Wir müssen ein bisschen schneller werden im Traum.
Und die Form ist schneller.
Dann nochmal, komm, tack, tack, tack, tack.
Wenn gedrippelt wird mit dem Ball am Fuß, dass man den Ball am Fuß hält und auch die Bewegung kurve links oder rechts macht,
man sicherlich hört, ob da irgendwo einer ist.
Und dann noch ein Ball trifft.
Das ist für mich außergewöhnlich.
Wenn man sich jetzt vorstellt, man spielt ohne zu sehen.
Das heißt, es ist ja vollkommen logisch, dass dann eben der Gehörsinn in dem Fall das Hören ganz wichtig wird.
Das ist das Zentrale, der Ball rasselt.
Es gibt akustische Anreize.
Und neben den taktilen Dingen, der taktilen Ballführung, den Ball, den man zwischen den Füßen führt, ist es eben wichtig, den Ball rasseln zu hören.
Es ist dann wichtig, wenn der Torwart einen Abbruch auf einem Spiel, wenn Pesse gespielt werden, wenn man den Gegner wahrnimmt,
aber man nimmt ihn ja nur durch das rasseln Ball, er redet ja sonst nicht mit einem.
Und dann muss man eben das bestimmte hundertmal zitierte Woi rufen, sonst gibt es eben ein Faul.
Das Woi heißt, ich komme im Spanischen eigentlich und dadurch kündigt sich der Abwehrspieler an und macht eben den Ballführenden gegnerkendlich.
Und jetzt gibt es vielleicht gleich was auf die Socken und sollte man das vergessen, wird das mit dem T-Faul geahndet.
Geht jetzt los hier gleich mit dem Spiel zwischen dem Chemnitzer FC und dem PSV Köln.
Es steht noch null zu null.
Es ist auch kein Wunderspiel, wo der noch nicht angefügt.
Favorit in diesem Spiel, sicherlich noch der PSV aus Köln, insbesondere durch den stark agierenden Michael Wal, der immer wieder eins zu eins Situationen sucht,
um unheimlich ein Tempo auf die Verteidiger zuläuft und so einem das andere Mal gefährliche Situationen kreiert.
Gute Freistoßposition, 7 Meter relativ zentrale Position, leicht nach rechts gesetzt bei Freie G. Michael Wal.
Zieh nach außen an die Latte geschossen.
Der Sport heißt zwar blinden Fußball, aber er würde nicht funktionieren, wenn da keine sehenden Mitspieler.
Wir sind nicht nur Serviceleute oder ähnliches, wir sind eben Mitspieler, damit von der Partie werden.
Das eine sind die Geiz, die hinter den Toren stehen, für die Stürmer wichtig sind, die dann eben ansagen, wo man hin ballern soll.
Dann hat er den Träder an der Seitenlinie, der das Spiel dirigiert.
Man hat den Torwart, der zwar sehr behindert sein kann, aber immer mehr auch mittlerweile sieht und beziehungsweise vollsehend, normalsehend ist.
Und der dirigiert dann seine Abwehr. Das heißt, dieses ganze Spiel würde nicht funktionieren, wenn das nur mit blinden und sehbehinderten gespielt werden würde.
Auch wenn man Emotionen ist, sprechen wir Jungs.
Es waren einfach zwei gute Chancen gehabt, nur ihr müsst noch mehr vorne sprechen, auch hinten.
Jungs, ihr geht so dreimal auf einen Spieler drauf.
Lauter und konsequenter Geiden.
Und wenn ich sage bei drei, habe ich gesagt, die die Spieler vorstorziehen, dann muss ja Tim auch bitte vorstorziehen.
Das bringt sonst nichts. Ja?
Micha, schön, nur Versuch.
Ja, genau.
Ist lang, es weiter gehts. Kommt Jungs, kommt!
Michael Wall übernimmt den Ball, wird gleich wieder bedrängt von Pfezza. Jetzt kann er sich lösen, dribbelt in die Gegend.
Wir hätten ja mehr daraus machen können.
Ist aber auch so ein bisschen symptomatisch für das Spiel.
Sehr sehr zerfahren, die Kölner zwar ein bisschen Feld überlegen.
Jetzt im Versuch von Michael Wall, der in den 16er geht und das ist das Tor.
Da hat das sich ja mit Anseil gewählt.
Das Schöne ist dabei, dass man da eben Leute begegnet, die das gleiche Problem, das gleiche Handicap, die gleichen Alltagserfahrung haben.
Und das schweißt einen schon zusammen, das ist ein sehr gutes Gefühl für so ein Team.
Wie das sowieso in Fußballsport schon so ist.
Ist das hier vielleicht sogar noch ein bisschen stärker, weil man da, egal wo man jetzt herkommt,
ich meine, wir haben ja, wir haben Studenten bei uns dabei, wir haben Schüler oder wir haben Familienväter,
wir haben Leute, die aus der Türkei kommen, wir haben Deutsche, keine Ahnung.
Also das ist alles aufgehoben in diesem Sport irgendwie, nicht immer.
Aber wenn man auf dem Platz zumindest steht, dann spielt man da als Fußballer zusammen und eben auch als Blinder zusammen.
Das macht den Sport schon reizvoll für mich und für uns alle, denke ich.
