Das wundert mich eigentlich ein bisschen, denn das Reglement von solchen Rallye
ist nicht gerade einfach zu verstehen, aber das ist sicherlich auch ein
Verdienst unserer Reporterkollegen, die sie immer wieder verstanden haben, so etwas
spannend in ungewöhnlichen Bildern mit einer Fülle von Informationen zu
offerieren. Bei diesem sechsten Meisterschaftslauf in Rethem, in der
Lüneburger Heide soll das nicht anders sein, aber eine Frage war natürlich ganz
besonders interessant, ob die international so sehr erfolgreichen Jochen Klein und
Walter Röhrl, beide liegen sie im Moment noch ab dem 12. Platz, nun endlich auch mal
national ein Bein auf die Erde bringen. Ein Bericht von Dieter Dammann.
Eine wichtige Vorentscheidung sollte also im Herzen der Lüneburger Heide fallen
hier, wo ländliche Idylle und Gemütlichkeit noch den Lauf vieler
Dinge bestimmen. Die Kühe hinter dem Deich an der Aller waren die ersten
Leidtragenden einer langsam aufkommenen Hektik. Sie wurden für zwei Tage
ausquartiert, um Platz für 173 Wettbewerbsautos zu schaffen. Die
Arrivierten wie Walter Röhrl und Joachim Klein tun sich schwer in dieser
Saison. Nur Klaus Fritzinger kann einen vierten Platz vorweisen. Manfred
Hero heißt der Spitzenreiter der Meisterschaftswertung, einem Fahrer,
dem ebenso wie Stock und Kessel auf Platz 2 und 3 angesichts der Stars in diesem
Jahr für den Titel wenig Chancen eingeräumt worden waren. Nun muss der
Weltmeister mit seinem 250 PR starken Torvoporsche sich gewaltig strecken, um
noch in das Finale um den nationalen Titel mit eingreifen zu können.
Joachim Klein im Opel der zweite Favorit muss heute ebenfalls attackieren, um
weiterzukommen und hier 300 Meter nach dem Start, die Reifen sind noch kalt, wird
aus dem trifft ein Turn der Zeit kostet. Holger Bohne im Mercedes 500 SL zählt
ebenso zu den Favoriten wie Klaus Fritzinger in der Toyota Celica. Hier
hinter den Deichen auf den langen Geraden wird geheizt, wie die Fans sagen,
werden Geschwindigkeiten bis zu 200 Kilometer pro Stunde gefahren. Einige
Teilnehmer haben, wie man sieht, sichtlich Mühe, Temperament und Wagen
unter Kontrolle zu bekommen. Rolf Petersen der Feuerseeger ist zu schnell und
Gustl Brusch war zu schnell. Die Kofferhaube hängt zugepackt. Schon wenige
Minuten nach dem Start fällt der erste Favorit aus. Manfred Hero fährt seinen
Motorsauer und muss bald danach aufgeben.
Von Rätemaus geht es nach Norden in die sogenannte Raubkammer, heute ein
friedliches Revier, wie man sieht. Es hat geregnet und die Fahrer kommen alle nur
mühsam voran. Eine Zeitluppenstudie von Joachim Kleint demonstriert es. Dieser
Schlamm wirft den Europameister von 1979 aus dem Rennen. Wegen mangelnder
Kühlung stellt der Motor 15 Minuten später seinen Betrieb ein. Der vierte
Ausfall in sechs Läufen. Von dem Ausfall Kleintz profitierte natürlich Walter
Röhr, da den heißen Atem seines Hamburger Konkurrenten zeitweise
förmlich spüren konnte. Nur wenige Sekunden hatten beide auseinandergelehnt.
Holger Bohne jetzt hinter Röhrlauf Platz 2 bewegt den tonnenschweren Mercedes mit,
wie es scheint, leichter Hand über den Waldparcours.
Bohne fährt die deutsche Meisterschaft nur sporadisch mit. Sein Ziel ist in diesem
Jahr die Europameisterschaft. Der erste Tag geht zu Ende, wie er begann.
Rolf Petersen dreht sich wieder während der Lokalmatador Busch sich endgültig von
seinem Kofferraumdeckel getrennt hat.
Rörl führt vor Bohne, Petersen, Soltwedel und Fritzinger. Als es abend wird, können
sich die Entwertung verbliebenen Fahrer sechs Stunden lang ausruhen oder aber
auf dem benachbarten Rummelplatz Autoscooter bewegen.
Erst, wenn der Rettungsschrauber zur Stelle ist, darf gestartet werden. Walter Rörl,
Spitzenreiter auch am zweiten Tag.
An diesem zweiten Tag führen einige Sonderprüfungen über griffige
Rollpisten auf dem Truppenübungsplatz bei Munster normalerweise Rollbahnen für Panzer.
Durch den Ausfall von Manfred Hero hätte Alphonse Stock im Golf mit seiner
Platzierung Spitzenreiter der deutschen Meisterschaft werden können. Ja, wenn er
nicht wenige Minuten nach diesen Aufnahmen von der Strecke abgekommen wäre.
Als die Rallye nach zwei Tagen zu Ende geht, liegt Walter Rörl zweieinhalb Minuten vor
Holger Bohne, auf den weiteren Plätzen Soltwedel, Petersen und Fritzinger. In der
Meisterschaftstabelle ist Walter Rörl jetzt Sechster mit 22 Punktenrückstand auf
den Spitzenreiter Hero. Der Weltmeister kann sogar noch deutscher Meister werden.
Danke!
