Dürren, Nordrhein-Westfalen, eine große Mittelstadt am Nordrand der Eifel.
Sie liegt zwischen Aachen und Köln.
Durch Dürren fließt die Ruhr.
Auch hier durch erreichte sie in der Vergangenheit ihren Reichtum und formalige Schönheit.
Insgesamt produzierten hier 93 Fabriken ihre Güter.
Berühmt wird Dürren vor allem für die Papierherstellung, dank des sehr weichen Wassers der Ruhr.
Außerdem produzierten hier drei Tuchfabriken, Eisenhütten, Glashütten und Maschinenfabriken ihre Güter.
Aber auch Nadeln, Zucker, Kunstwolle sowie Teppiche wurden hier produziert.
Durch diese industriellen Strukturen war Dürren um 1900 eine der wohlhabendsten Städte Deutschlands.
Genauer gesagt die zwei Dreiste im ganzen Land und die Reiste in Preußen.
In Dürren lebten alleine 42 Millionäre.
Von dieser wohlhabenden und ehemaligen Schönheit ist heute jedoch nicht mehr viel übrig geblieben.
Am 16. November 1944 befanden sich noch ca. 22.000 Menschen in der Stadt.
Diese suchten zu ca. 16 bis 20 Personen Schutz in den Kellern der Wohnhäuser.
Dann erfolgte ein erneuter massiver Luftangriff der Alliierten auf Dürren, einer von 51 Nachgewiesenden.
Insgesamt dauerte das stärkste und verheerendste Bombardement 36 Minuten.
Es wurden 2751 Tonnen Fliegerbomben abgeworfen.
Hierbei kamen der bereits zum größten Teil evakuierten Stadt 392 Bürger, 394 auswertige Personen,
220 Soldaten sowie 100 unbekannte Menschen ums Leben.
Dürren war nach diesem Luftangriff mit 99,2% zerstörter Wohnhäuser, die am stärksten betroffenen Stadt Deutschlands.
Ein Wohnen war in den 1,6 Millionen Kubikmeter Trümmern nicht mehr möglich.
Die letzten Schutzsuchenden flohen anschließend nach Mitteldeutschland.
Nur vier Personen verblieben in dem Trümmerhaufen der ehemaligen Schönheit.
Heute ist Dürren eine typische Nachkriegsstadt.
Das Stadtbild ist von 50er-Jahre-Bauarchitektur geprägt. Funktional, steril und kühl.
Langsam aber sicher verschwinden die letzten markanten Merkmale der früheren Geschichte und werden nach und nach durch Neues ersetzt.
Bei dem schwersten Luftangriff auf Dürren, am 16. November 1944,
wurde die alte gotische Anerkirche sowie Dürrener Innenstadt vollständig zerstört.
Nach der teilweise Erholung von Menschen und Wirtschaft wurde zwischen 1954 und 1956 die heutige neue Anerkirche erbaut.
Scharfkantig, minimalistisch und funktional, ganz im Stil der N50er.
Etwas außerhalb von Dürren Zentrum findet man auch noch einige alte Fachwerkhäuser.
Teilweise sind diese vollständig restauriert und unter Denkmalschutz gestellt worden.
Aber auch individuellere Baukonzepte gibt es zwischen den etlichen 50er-60er-Jahre-Bauten und den originalgetreu restaurierten Fachwerkhäusern zu entdecken.
Eine der letzten sichtbaren Teile der alten Stadtmauer, in Dürren Mitte.
Die Mauer wurde im Jahr 1124 erbaut und immer wieder erweitert.
Die natürliche Erodierung des Gemäuers, frühere, teilweise qualitativ minderwertige Reparaturen,
sowie der Zweite Weltkrieg, hatten ihr bereits zugesetzt.
Im 21. Jahrhundert wurde die Mauer im Jahr 1124 erbaut und immer wieder erweitert.
So wie der Zweite Weltkrieg, hatten ihr bereits zugesetzt. Im 21. Jahrhundert hat sie moderne Beschädigungen zu ertragen,
wie Graffitis und das anschließende Entfernen dieser.
Die ehemalige Peil- und Putzler-Glashütte wurde 1903 gegründet.
Bis 1995 produzierte sie vor allem Lampen und ähnliche Glasprodukte.
In Spitzenzeiten war das Unternehmen mit bis zu 1500 Arbeitern der größte Arbeitgeber der Stadt.
Wilhelm Wagenfeldt, ein deutscher Produktdesigner, entwar für Peil- und Putzler in den 50er-Jahren Leuchtenprogramme.
Eine sehr berühmte Konstruktion dieser Zusammenarbeit ist die international bekannte Leuchte Peil- und Putzler Cube.
Ein Teil der ehemaligen Fabrik wird heute als günstiger Seminarraum oder Ausbildungswerkstätte genutzt.
Andere unbenutzte Räume verfallen endgültig.
Die Zuckerfabrik Düren war ein großer und somit ebenfalls wichtiger Produzent und Arbeitgeber der Stadt.
Der Betrieb baute eigenständig Zuckerrüben an, raffinierte diese zu Zucker und vermarktete diesen sogar selbstständig.
Das Unternehmen besaß auch einen eigenen Schienenanschluss.
Otto Küppers, ehemaliger Journalist und Dürerner Urgestein, erinnerte sich noch genau.
Über der ganzen Stadt lag während der Rübenkampagne von Mitte September bis Ende Dezember dieser strenge, süßliche und mit Kohlerauch vermischte Gestank.
Düren war eine echt stinkende Stadt wegen ihrer ganzen Industrie.
1987 wurde die Fabrik geschlossen und die letzten 120 Beschäftigten entlassen.
Heute ist auf dem Gelände ein Dienstleistungsunternehmen, die Stadtreinigung DSB, angesiedelt.
Eine alte Block des Werks steht heute an einem Spielplatz in Düren Nord.
Sie erinnert als einer der letzten Zeitzeugen an diese ehemalige Industrie in Düren.
Heider Papiere war ein 130 Jahre alter, papierverarbeitender Betrieb.
Dieser musste jedoch trotz drei Schichtbetrieb und guter Auftragslage schließen.
Grund war die dramatische Abwärtsentwicklung der Papierpreise auf dem Weltmarkt.
Eine Stabilisierung war laut den Gebrüdern Heider nicht in Sicht, weshalb sie sich für die Schließung entschieden.
Die letzten 35 Mitarbeiter verloren so ihren Arbeitsplatz.
Derzeit wird das alte Gebäude abgerissen und macht für ein großes Neubau-Projekt Platz.
Durch eine bereits eingerissene Mauer blickt man in einen alten Büroraum.
Die Wand zieht ein altes Malbüro-Mann Plakat aus den 50er-Jahren.
Der ehemalige städtische Schlachthof in Düren Nord an der Paradiesstraße
ist im Stil der Neo-Renaissance erbaut worden.
Davon ist jedoch bis auf das alte Verwaltungsgebäude nicht mehr viel zu sehen.
Die Moderne hat das alte Bauwerk vollständig mit Lkw-Verladerampen und Metalltoren umschlungen.
Ein Mitarbeiter erzählte mir, seine Arbeit sei eine wirklich harte und schlecht bezahlte.
Die meisten meiner Kollegen sind Ausländer, fast keine Deutschen.
Stinken tut es auch weh so.
Grinste er und wedelte dabei mit der Hand vor dem Gesicht.
An der Bundesstraße B56 in Düren Süd findet man die letzten Überreste der ehemaligen Belgischen Garnison.
Zeitweise waren hier 6000 Mann Besatzung stationiert. Diese Kaserne war die größte Ausländische des Belgischen Heers.
Bis zum 6. Mai 1955, dem Eintritt der BRD in die NATO, waren die Belgier in Düren Besatzungsarmee.
Sie und ihre Familien bewohnten 1000 Wohnungen im ganzen Stadtgebiet.
Nach dem Abzug der Soldaten wurden gegen Ende der 50er Jahre Flüchtlingsheime eingerichtet.
Heute ist das gesamte Gelände ein riesiger Gebrauchtwagenplatz und Gewerbegebiet.
Im südlichsten Teil der ehemaligen Kaserne schließt sich die Droger Heide an.
Die Heide wurde rund 100 Jahre als Truppenübungsplatz für schwere Panzerfahrzeuge und Infanterie genutzt.
Das Areal ist heute zum Naturschutzgebiet umfunktioniert worden.
Man kann die Heide unter anderem über die noch existierende Panzerstraße erreichen.
Die Abendrotbar ist ein altes, wenn nicht das älteste, noch existierende, dürener Nachkriegsmodell.
Hier gingen bis 1992 vor allem die Belgier der Garnison ein und aus.
Der Besitzer erzählte mir, dass die Lokalität hier früher immer gut besucht war
und sie vor allem am Wochenende aus allen Nähten platzte.
Ärger gab es aber dann auch des Öfteren, wenn die Soldaten mal wieder zu viel getrunken hatten.
Die Zeiten sind heute doch vorbei, säufzte er und schleppte die Getränkekästen weiter in sein Lokal.
Direkt an der Feuerwehr Hauptwache in Düren Süd und der vierspurigen Bundesstraße liegt ein alter Skaterpark.
Heute wird dort derzeit entsprechend stuntsgute anstatt Skateboard gefahren.
Unmittelbar am Ende des kleinen Parks liegt ein kompaktes, neu errichtetes Flüchtlingsheim im Container-Bauform.
Die Bewohner der Heime erklärten mir auf Nachfrage, dass dort sehr eng und laut sei.
Der Miesheimer Weg ist ein nahezu berüchtigter Wohnkomplex in Düren Süd.
Genauer gesagt sind es fünf Hochhäuser, die überwiegend von finanziell schwachen Familien bewohnt werden.
Seit ein paar Jahren werden zwei der fünf Hochhäuser vollständig von osteuropäischen Billiglohn-Arbeitern bewohnt, erklärte mir ein Eigentumswohnungsbesitzer.
Dies ist auch ein Grund, warum je gegen noch weiter heruntergekommen sei.
Die Menschen wohnen dort zu fünf oder sechs in drei Personenwohnungen und ermauerte er zusätzlich.
Auf der Suche nach Bewohnern dieser zwei Häuser traf ich zweiburgarische Männer an, die mittwochs schnappstrinkend auf dem Spielplatz saßen und sich unterhielten.
Auf meine Nachfrage über ihre Person erzählten die beiden Männer, dass sie auf dem Bau arbeiten.
Sie entfernen dort alte Asbestmaterialien.
Einer der Männer zeigte mir seine kaputten Hände und fügte in gebrochenem Deutsch hinzu, dass es eine schwere und schlecht bezahlte Arbeit sei.
Aber es immer noch besser als zu Hause ist. Auch seiner Kinderzuliebe mache er diesen Job.
In der Nähe des Hauptbahnhofsthüren Nord befindet sich das erst nach dem Zweiten Weltkrieg neu errichtete Haus der Stadt.
Wegen der kulturellen Vielfalt der Stadt Dürren erschuf das Künstlerpaar Gregor Merten und Carmen Dietrich die Skulptur mit dem Namen Engel der Kulturen.
Im Jahr 2013 wurde die Skulptur von verschiedenen Vertretern der Weltreligionen durch die Stadt gerollt und anschließend an ihrem heutigen Platz verankert.
