Die ursprüngliche Idee des Forums war, die Mauern zwischen den Bereichen Kultur, Wirtschaft
und Medien niederzureißen, weil es gibt Foren für Wirtschaft, es gibt Foren für Kultur,
es gibt aber kein Forum, das diese drei Bereiche vereint.
Das war die ursprüngliche ganz einfache Idee, die war vom früheren französischen Kultusminister
Rino Dundio de Vapre gegründet oder entwickelt worden und ich bin zu dem Brainstorming gestoßen
und bin dann dabei geblieben.
Die Brainstorming Gruppe hat sich dann später in den Verwaltungsrat mutiert und ich bin wie
gesagt heute Vizepräsident, das macht viel Spaß, weil man natürlich ungeheure Kontakte hat,
weil das Forum versteht sich ja als ein internationales Forum und es ist ja heute die dritte Ausgabe
und von Jahr zu Jahr konnten wir die Qualität steigern, nicht nur weil wir gelernt haben
auch, wie man sowas veranstaltet, sondern auch weil natürlich das immer attraktiver
geworden ist und jetzt merkt man diesem Jahr, merke ich so richtig, wie das greift, wie
auch die Politik jetzt sich dafür interessiert, man muss ja immer in eine gewisse Vorleistung
gehen.
Das haben Sie ja früher bei Bertelsmann gewesen und mir ist aufgefallen hier bei diesem Forum
dass so viele ganz hochrangigen Vertreter nicht nur von Medienkonzernen, sondern auch
aus der Wirtschaft gekommen sind, Rino, früherer Chef von Rino und auch die Politik ganz prominent
vertreten.
Ist das ein Unterschied zu Deutschland, dass hier doch die Kultur mehr gelebt wird auf den
höchsten Ebenen oder ist das ein Spezifikum jetzt dieses Forums?
Ja, ich würde mal so sagen, hier in Frankreich ist Politik und Wirtschaft mehr verzahnt als
in Deutschland.
Das hat nicht nur immer Vorteile, Vorteile in Deutschland, was man dann aus französischer
Sicht vielleicht bewundert, manchmal ist, dass die Wirtschaft eben entscheidet nach
sachlichen Argumenten, hier wird auch sehr oft nach politischen Argumenten entschieden.
Auf der anderen Seite hat das natürlich den Vorteil, wenn man die Kredibilität erreicht
hat und wenn die Politik sieht, dass es dem Lande nützt, dann wird man natürlich auch
entsprechend unterstützt.
Es geht dann schneller.
Trotzdem fällt auf, dass bis auf ein Jahr einsprengen soll, ich durfte ja auch einen Referat
halten über die europäische Kulturstadt und es war ein Italiener da, dass man doch hier
sehr stark unter den Franzosen redet.
Kann man da noch was ändern, wollen Sie was ändern oder ist das eher zufällig oder beabsichtigt,
dass man doch hier sehr francophil ist?
Ja gut, dass man francophil ist, ist ja normal.
Es findet den Avignon statt und im ersten Jahr waren 95 Prozent der Teilnehmer Franzosen,
heute würde ich sagen im dritten Jahr sind es 80 Prozent und natürlich Sie wissen ja
auch, dass die Kultur in Frankreich einen besonderen Stellenwert hat.
Man spricht ja auch von der sogenannten Exception culturelle Française, die Franzosen sind
ja auf vielen Gebieten auch irgendwo Precursor in ihrer Kulturpolitik, die Eigenheiten hat,
weil sie natürlich die französische Kultur sehr schützt und das überträgt sie natürlich
auch in dem Forum.
Aber Frankreich im Rahmen der Globalisierung öffnet sich immer mehr und ich denke mal
in fünf Jahren wird das Forum dann auch etwas weniger französisch sein.
Ja, das ist ja auch gut, wenn man hierher kommt und dann mehr auch von der französischen
Kultur lernt, mehr von der französischen Denken lernt und wir sind an einem Ort, Avignon,
der ja wirklich für die Kultur über Jahrhunderte steht und jetzt wird über die Digitalisierung
gesprochen.
Das ist natürlich ein sehr großes Spannungsverhältnis.
Warum findet das Forum gerade in Avignon statt, eine Stadt, die europäische Geschichte
erzählt und jetzt aber das Thema der Digitalisierung, was ein absolut globales Thema ist.
Wie kam es dazu, dass man gerade nach Avignon gegangen ist?
Ja, ich verstehe was ich mein.
Im Pappspalast mit seinen dicken Mauern und seiner Geschichte aus dem 14.
Jahrhundert über heute Digitalisierung zu diskutieren kann, ein bisschen Paradox
an Muten.
Aber ich glaube, die Digitalisierung wird auch in zwei, drei Jahren kein Thema mehr
sein, nicht denn die ganzen, wenn die Copyright Fragen gelöst sind, dann wird man das auch
entspannter sehen und da werden wir sich anderen Themen zu wenden.
Avignon wurde gewählt, wir suchten einen Ort, weil es war die Absicht, wie gesagt, das Forum
international anzulegen, da musste es sein Ort sein, der ein gewisses Press-T-Shirt,
der auch in der Welt bekannt ist und wenn man dann sagt, das Forum der Avignon, das
dann jederweise auch in Amerika, in etwa, wo das liegt und was das ist.
Das andere Grund, wir wollten in eine kleinere Stadt gehen, weil wenn man das in Paris macht,
dann laufen die Leute abends weg und das Networking, das Zusammensein bei den Abendessen, sie haben
ja gesehen, ist sehr wichtig, dass die Leute sich begegnen, miteinander reden und dass
man die ein bisschen hier zusammenhält.
Hier gibt es keine Fluchtmöglichkeit, ne?
Ja, ich fand das wirklich bemerkenswert, dass der französische Kulturminister den ganzen
Tag da war, abends noch dabei, bis spät abends mit allen gesprochen hat, sehr offen war und
ich fand es auch bemerkenswert, wie dieses Forum angelegt wurde, denn es gab immer einen
Dialog zwischen zwei, drei Leuten und dann wurden andere aus dem Publikum, die vorher
schon platziert waren, dazugenommen und ich muss sagen, dieses Format, das hat mir sehr
gefallen und mich sehr beeindruckt, ich kenne viele Konferenzen, da sind dann Podien, da
sitzen sechs Leute, irgendwann kommt man dann zur Sprache, war das von Beginn an, dieses
Format soll das weitergeführt werden, diese Form?
Ja, den Fehler hatten wir am Anfang auch gemacht, werden auch diese berühmten Panels mit fünf,
sechs Leuten, wo jeder ein fünf bis zehn minütiges Statement abgibt und dann wird diskutiert.
Und wir haben gelernt, dass das nicht richtig ist und deswegen haben wir die Anzahl der
intervenierenden Kleinergehalten und größeren Wert auf den Dialog auch mit dem Publikum
gelegt und wir haben jetzt auch Studenten dazugenommen dieses Jahr und wir wollen die
Jugend einbeziehen und das auch ein bisschen noch mehr hier im Ort verankern, deswegen
habe ich vor gestern Abend eine der Studien über die kulturelle Attraktivität der Regionen
vor dem Unternehmerverband hier vorgetragen, da waren so 60, 80 Unternehmer, also das
Forum soll auch Bestandteil, weil man kann so etwas nicht in einer Was-Gloss, wie sagt
man in einer Bühle, in einer Käseglocke hier stattfinden lassen, die Bevölkerung hier
und die Leute, die Region muss das mittragen, auch wenn natürlich die Zielrichtung keine
Lokale ist.
Letzte Frage, es sind ja zu dieser Konferenz spezielle Studien gemacht worden von Wirtschaftsunternehmen,
Wirtschaftsberatungsunternehmen wie Erzene Yang und anderen, die ja sehr interessant sind.
Ist das ein Sponsorship oder müssen Sie das auch noch teuer bezahlen?
Das ist ein Sponsorship, dafür kann man sich nicht genug bedanken.
Sie wissen, was solche Studien kosten, wir profitieren hier von den weltweiten Organisationen
dieser Institute und das ist bemerkenswert, die stellen wir dann anschließend auch zur
Verfügung, jeder kann die übers Web runterladen und benutzen und natürlich auch mit den Instituten
eventuell spezifische Fragen noch weiter beurteilen.
Nein, das sind wir sehr dankbar und das gibt natürlich einen guten Diskussionsstoff für
das Forum.
