Ich bin der Kai Overmöschler und ich habe die Lederwerkstatt in Landsberg und mache im Prinzip klassische Feinsattlereien.
Leder ist für mich wahnsinnig tolles Material, weil es einfach unheimlich vielfältig ist.
Es ist erstens ein Material, es lebt, es ist ein Naturprodukt und es wird mit der Zeit schöner.
Kunststoffe werden mit der Zeit nicht schöner, sondern sehen irgendwann abgeranzt aus.
Meine Arbeit setzt sich im Prinzip zusammen aus 50% Anfertigungen und 50% Reparaturen und Restaurierungen.
Der Wert der Dinge, die ich repariere oder an denen ich arbeite, ist unheimlich unterschiedlich.
Sehr oft sind es auch ganz billige Sachen oder emotionale Wertgegenstände,
wie zum Beispiel der junge Mann, der von seinem Großvater noch die Schulranzen hat und den restaurieren lassen will.
Ich stelle die Sachen schon wieder her, dass sie gebrauchsfähig sind und auch rechtisch wieder schön aussehen,
aber natürlich mit der alten Partie, mit dem Charakter und so viel bemütlich das Alten zu erhalten.
Bei meinen Anfertigungen geht es eigentlich im Prinzip darum, dass die Leute entweder was haben wollen, was sie sonst nicht finden
oder dass sie einfach was suchen, was von der Qualität her besser ist als das, was man von der Industrie kaufen kann.
Mit Handarbeit ist das natürlich eine ganz andere Sache.
Im Laufe meiner elf Jahre, die ich jetzt habe, habe ich schon festgestellt,
dass es durchaus bei den Leuten eine Veränderung gab zwischen Wegwerfgesellschaften und schnelllebigen Sachen.
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Ich kriege wesentlich mehr Reparaturen rein oder Dinge, die erhalten werden sollen
und auch die Anfertigungen sind wesentlich mehr geworden.
Und auch mal mit dem Wunsch einfach, dass man sich einmal was kauft, dafür vielleicht auch mehr Geld ausgibt.
Aber das hält dann auch.
Was auch ganz toll ist, zum Beispiel die Bücher, die ich anfertige, wo ich einfach weiß,
dass es einen Gegenstand, der überlebt mich, dass da was zurück bleibt von mir in der Welt ist, ist ein schönes Gefühl.
