Wir laufen an einer Gruppe vorbei, die für mich nach einer geführten Touristengruppe
aussieht.
Craig sieht vielmehr eine Sektu vor sich und fragt einfach mal in die Runde um was für
ein Happening ist ich denn hier bei Handel in Deutschland würde vermuten, kein Mensch
auf der Welt zu sitzen, weil wir ihn eingeladen haben, aber es ist für ihn absolut keine ungewohnte
Situation unter freiem Himmel irgendwo in Berlin oder irgendwo in der Welt zu sitzen
und Menschen vorzulesen.
Dennis Knickel ist der erste Straßenvorleser Deutschlands, wahrscheinlich der Welt würde
ich mal vermuten, also kein Straßenmusiker, ein Straßenvorleser, ja so was gibt's.
Eine Leseratte in der Fußgängerzone, Dennis Knickel nennt sich Deutschlands erster Straßenleser
und zieht mit seinem aktuellen Buch durch die Lande.
Reisend erzählt er vom Reisen.
In seinem selbstverlegten Buch erzählt er von seiner Reise entlang der amerikanischen
Westküste.
Der Titel Serendipity beschreibt die Gabe sich auf unverhoffte Situationen einzulassen.
Kuriose Erlebnisse und zahlreiche Abenteuer, es ist Wortkino für große und kleine Zuhörer.
Es lädt einen innen zu halten, zum Zuhören und mitlachen.
Über seine Deutschlandtour führte er ein Videotagebuch, immer auf der Suche nach einer
Antwort auf die Frage, wo reagieren die Leute wie auf ihn, Deutschlands ersten Straßenvorleser.
Wie reagieren Sie denn?
Komplett unterschiedlich.
Ich hab auch immer noch keinen Muss herausfinden können, es ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich,
es kommt einfach immer drauf an, wem man begegnet, bekommt die Leute gar nicht groß mit, andere
sind verwundert und lachen laut, andere bleiben stehen und hören sich das mal an.
Du hast das aber so ganz akribisch notiert, also in welcher Stadt, in welcher Straße,
wer wie stehen geblieben ist, bei welcher Textseile?
Genau, also ich versuche schon ein Muster zu entdecken, nur es gelingt mir einfach nicht,
weil es wirklich immer unterschiedlich ist, ja es gibt kein Muster.
Wie war es denn in Berlin?
Berlin war gar nicht gut, ich glaube Berlin ist übersättigt mit Straßenkunst und gerade
für Straßenlesungen, da brauchst du halt einfach ein bisschen Zeit, beim Straßenmusikab
bleibst du fünf Tage stehen und dann weißt du, ob es dir gefällt oder nicht und bei mir
müssen die Leute erstmal kapieren, worum, was das überhaupt ist, was ich mache und
dann um die Story hineinzukommen dauert es dann auch ein paar Minuten.
Es gab eine ganze Deutschlandtour und ich habe gehört am Bodensee, da war es besonders
ja schön, aber dann irgendwann auch ganz schön anstrengend.
Es war durchgehend schön, aber es war Arbeit, genau weil ich habe vier oder fünf Stunden
schon einen Stop gelesen, weil so viele Leute Faszinationen daran gefunden haben, dass
ich wirklich ständig eine Menschentraube um mich herum hatte und ja, das war dann Motivation
genug um die Lesung, ich glaube drei oder vier Mal hintereinander zu machen, so die
Standardlesung, die ich mache und das dauert dann vier bis fünf Stunden.
Und ist das, das ist ja dein eigenes Buch, was du geschrieben hast, das ist ja jetzt
nicht nur zum Spaß an der Freude wahrscheinlich, was ist denn, was steckt dahinter, schon auch
der Wunsch das Buch zu verkaufen und damit auch den Kühlschrank vollzumachen?
Genau, also das Buch ist im Eigenverlag erschienen, das heißt es gibt keinen großen Verlag oder
einen kleinen Verlag, der dahinter steht und Werbung macht und da ich mir Werbung in
Printmedien oder im Fernsehen so nicht leisten kann, dachte ich mir irgendwie, muss ich das
Buch hier an den Mann bringen und an die Frau bringen und ja, dachte mir, dann gehe ich
mal auf Tour und lese den Leuten einfach auf der Straße vor und dann kriegen sie davon
was mit und vielleicht verkaufe ich auf die Art und Weise was.
Und zum anderen ist diese Straßenleser Idee auch dadurch erstanden, dass ich einfach
mal dachte, ich will auch mal als reisende Deutschland kennenlernen, lebst jeder ein
ganzes Leben oder ein Großteil davon, aber kennt das eigene Land nicht und dementsprechend
fand ich das auch spannend, einfach mal rumzukommen.
Was war denn auf der Reise das nachhaltigste Erlebnis, die nachhaltigste Erinnerung von
der Tour?
Also jetzt noch ganz frisch war, dass in Duisburg meine Zuhörer ausgeraubt wurden, wäre meine
Lesung ja, das war ziemlich traurig, ich hatte da drei sehr nette Menschen kennengelernt,
die sich um mich ein bisschen gekümmert hatten und als ich gesagt habe, ich will dann jetzt
mal lesen, haben die dann Leute angeschleppt und haben Decken ausgelegt und saßen dann
bevor ich überhaupt das erste Wort gelesen habe, schon 20 Leute da, dann kamen sie in
eine Gruppe von 10, 15 Jugendlichen, die erst gute Stimmung gemacht haben und fünf Minuten
später waren sie weg und auch die Portemonnaies der meisten Zuhörer.
Ah je, ist es jetzt dann durch mit den Lesetouren oder hast du vor, damit weiterzumachen?
Also Straßenlesung ist für 2016 wetterbedingt erst mal zu Ende, aber ich lese auch in Buchhandlungen,
Cafés und so und da habe ich noch den einen an den Termin und 2017, nach Möglichkeit würde
ich dann auch wieder ganz gern los.
Und noch sonst noch andere Pläne, was sonst noch so passieren soll in deinem Leben oder
wirst du jetzt für immer Straßenleser bleiben?
Also ich bin auch Filmwacher und es ist unbedingt mal wieder an der Zeit, ein Film zu drehen,
allerdings ist es sehr schwierig, da für Sponsoren zu finden und aus eigener Kraft das
zu stemmen ist nahezu unmöglich, dann will ich auch mal wieder auf Reisen gehen, ich
interessiere mich jetzt auch für das Bierbrauen, vielleicht mach ich ein Ausbild.
Ich interessiere mich jetzt auch für das Bierbrauen, ja so was passiert manchmal, also das könnte
auch noch eine berufliche Zukunft werden.
Das, ja.
Ja, sehr schön.
Irgendwas muss den Kühlschrank erfüllen.
Aber auf der Straße auf jeden Fall auch noch ein bisschen unterwegs mit den Büchern und
Sie liebe Zuschauer, wenn Sie Dennis Knickel mal sehen wollen, ja da müssen Sie einfach
in Berlin die Augen offen halten oder vielleicht auch mal in Brandenburg, wenn Sie Ihre Freizeit
lieber etwas konkreter planen wollen, dann habe ich ein paar schöne Tipps fürs Wochenende,
aber ich muss sagen unser erster Tipp, da wird mir ganz anders, aber ich glaube wir müssen
uns darauf einstellen, der Winter kommt.
