Ich beobachte, dass junge Kolleginnen und Kollegen sich nicht mehr so sehr aus dem Fenster lehnen, wie es vielleicht früher üblich war.
Der Garten ist Erholung. Ich bin oft mit Problemen nach Hause gekommen, die sich in der Redaktion im Verlag oder in der Betrachtung zu einem Ereignisse ergeben haben.
Und diese Probleme habe ich früher bewältigt, indem ich den Rasen gemäht habe. Heute habe ich einen Roboter, der das für mich macht.
Ich habe auch nicht mehr so viele Probleme als Ruheständler oder als Unruheständler. Aber damals, als ich noch aktiv als Journalist gearbeitet habe, da war der Garten mir oft Erholung und hat mich abgelehnt.
Ich bin 81 Jahre alt, habe über 40 Jahre als Journalist gearbeitet, war Chefredakteur der Rheinzeitung in Koblenz, war Mitglied des Deutschen Presserates und war in meinem Beruf sehr glücklich,
so dass ich ihn jederzeit wieder wählen würde. Ich bin 85 in den Presserat eingetreten, gewählt worden.
Einer der ersten Größenfälle, an denen ich mitentscheiden durfte, war der Fall Baschel, damals der Tod in der Badewanne.
Ein Ereignis, das die ganze Bundesrepublik erschüttert hat und ich saß dabei in diesem Kremium, das tagte damals in München und hatte jetzt darüber zu befinden,
haben da die Zeitskräften, die da Gegenstand der Beschwerde waren, Fehler gemacht, ja oder nein.
Es wurde ja danach her, das Foto des Baschel in der Badewanne wurde ja als ein Dokument der Zeitgeschichte bewertet, das heißt die Veröffentlichung wurde nicht kritisiert,
es wurde dann nachher nur die Wiederverwendung des Fotos als ein Eingriff in die schutzwürdigen Belange der Familie wurde dann gerügt.
Also der Fall Baschel war eines der ersten Ereignisse, die mich sehr, sehr bewegt haben damals.
Es gibt schwarze Schafe, wie in jedem Beruf, es gibt journalistische Fehlleistungen, die den Beruf in Misskredit bringen.
Ich lese das immer mit großer Besorgnis, dass zum Beispiel eine Studie der TU Dresden aus dem Jahre 2008 festgestellt hat, dass nur ein Drittel der Deutschen ihren Medien vertrauen
und in der Ansehenskala der Berufe darangieren die Journalisten ziemlich weit hinten.
Das heißt Journalisten müssen immer wieder um ihre Glaubwürdigkeit und das Ansehen ihrer Presseorgane kämpfen.
Das tut einem manchmal weh, wenn man das sieht und hört.
Was ich bedauere, dass in den Medien heute viel zu wenig über den Presserat und seine Arbeit berichtet wird,
ich finde es würde die Glaubwürdigkeit und das Ansehen der Printmedien erhöhen, wenn die Leserinnen und Leser erfahren würden,
dass es eine Institution gibt, die gerade über die Qualität der Veröffentlichungen wacht und unter Umständen auch auf Beschwerden reagiert.
Wie ich auch in meiner Tätigkeit als Sprecher des Presserates immer wieder dafür gekämpft habe, dass wir uns um eine Ethik der Medien-Nutzer bemühen.
Wir müssen uns an Leserinnen und Leser und vor allen Dingen die Jugend heranführen an Maßstäbe, denen man die Qualität eines Mediums messen kann.
Ich bin Journalist geworden, weil ich gut schreiben konnte.
Ich habe eigentlich gar keine richtige Ausbildung erfahren. Ich habe mir das alles selber angeeignet, was ich als Rüstzeug brauchte.
Und aus dieser Erfahrung ist bei mir immer wieder das Bemühen entstanden, dass ich anderen meinen Lissen, was ich hatte, weitervermitteln wollte.
Und ich habe als junger Lokalredakteur eine Broschüre herausgebracht, beim Rettigieren entdeckt. Da habe ich Tipps gegeben, wie man einen Einspalter schreibt, wie man eine Nachricht schreibt, wie man einen Bericht schreibt, einen Beitrag, eine Reportage, wie man mit Namen umgeht und, und, und.
Und daraus ist dann später eine lose Platzsamlung entstanden, in dem ich meinen Kolleginnen und Kollegen alles, was man wissen muss, als Rettakteur mitgeteilt habe.
Ich habe immer das, was ich gelernt habe. Mein Wissen habe ich weitergegeben an andere.
Alles habe ich in dieses Buch hinein gepackt und da es einen blauen Umschlag hatte, wurde es dann in der Redaktion der Blaue Schilling genannt.
Ja, ich fand es sehr witzig. Mein Chefredakteur damals, der, der hat dieses Ausdruck gebraucht und, naja, ich habe darüber mich amissiert.
Das war dann der herfolgerichtig, dass ich, als ich im deutschen Presserat saß, die Spruchpraxis des Presserates nicht in den Aktenbergen verschwinden lassen wollte, sondern ich habe sie aufbereitet und habe dann jedes Jahr Spruchpraxis geschrieben.
Also immer wieder Kolleginnen und Kollegen Orientierungshilfen bieten wollen für den beruflichen Alltag.
Als ich dann diese Spruchpraxis veröffentlichte, da wurde ich immer wieder gebeten, doch in Seminaren diesen Pressekodex und die Fälle, die im Presserat entschieden worden sind, mitteilen.
Und aus dieser Zeit ist dann auch die Zusammenarbeit mit der ABZV entstanden.
Viermal im Jahr, in Seminaren bin ich aufgetreten und habe Ferienjournalismus gepredigt.
Das ist ja, wenn Sie das so von Betig sprechen, das klingt ja wie so ein Schnarcher.
Ich habe das doch mehr praxisorientiert gemacht. Ich habe die jungen Kollegen Presserat spielen lassen.
Wir haben Fälle durchgesprochen, haben darüber beraten, was man da entschieden hätte, wenn wir Presserat gewesen wären.
Wir denken, dass der einzige Punkt, der hier zum Trank von Tröntgedälen ist, der V10, die Presse verzichtet darauf, religiöse Überzeugung zu schmähen.
Und wir sind der Meinung, dass eine Schmähung hier nicht vorliegt.
Also im Presserat ist der Entscheidung gefallen. Vier Jahr stimmen für die Entscheidung und zwei nein stimmen.
Die Volontäre der ersten Jahre waren fast rebellisch. Sie waren sehr kritisch.
Ich habe auch schon Jahre gehabt, wo die Damen immer gestrickt haben während meines Seminars.
Das hat mich sehr beeinflusst. Ich habe mir gesagt, du bist nicht gut, wenn die während deines Seminars stricken,
dann hören die dir nicht zu, was mir aber hinterher widersprochen worden ist. Man kann auch beim Stricken zuhören.
Aber ich habe mich dann eben noch mehr angestrengt.
Ich halt denke gerne an diese Seminare zurück und ich bilde mir ein, dass ich doch dem ein oder anderen wertvolles Rüstzeug für seinen Beruf gegeben habe.
Ich glaube, dass Journalisten heute dasselbe Rüstzeug haben müssen wie auch damals schon.
Wir gehen auch in die Öffentlichkeit. Wir treten für freien Zugang zu den Nachrichtigquellen ein.
Wir treten für Pressefreiheit ein. Und wir tun eine ganze Menge in der Ausbildung junger Journalisten.
Nur es sind heute die Bedingungen, unter denen sie arbeiten. Das Arbeitsfeld eigentlich viel, viel größer geworden.
Was vielleicht heute nicht mehr so gilt wie damals. Wir waren eine große Solidargemeinschaft.
Wir haben ein Gemeinschaftsgefühl gehabt. Wir haben uns mit dem Produkt identifiziert.
Und wir haben uns praktisch die Beine ausgerissen für unsere Zeitung.
Und das ist heute, glaube ich, heute gibt es sehr viele Einzelkämpfer im Bereich der Medien und weiß nicht, ob da nicht auch Elebogen gebraucht werden,
die damals wohl auch, die es wohl damals auch gab, aber nicht in dieser Ausbreitung wie heute.
Ich beobachte, dass junge Kolleginnen und Kollegen sich nicht mehr so sehr aus dem Fenster lehnen, wie es vielleicht früher üblich war.
Dass man vorsichtig geworden ist, dass man nicht anecken will.
Das legt sicherlich daran, dass man seine Chancen weiterzukommen, dass man diese Chancen nicht vertun will.
Dabei, denke ich, ist es gerade in unserem Beruf wichtig, dass man kritisch ist, dass man kritisch bleibt.
Und deshalb mache ich immer wieder allen jungen Kolleginnen und Kollegen Mut, ihre Kritikfähigkeit zu bewahren.
Denn wenn wir Journalisten nicht mehr kritisch sind, dann, denke ich, können man diesen Journalismus vergessen.
Weil ich die Kombination von Wort und Bild und Film als sehr faszinierend empfinde,
beneide ich jeden Videogenerlisten oder jeden Filmjournalisten, der heute in den neuen Medien sich betätigen kann.
Ich selbst kann es ja nur noch als Amateur und habe gerade einen Film gemacht über die Bundesgartenschau in Koblenz und habe dafür sogar einen Preis gekriegt.
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