Das, was ich dafür meine Enkerlin schreibe, ich habe ihr als zwei Seiten geschrieben.
Ich habe angefangen, am 17. Mai 1920 wurde ein zückendes Baby, ein schönes Baby, geboren.
Ich habe noch nicht dazugeschrieben, dass mein Vater ohnmächtig geworden ist.
Und die Pfdebamme hat gesagt, zu wem soll ich zuerst gehen, zu Mutter oder zu Vater?
Meine Kindheit war sehr glücklich, wir haben ein glückliches Familienleben gehabt mit vielen Tieren und vielen Verwandten und wir so zu der Zeit üblich war.
Leider bin ich im Alter von zehn Jahren nach Wien ins Pensionat gekommen und habe daher meine Familie später sehr wenig gesehen.
Und habe auch durch den wachsenden Antisemitismus die Schule öfters wechseln müssen, da ich meistens die einzige Jüdin war und mein Leben sehr schwierig gemacht wurde.
Wie ich 17 Jahre alt war, hat sich mein Leben vollkommen geändert, indem am 13. März 1938 Hitler in Österreich einmarschiert ist und in der ersten Nacht unser Haus von 13 SA-Männern oder Buben umgeben wurde,
die unser Haus durchsuchten, wonach weiß ich nicht, um meinen Mann, meinen Vater und meinen Onkel mitgenommen haben ins Gefängnis nach Oberwart.
Das Traurige daran war, dass viele Bärer, die darunter waren, mit mir auf der Schulbank gesessen sind und ich ziemlich schockiert war zu sehen, wie sie sich geändert haben.
Von dann an wurde unser Leben ein Albtraum.
Ich weiß nicht, ich kann mich eigentlich gar nicht mehr erinnern, wovon wir gelebt haben, nachdem sie in der ersten Nacht alle konnten gesperrt haben.
Meine Mutter und ich, unsere Zeit, verbracht haben zu versuchen, ein Visum irgendwo hinzubekommen, um meinen Vater aus dem Gefängnis zu kriegen.
Einmal war ich schon nahe daran, eben ein Visum nach England zu verschaffen und als ich in das Haus kam, um mit dem Mann die letzten Besprechungen zu führen, sagte der Hausmeister,
gehen Sie nicht hinauf, die SS war gerade da und hatte Mann abgeholt, damit war eine Hoffnung ausgestrichen.
Dann fanden wir endlich, leider Gottes nach so vielen Jahren ist mein Gedächtes sehr, ich habe viele Lücken.
Es gab eine italienische Schiffsgesellschaft, an der ich mich auch nicht erinnern kann, die Juden in Österreich geholfen hat, nach Südamerika und anderen Ländern zu kommen und vor allem Visas zu verschaffen.
Die waren außergewöhnlich nett und hilfsbereit und ich war in Wien und habe verhandelt mit einem Mann und habe am Ende das Zertifikat für meinen Vater bekommen.
Ich weiß nicht, wie das gegangen ist, aber mit vielen anderen, die nach Südamerika ausgewandert sind, hat dieser Mann die ganze Gruppe mit dem Zug nach Dresd gebracht.
Er ist immer mit der Gruppe mitgefahren und im Dresd hat man sie untergebracht. Wer dafür bezahlt hat, habe ich keine Ahnung.
Es war eine ziemlich große Gruppe von Burgenländern, die da alle gewartet haben, bis sie Transport oder Visas bekommen haben.
Anfang Juli habe ich dann ein Zertifikat für Israel bekommen und bin mit dem Zug allein nach Dresd gefahren, um meinen Vater zu treffen und mit ihm zusammen nach Israel zu fahren.
Interessant war auf der Fahrt, die natürlich sehr aufregend war, weil man nie gewusst hat, was an der Grenze geschehen wird.
Ich war in einem Gruppe mit einer sehr netten deutschen Familie, die natürlich nachdem auf meinem Koffer großgestanden ist, Palästina, gewusst haben, wo ich hingehe und wer ich war oder wer ich bin, mir unglaublich geholfen haben.
Ich war überhaupt ganz erstaunt nachdem, wie man uns in Österreich behandelt hat und die Angst, durch die man gelebt hat und die schrecklichen Dinge, die man gesehen hat.
Da war das plötzlich, solche Leute gibt es noch und wie wir in Dresden angekommen sind, da waren zwei oder drei Söhne, die waren so vielleicht 18, mein Alter.
Und dann mussten wir umsteigen, wir haben aber nur Minuten gehabt, haben jeder den Koffer genommen und sind zum anderen zugerammt und haben mir hinein geholfen und wie in Dresden angekommen sind, haben sie mir dann mein Gebäcker rausgenommen, haben mich in eine Kutsche gesetzt und ich bin zu meinem Vater gefahren.
Und von dort sind wir per Schiff nach Heifer.
Die Reise wurde von der Gestapo bezahlt, da wir überhaupt kein Geld hatten und wir hatten jeder Einpfund in der Tasche, was natürlich nicht sehr viel war.
Mein Vater ging in ein Wanderer Home in Heifer, wo er die Küche mit, ich weiß nicht wieviel, Familien geteilt hat und wo er monatelang lebte und ich ging in die Landwirkliche Schule nach Nahalal.
Es war natürlich eine ganz neue Welt, ich habe kein Wort hebräisch gesprochen, ich war noch nie allein irgendwo ohne Familie und mein ganzes Leben hat sich plötzlich vollkommen auf den Kopf gestellt.
Ich bin aber zum Glück ein sehr, was ist das Wort, anpassender, ein leicht anpassender Mensch und habe angefangen schwer zu arbeiten und versucht so viel Vergnügen herauszubekommen.
Ich habe langsam hebräisch gelernt, habe langsam Freunde gemacht und dazwischen immer in großer Sorge an meine zurückgebliebene Familie in Österreich gedacht, darunter auch meine Mutter, die leider kein Visum hatte und wir nicht wussten, was mit ihr geschehen wird.
Und durch die Hilfe von Leuten, die uns das Geld geborgt haben, ein Zertifikat für die Mutti zu bekommen, konnten wir sie im Dezember 1938 aus Österreich nach Palestina kommen.
Es war eine trotz aller traurigen Ereignisse eine lustige und ganz interessante Zeit.
Ich habe dort sehr, sehr viel über das Leben gelernt, auch wie mit Menschen so, mit verschiedenen Menschen so auszukommen und wenn ich meine Eltern in Heifer besuchen wollte, musste ich hitscheiden,
nachdem ich keinen Kroschen hatte, um einen Pust zu nehmen, was manchmal nicht so angenehm war, weil man manchmal arabische Lifts bekommen hat und man nie gewusst, komme ich an oder nicht.
Denn schon damals war die Situation ein bisschen, man hat unsere Schule sehr oft danach beschossen und wir mussten im Korridor sein, wo keine Fenster waren, um nicht angeschossen zu werden.
Aber an und für sich war es eine schöne Zeit.
In Israel hat man in einer ganz anderen Welt gelebt, zu meiner Zeit.
Erstens einmal, alle unsere Freunde waren intellektuelle, die in Europa bedeutende Stellen gehabt haben, oder Rechtsanwälterrichter, Ärzte, Zahnärzte, ich weiß nicht.
Und die plötzlich alle keinen Kroschen-Gent gehabt haben und jede Arbeit annehmen mussten, um ihre Familien zu erhalten.
Aber es war eine Atmosphäre von Freundschaft, von Verbindung, man war verbunden und jeder war in derselben Situation.
Und das war einerseits eigentlich einer der glücklichsten Zeiten meines Lebens.
Weil man hat nur für einander gelebt und man hat nur, man war zu beschäftigt, sich am Leben zu erhalten, um irgendetwas anderes zu tun.
Heutzutage jeder will noch das und das, keiner ist zufrieden.
Damals haben wir geteilt und es war eigentlich eine Zeit, wo man außer Herz leid, wo wir alle nicht gewusst haben, was mit unseren Familien geschehen ist,
weil man eigentlich in einer Art von Kamaderie gelebt hat, die unerhört positiver.
1949 beschlossen wir, auf einige Zeit nach Wien zurückzugehen und zu versuchen, irgendeine Wiederguckmachung zu bekommen, nachdem wir natürlich finanziell sehr schlecht besammen waren.
Erst gingen wir in die Preien, wo eine Kusine meiner Mutter, die den Krieg überlebt hatte, lebte und wenigstens wieder etwas Familie hatten
und versuchten mit unserem Leben weiterzukommen. Ich weiß nicht, wie ich das ausdrücken soll.
Und es war nicht sehr angenehm, denn wir fühlten, dass die Österreicher uns nicht mit großer Liebe ansehen.
Die Armut zu der Zeit war auch sehr schlimm und die ganze Stimmung mit den Russen und Engländern und Franzosen da in der Stadt war das sehr schwierig.
Es war eigentlich eine sehr schwierige Zeit. Es war viel besser, wenn wir am Land gelebt haben, obwohl wir auch unangenehme Situationen mit den Russen hatten.
Die waren ja sehr unangenehm und wenn sie betrunken waren, waren sie tödlich.
Und wir haben eine Situation gehabt, wo eine Freundin von mir, die eine Russin war, mit mir in der landwirtschaftlichen Schule in Österreich war
und sie kamen uns besuchen und wir gingen auf einen Ausflug und auf einmal erschien dieser Russe, der war betrunken und der hat uns nicht weiterfahren lassen.
Und zum Glück hat sie gewusst, dass die Russen eines mit Kindern vor Kindern haben sie Respekt gehabt, alles andere.
Und da hat sie gesagt, er soll uns doch gehen lassen, weil die Kinder waren jetzt natürlich keine Kinder zu Hause gehabt.
Die Kinder sind allein zu Hause, wir müssen zu den Kindern. Und ich glaube, das hat unser Leben gerettet, denn der war mit der Pistole und tödlich betrunken.
Und das waren die Situationen, die man so manchmal erlebt hat.
Aber es war auch schön, wieder in die Gegend zu kommen, von der meine Mutter stammt und die herrliche Gegend zu genießen, die wunderschöne Natur, die sich nie ändert, trotz der Menschen.
Und im Jahre 1951 fuhren wir auf Ferien an dem Wörtersee, dort lernte ich meinen Mann kennen, der auch in Burgen, also halb Burgenländisch war, halb Wienerisch.
Und der nach zwei Wochen mir einen Heiratsantrag machte, war Liebe auf den ersten Blick.
Und wir beschlossen, dass ich nach England komme, um zu sehen, ob es mir hier gefällt und ob ich hier leben möchte.
Ich kam im November 1951 an und wohnte bei meiner Schwester in London und wir verlobten uns und entschlossen uns zu heiraten, bevor mein Visum abläuft.
So haben wir innerhalb von drei Monaten geheiratet. Leider konnte meine Mutter nicht zur Hochzeit kommen, weil sie kein Visum bekommen hat.
Mein Vater, der ein außergewöhnlich anständiger und guter Mensch war und den Großteil seines Lebens damit verbracht hat, schwer zu arbeiten und jeden der Hilfe gebraucht hat zu helfen.
Und eine Fabrik mit aufgebaut hat, denn sein Vater hat es angefangen.
Für ihn war Österreich das Heimatland, das er geliebt hat. Er war ein sehr großer Chauvinist und konnte nicht glauben, dass ihm jemals etwas passieren könnte oder dass jemals ein Österreicher sich gegen ihn einstellen würde.
Dadurch war der Schock, dass man ihm in der ersten Nacht verhaftet hat und ihm schrecklich behandelt hat und furchtbar gequält hat.
Besonders von einem jungen Mann, dessen Vater mein Vater aus einer sehr schwierigen Situation geholfen hat. Und ich glaube, das hat das Herz meines Vaters gebrochen.
Von dem Moment an war er ein vollkommen veränderter Mensch.
Zum Glück war meine Mutter eine sehr starke Frau mit einem sehr starken Charakter und hat ihm geholfen, auf den Beinen zu bleiben, aber unser Leben war nie mehr dasselbe.
Es war nicht, weil wir Abend waren und alles verloren hatten, sondern weil man zum Teil den Glauben an die Menschheit verloren hat.
Ich glaube auch, dass er nie so jung gestorben wäre, wenn er das nicht alles erlebt hätte.
Religiös in einem jüdischen Haus heißt ja eigentlich nicht nur, dass man in die Synagoge geht. Es hat ja keine Synagoge gegeben im Pickerfeld.
Man hat zu den hohen Feiertagen ein Zimmer als B-Zimmer eingerichtet. Aber das Fundamentale im Judentum eigentlich ist, dass man ein Mensch ist, der andere Menschen respektiert und anderen Menschen hilft und nicht nur für sich lebt.
Ich finde das viel wichtiger als die religiösen Zeremonien, die mir eigentlich nichts bedeuten.
Ich muss aber dazu sagen, dass ich nicht in die Synagoge gehen kann.
Weil wenn ich in der Vergangenheit in die Synagoge gegangen bin zu hohen Feiertagen, meistens mit der Henne, denn die hält die Feiertage sehr.
Dann kommt das alles zurück, besonders päsach, wenn wir bei meinen Großeltern waren und die ganze Familie dort war und das war unvergesslich.
Man hat sich gefühlt, eingefühlt in Liebe und Tradition. Nachdem aber meine Großeltern tot waren und meine arme Großmutter im Alter von 89 Jahren noch fürs Verbrecheralbum fotografiert wurde,
wenn ich in die Synagoge ging, dann habe ich mich wie die Schleusse sich geöffnet hätte. Ich habe einfach einen Moment, wo ich reingekommen bin, angefangen zu weinen und geweint, bis ich wieder rausgegangen bin.
Das war dann aber aufgehört hinzugehen. Ich weiß nicht, was es in mir ausgelöst hat. Es war ganz gegen meine Natur eigentlich.
Daher, außer dem wie mein Vater gestorben ist und ich mir überlegt habe, was sein Leben war und was er gelitten hat, habe ich mir gedacht.
Ich habe den Glauben an Gott eigentlich verloren. Ich bin nicht eine Ethistin. Es ist schwer zu sagen, irgendetwas ist noch da, dass mich, wie soll ich sagen, ich bin eine Jüdin durch und durch.
Es ist absolut kein... Aber nicht im religiösen Sinn. Aber ich finde, dass unsere ungeschriebenen Gesetze, dass man ein Mensch sein muss und wirklich andere Menschen respektieren, das ist für mich das Wichtigste.
