Kennt ihr die Legende vom tapferen Ritter, der jeden Tag die Welt rettete und die schönsten
Mädchen abschleppte?
Nein?
Ich auch nicht.
Die eigene Geschichte ist immer eine andere.
Ich bin ein Roboter.
Meistens sorg ich dafür, dass jedes kleinste Detail seinen vorgeschriebenen Platz ernehmt.
Das Detail ist ebenso vorgeschrieben.
Obwohl ich mir ständig einrede, nur ich wäre Chef der Sache, die ich gerade tue.
Meine Ausstattung ist simpel.
Zwei Beine zum Kippen holen, eine Hand zum Rauchen
und die andere zum Ausführen der wohl kreativsten Handlung heutzutage.
Womit ein kleiner Paranoiker wie ich sein Brot und Whiskey verdient.
Ach ja, und ein Computer.
Ohne ihn bin ich tot, nicht real, nutzlos.
Genauso wie mein Beruf, in dem man kein Feuer löscht und niemanden das Leben rettet.
Erstaunlich, wie viele Idioten trotzdem behaupten, diese Welt aus grauen Winden
und geklonnten Tagen mit Klickerei ändern zu können.
Doch genau an solchen Tagen passieren einem dies seltsamste Sachen.
Erstand einmal ein Ein- und Übertyp von meiner Tür, der mich unbedingt sprechen wollte.
Ich hatte keine Ahnung, ob es an meinem Whiskey lag.
Doch dieser neue Kunde kam ihm gleich irgendwie seltsam vor.
Als Geschäftsmann führte er irgendein Riesenunternehmen,
das er vor Ewigkeiten ganz allein aufgebaut hatte.
Zuerst lief es gut.
Doch als seine Außendienstmitarbeiter selbstständig wurden,
das Konzept versorgen und ihm alle Kunden wegnamen,
ging er pleite.
Und glaubte mehr an ihn, nicht mal er selbst.
Und jetzt wollte er ein Release sein.
Na toll, ein neues Erscheinungsbild für einen Trottel,
der weder seine Beschäftigung noch den Namen verrät.
Aber in diesem Fall dürfte ich alles machen, was ich will.
Über Bezahlung reden wir später, sagte er, und ging.
Ihr denkt wohl, das Leben ändert sich komplett,
wenn so einer höheren Weg kreuzt.
Ihr täuscht euch.
Er besuchte mich regelmäßig und wollte einfach nur reden.
Jedes Mal verkleidet.
Diese verdammte Faschings-Fetischist muss wirklich einsam gewesen sein.
Aber was mich angeht,
ich konnte nachts immer noch nicht schlafen.
Ich aß, trank, arbeitete und am weiter fleißig drogen,
alles so wie bisher.
Und als dieser Typ zur Abnahme kam,
konnte ich ihm nichts anderes anbieten als nur skitzen.
Mehr habe ich mich um diesen Kram nicht gekümmert.
Er nahm sie alle, versprach sich zu melden und verschwand.
Ich habe nie wirklich kapiert, was er mir jedes Mal erzählte.
Geh mir zu, ich habe auch nie wirklich nachgedacht.
Doch irgendwie mochte ich ihn.
Er war der einzige Auftraggeber in meinem Leben,
der mir nichts vorgeschrieben hat.
Tja, bezahlt er da auch nicht?
