Wann und wo beginnt unsere Existenz?
Wann beginnt meine Existenz?
Wann beginnt die Existenz eines anderen Wesens?
Ich definiere eigentlich Formen.
Ich definiere Formen, Objekte und auch Existenzen dadurch.
In meiner Arbeit setze ich mich mit der Umwelt auseinander.
Das ist für mich das Wichtigste, dass ich Dinge aus meiner Umwelt auswähle
und damit verschiedene Tests durchführe.
Versuchsreien und Art-Experimente.
Das ist auch das Spannende an meiner Arbeit.
Diese unschuldigen Materialien in Bezug auf mein künstliches Schaffen.
Das ist eine Art Geben und Nehmen, fast schon eine Art Symbiose.
Ich fühle mich als ausführende Kraft für irgendetwas,
was in meinem Werk pulsiert oder was selbst anfängt zu leben darin
und was auf einmal eine eigene Dynamik bekommt, die ich selber nicht mehr lenken oder kontrollieren kann.
Dann passieren Dinge, die keinem vorgegebenen Konzept mehr untergeordnet sind
oder sich überhaupt unterordnen lassen, sondern dann fangen Strukturen an zu wachsen,
die ihr eigenes System selbst vorschreiben.
Lehm, Schlamm, Ton, das sind alles Begriffe, die mich zu meiner Arbeit führen.
Also eigentlich Begriffe, Materialien, die natürlichen Prozessen untergeordnet sind.
Keramik trocknet, Keramik schrumpft, Keramik bröckelt.
Keramik ist auch in der Lage, den elementaren Zustand zu wechseln durch das Brennen.
Also aus Erde wird eigentlich Stein.
Ja, es geht eigentlich auch um meine Arbeit, in meine Arbeit um Leben.
Und deswegen beschäftige ich mich auch mit einem Material, was Leben für mich personifiziert fast schon.
Mit Stahl arbeite ich, weil ich die Eigenschaften von Stahl
für mich definieren kann und weil ich damit durch diese Eigenschaften
meine Prozesse in Gang bringe.
Ja, also hört sich vielleicht schräg an, aber ich glaube fast schon an die Intelligenz eines Materials,
an die, ja, an die, an die, an die, an die innerwohnenden Struktur auch.
Und dadurch beziehe ich auch Informationen und Inspirationen aus dem Material.
Und ja, bei Stahl ist es zum Beispiel so, dass es zwei Eigenschaften gibt, die sehr wichtig sind für mein Werk.
Und das ist einmal, ja, Stahl ist extrem stabil und die Verbindungen, die man mit Stahl baut,
halten sehr großen Belastungen stand.
Und andererseits ist Stahl magnetisch.
Die Schwerkraft entsteht ja auch durch das Magnetfeld unserer Erde.
Ich habe eigentlich in meinen Konstruktionen, die ich baue, dieser Schwerkraft dann eine andere Kraft entgegengesetzt.
Und diese andere Kraft funktioniert durch Magnetismus, also auch durch Magnetismus, aber eben durch ein Elektromagneten.
Und dieser Elektromagnet kann nur funktionieren, weil diese Konstruktion eben aus Stahl gebaut ist.
Also Stahl hat die Menschheit schon in der ganzen Kulturgeschichte auf sehr vielen Wegen begleitet.
Also aus Stahl werden ja Waffen gebaut, aus Stahl werden Maschinen gebaut, aus Stahl werden Werkzeuge gebaut.
Das sind alles Dinge, die auch genauso in meiner Arbeit funktionieren.
Also ich würde jetzt nie auf die Idee kommen und das Werk selbst aus Stahl schaffen.
In der Bezug ist Stahl total uninteressant für mich, sondern Stahl begleitet mich eigentlich auf dem Weg zu meinem Werk.
Wenn man mit einem Material mitfühlen kann, dann ist für mich meine Arbeit getan.
Dann habe ich erreicht, dass ich etwas aus mir in das Material, in jemand anders rein reflektiert, rein projiziert habe.
Und so gesehen geht es mir hier nicht wirklich um die Arbeit als Objekt oder als Material an sich, sondern es geht mir eigentlich um ein gewisses Gefühl,
was durch physischen Charakter anfängt und ins Freischwebend Emotionale eigentlich geht.
Diese ganze wochenlange Vorbereitungsphase gipfelt eigentlich im Entstehungsprozess, der zusammengefasst nur ganz wenige Millisekunden beinhaltet.
Das ist für mich ein sehr intensiver Moment und ich beobachte auch in den Menschen, die darin teilhaben, verschiedene Vorgänge, die auch für meine Arbeit interessant sind.
Man will eigentlich im Allgemeinen sehen, wie es entsteht.
Diese Sehen auch, die sich etwas in sehr kurzer Zeit entwickelt, hat eigentlich sehr kraftvollen Charakter.
Das ist eigentlich vielleicht auch vergleichbar mit einer Art Geburt, vielleicht auch mit einem Todesfall oder einer Art Unfall.
Das sind alles Prozesse, die bei uns im Leben ablaufen und die uns sehr nahe gehen, womit wir uns selbst identifizieren, weil wir selber diesen Prozessen untergeordnet sind.
Das ist auch ein Prozess, der den Übergang in eine andere Daseinsform zeichnet eigentlich.
Und so sehe ich eigentlich auch den Entstehungsprozess meiner Arbeit, dass ein Wesen von einer anderen Form in die nächste Form übergeht.
Das ist für mich auch das Spannende daran.
Das Vorgänge, die extrem konstruktiven oder extrem destruktiven Charakter haben, dass diese Prozesse die Menschen eben extrem anziehen.
Dieser Moment dann auch, dem steht auch eine gewisse Ruhe gegenüber.
Bevor es dann dazu kommt und bevor es still wird in der Location und die Ruhe herrscht und die Luft eigentlich fast schon mit unserem Adrenalin getränkt ist
und dann der Griff zur Steckdose eigentlich so vielleicht die Erlösung bringt und endlich dann dazu kommt, dass das Ding wird
und dass es uns dann gegenüber steht in diesem Moment.
Wohin?
Wohin?
Wohin?
Interessant finde ich, dass ich in der Lage bin, durch einen bestimmten Prozess, den
ich eigentlich künstlich einleite, ein Material aus meiner Umwelt, was eigentlich tot ist,
zum Leben zu erwecken oder beziehungsweise, dass es zumindest so scheint, dass mit dem
Material etwas passiert ist, was offensichtlich einen lebendigen Ansatz bekommt.
Doch die
Menschen sind wirklich blind.
Menschen sind wirklich blind.
Untertitel im Auftrag des ZDF, 2017
