Ich begrüße Sie sehr herzlich im Studium des Forum Via Sanitas hier vom Kongress Trend Forum 2017 aus Salzburg.
An meiner Seite hier ein Referent des Kongresses, Herr Dr. Siegfried Schlett,
ein sehr erfahrener Pharmazeut, Apotheker und Arzt mit einer großen Kompetenz auf dem Gebiet der automolekularen Medizin,
der Ganzheitsmedizin und auch der Hormonwelten.
Ein großes Thema, das viele Ärzte, Therapeuten aber auch Patienten beschäftigt,
ist die Schilddröse als Schlüsselorgan für sehr viele unterschiedliche Erkrankungen.
Herr Dr. Schlett, die Schilddröse, ein ganz kurzes Statement von Ihnen.
Wie sehen Sie die Funktion der Schilddröse im Kontext als Schlüsselorgan für viele andere gesundheitliche Probleme?
Die Schilddröse, wie viele andere Hormone, kann man nie isoliert betrachten.
Und leider ist unsere sehr gute fachärztliche Medizin immer dazu angetan,
sich wieder mit übergreifenden Problemen zu beschäftigen und nicht nur die Sachen zu verteilen.
Also wenn es psychisch nicht gut geht, den Neurologenpsychiator, Psychoanalytiker zu fragen,
wenn die Verdauung nicht funktioniert, den Gastroenterologen, wenn Kapaltunnelsyndrom auftaucht,
den Orthopäden oder den Chirurgen, aber oft sind halt diese Symptome alle von einer Ursache,
nämlich von der Schilddröse, weil die Schilddröse ist Chefetage für sehr viel energetische Fragen,
Wärmefragen, Verbrennungsfragen und von daher muss man sie dann immer wieder in den Blick rücken,
damit man sich nicht in der Peripherie der Symptome verliert.
Das ist richtig, welche aus der Sicht der Ganzheitsmedizin betrachtet,
welche Möglichkeiten bieten sich hier an, Schilddrösenprobleme erstens frühzeitig,
rechtzeitig zu erkennen und auch ergänzend begleitend ganzheitsmedizinisch zu therapieren.
Man muss oft die Schilddröse, obwohl sie sich als Organ meldet,
obwohl die Symptome von der Schilddröse vorherrschend ausgehen können,
nicht unbedingt als die Ursache des Geschehens ansehen, sondern versuchen die Causa zu finden.
Denn die Schilddröse ist leider ein Organ, was wenig Verteidigungskapazität hat
und dadurch wird die Schilddröse immer in andere Kampfessituationen des Körpers
einfach mit eingebunden, ob sie will oder nicht.
Das heißt, wenn dann die Schilddröse sich entzündet und zu einem, wenn man so sagen darf,
dann Hauptplayer wird in diesem Geschehen, muss es nicht unbedingt die Ursache sein.
Und ich darf die eigentliche Ursache, nämlich Entzündung, jeder Art, nicht aus dem Blick verleeren.
Das heißt, die Schilddröse ist einfach nur das rote Alarmlicht, das sozusagen aufleuchtet,
wenn im Körper einfach Grunderkrankungen bestehen, entzündliche Natur?
Ja, vor allen Dingen bei Frauen, weil natürlich Frauen zum einen diese monatlichen Hormonwechsel haben
und durch Schwangerschaften auch große Hormonmengen produzieren und wieder ausscheiden müssen.
Und diese hormonelle Interaktion, vor allen Dingen zwischen den Oestrogenen und der Schilddröse,
bedingen es, dass die Schilddröse vornehmlich bei Frauen krank wird oder sich entzündet.
Aber es zeigt auch an diesem Beispiel ganz deutlich, dass die Schilddröse immer nur im Zusammenhang zu erkennen ist.
Sonst wäre es sehr Unsinn, warum so viele Hashimoto-Patienten plötzlich auftauchen,
weil der liebe Gott uns scheint eine schwache Schilddröse gegeben hat. Nein, die Belastungen von anderer Seite werden stärker.
Das ist sicher ein Signal, Hashimoto, so viele Erkrankungen wie noch nie in den letzten Jahren,
die Zahl der Hashimoto-Patientinnen steigt immer mehr. Was wäre hier ein Ansatz der Intervention?
Wo setzen Sie zum Beispiel bei Ihren Patientinnen an?
Je nachdem, wie ich versuche, mir die Ursache zu erarbeiten, wie diese Hashimoto-Erkrankung ausgelöst hat,
weil wenn eine Frau kommt und sagt, sie hat nach der Geburt ihres zweiten Kindes plötzlich Hashimoto bekommen,
dann ist es ein eindeutiger, hormoneller Kollateralschaden.
Wenn eine junge Patientin sagt, seitdem sie die Pille seit 18 Jahren nimmt, hat sich dann so eine Hashimoto-Erkrankung ergeben,
dann ist dann auch da die Ursache irgendwie vorgegeben und dann hat es Konsequenzen auch für die einzelnen Patientinnen,
wie sie mit ihren Hormonen in der Zukunft umgeht.
Aber auch, wenn der Darum unruhig ist, wie Sie die Patienten kommen ja nie nur mit einem Symptom und sagen,
hier tut es weh oder ich habe was an der Schildrüse, die kommen mit ganz anderen Beschwerden.
Zum Beispiel wissen Sie, ich habe Verstopfung ohne Ende.
Und dann sagt man halt, naja, Sie sind eine Frau, Sie trinken zu wenig und dann kriegen Sie Movicol
oder sonst irgendein Mittel, was die Verdauung verbessert.
Aber de facto haben Sie nur eine nicht erkannte Unterfunktion.
Und wenn Sie dann mit der Schildrüse ein bisschen mehr Futter geben,
bisschen die Begleitmusik verbessern, die die Schildrüse auch gut arbeiten lässt,
plötzlich sagen die Patientinnen, ja, jetzt geht's.
Ich mache die Erfahrung, dass es das Schildentrösen Patientinnen, jetzt sage ich es trotzdem noch einmal,
oft schon eine sehr jahrelange Karriere hinter sich haben, einen Leidensdruck sagen,
ja, also ich bin eigentlich laut schulmedizinische Erkenntnis gut eingestellt,
aber trotzdem funktioniert es einfach nicht.
Fragen danach nach Zusatzmöglichkeiten aus der Welt der automolekularen Medizin
oder auch bioidenten Harmonien als Schlagwort?
Ja, natürlich. Für mich sind das, was die Schildrüse betrifft,
wenn man jetzt die Automolekulare Medizin ins Boot holt, sind es fünf Faktoren.
Das ist einmal das Tyrosin, die Aminosäure, das ist das Vitamindora, das ist das Eisen,
das Jod und das Selen. Die müssen stimmen, schon mal.
Und man kann den Selen-Spiegel messen, man kann über ein HB oder ein Ferritin
den Eisenstoffwechsel etwas besser im Blick nehmen, Vitamin D bestimmen.
Beim Tyrosin ist es schwierig, aber allein wenn diese Substanzen oder diese Stoffwechsel,
diese Automolekulare, die Biochemie dieser Stoffe, schon mal stimmt,
tut sich eine Schildrüse schon mal leichter, wieder sich selber zu einzuregulieren.
Und unser Ziel muss ja immer sein, dass wir die Autonomie des Patienten fördern
und vor allen Dingen, dass wir die Authentik, wenn der Patient schildert, ihm geht es nicht gut.
Dann stimmt was nicht. Und dann ist er nicht psychisch krank.
Das ist er nur dann, wenn ich nichts mehr weiß.
Und vor allen Dingen, die Schildrüse ist so lange, da muss man so lange weiter denken als Arzt,
sein Hirn, anregen, bis der Patient sagt, ja, jetzt wird es besser.
Oder jetzt komme ich so langsam energetisch auf Touren.
Allein wenn sie denken, das Thema Depression.
Ja, das ist zum Einen ein Bodenseethema.
Aber Schildrüsen-Patientinnen, die psychische Veränderungen haben,
haben charakteristische, psychische Veränderungen.
Zum Beispiel haben die eine Entscheidungsschwäche.
Das hat nichts mit morgendlich im grauen und schlafenlöslichen Aussicht zu tun.
Was so eine klassische Depression beschreibt.
Patienten sagen, früher ging mir der Haushalt mit links von der Hand,
jetzt überlege ich, soll ich erst Fenster putzen oder soll ich erst waschen
und das alle so nölig und so drübe.
Ihr fehlt einfach Power im Hirn.
Wäre das zum Beispiel Ansatz für Ältere Sin?
Ältere Sin, da ist die Frage möglich wie hyperthyriose
oder gibt es hier Einschränkungen in der Anwendung?
Ich hatte jetzt eben nur so ein hypothyriotes Bild gebraucht,
also bezogen auf diese leichte Entscheidungsschwäche.
Ja, dann würde ich in jedem Fall suchen,
erst mal die Schildrüse mit dem zu stärken, was sie de facto braucht.
Man kann Jod im Urin messen, wenn der Jod gehalt ganz niedrig ist,
würde ich natürlich mit Jod beginnen,
weil das ist allein von unserer Ernährung, von unserer Österreich, Deutschland,
von der Geografie, ist es einfach ein Mangel, der ist einfach da.
Und wenn dann auch energetische Defizite nachmittags, zwischen 14 und 18 Uhr,
ist ein typisches Schildrüsen-Defizit.
Also nicht der morgendliche, der schlecht aufsteht, der morgens ewig braucht,
bis sie in die Gänge kommt, dieser Schildrüsen-Patient,
sondern die meisten Schildrüsen-Patienten kommen gut raus,
die haben dann aber nachmittags, ab 14 Uhr, brauchen sie ein Sofa.
Sie haben das Gefühl, ich weiß nicht, ich kriege keine Energie mehr hin,
die nächsten zwei Stunden zu überleben.
Und so kann man auch, indem man sehr tief in die Anamnese eindringt,
die Leute wirklich ausführlich befragt, ausführlich wertet.
Und wissen Sie, der Patient ist ein Kompetenzzentrum.
Wenn der mir das ausdrückt in dieser Form, ist das sehr authentisch
und sehr echt und sehr wahr.
Und da muss ich mich halt diesem Vorgang stellen,
wenn der Patient, die Patienten schildern keinen Schwachsinn.
Manchmal, wenn das verrückte Leute sind, dann spürt man das.
Aber bezogen auf die Schildrüse sind es immer ganz gute analytische Statements.
Sie haben das Thema Jod angesprochen.
Wie schaut es dabei Hashimoto aus?
Ist die Antwort offen?
Denn wenn zum Beispiel Hashimoto-Patientinnen schwanger werden,
gibt jeder Gynäkologe Jod.
Warum?
Weil die Patienten in der Schwangerschaft einfach durch das Progesterum
einen Helfer haben für die Schildrüse und diese Jod-Therapie,
die Hashimoto-Erkrankung nicht auffliegen lässt.
Die wenigsten Patienten entwickeln während der Schwangerschaft nach Hashimoto
oder werden stärker in ihrer Symptomatik.
Ich mache das abhängig, wie der Patient mit Jod umgeht.
Wenn ich sehe, er hat einen hohen Oestrogenspiegel,
gebe ich ihm eher Jod.
Weil Jod den Oestrogenspiegel moderiert und mit versucht zu senken.
Das hilft ihm, mit seiner Schildrüse besser zurechtzukommen.
Wenn die Entzündung in der Schildrüse dann runtergeht,
dann macht das Jod auch das, was es soll, nämlich es bei Tyroxin auf.
Von daher Learning by Doing.
Der Schildrüse bei Hashimoto ist oft Learning by Doing.
Man kann nie genau vorhersagen,
welche Weg die Heilung oder die Verbesserung nimmt.
Man muss einfach einen sehr wochenweisen Kontakt.
Telefonisch mache ich das oft auch mit den Patientinnen behalten,
um kleine Veränderungen richtig zu wehren, zu analysieren
und dann zu sagen, okay, das war gut oder Kehrtwende,
wir müssen einen anderen Weg gehen.
Wie schaut es mit Ihren Erfahrungen zur Gabe von Selen
bei Schildrüsenerkrankungen, speziell bei Hashimoto aus?
Auch hier gibt es ja eigentlich schon relativ viele Publikationen zu dem Thema.
Die Rückmeldungen der Patientinnen sind unterschiedlich.
Selen hat zwei Bedeutungen, es verbessert die T3-Bildung,
dadurch wird die Schildrüsen-Aktivität effizienter
und zum zweiten ist es ein Teil des antioxidativen Systems
und die antioxidativen oder anti-entzündlichen Strategien,
die schließen der Selen immer mit ein.
Aber sie sind oft nicht genug.
Wenn der Patient dann sagt, ich nimm mich schon Selen so lange
und es wird nicht besser, kann man nur sagen, ja,
aber das liegt nicht am Selen, sondern weil wir einen Faktor
bis hier nicht ins Boot geholt haben.
Selen daher trotzdem weiternehmen.
Und kontrollieren.
In diesem Zusammenhang eine letzte Frage, Ernährung,
Darmgesundheit haben Sie angesprochen, es gibt Hinweise,
Plutenunverträglichkeiten und Schildrüsenerkrankungen,
wie stehen Sie dazu?
Wenn hier Krieg ist, ist Krieg im Körper
und dann tauchen an ganz verschiedenen Stellen Beschwerden auf.
Der eine hat eine Allergie, der andere hat Neurodermitis
bei Kindern, zum Beispiel auf Milchgenuss
oder der andere hat eine Schildrüsenaffektion,
die so leicht hochgeht.
Ich habe mehrere Patienten, die nur durch Diät
eine Hyper, also zur Überfunktion leigende Schildrüse
völlig in Zaum halten, aber dietetisch.
Und von daher, wie gesagt, die Schildrüse
muss einem als Arzt immer weg von diesem
symptomorientierten Therapieren führen,
hin zur Causa, hin zur Logik dessen, was vor mir sitzt.
Denn das, was als Patient vor mir sitzt, ist in sich eine Logik.
Ich muss halt daran unterspielen, der Dharma ist eine ganz wichtige Runde.
Bei mir gibt es keinen Patienten, der ohne Aufbau des Mikrobioms,
ohne Bitterstoffe, ohne bittere Tees, bittere Tinturen,
galleranregende Substanzen eigentlich die Praxis verlässt.
Ich wüsste keinen.
Vielen Dank für diese vielen tollen Hinweise.
Das heißt, es stehen nicht unbedingt die Gabe von Hormonen
oder auch bioidenten Hormonen im Vordergrund,
sondern man kann einfach durch Lebensstilberatung,
durch genaue Anamnese, durch Hinterfragung
sehr viel Zusatzmaßnahmen setzen, wie Sie eben erwähnt haben,
Gabe von Mikronährstoffen, Darmgesundheit,
steht einfach bei Schilddrösenpatienten zuerst einmal im Vordergrund.
Aber ich meine, wenn man zum Beispiel beim Ultraschalt sieht,
es sind nur noch 4 Milliliter übrig von der Schilddröse.
Die Schilddröse wurde vom Immunsystem quasi hinweg gefuttert.
Dann können Sie nicht mit mehr Stoffen das kompensieren.
Dann müssen Sie Hormone geben.
Und dann entscheidet die Verträglichkeitsprüfung reines T4,
T4 mit wenig T3, natürliche Schilddrösenhormone mit viel T3.
Das entscheidet dann der weitere Weg.
Ich arbeite sehr viel mit bioidentischen Hormonen,
aber ich versuche eher dem Patienten zu viel abzuverlangen,
was er kann.
Weil von außen substituiert ist immer schlechter, wie das, was man selber macht.
Aber wenn keine Schilddröse mehr da ist, dann muss man natürlich substituieren.
Und das ein Leben lang.
Und da haben Sie bessere Erfahrungen mit den natürlichen Hormonen
als den konventionellen?
Ich würde sagen, für Hashimoto-Patienten sind bioidentische Hormone
oft besser verträglich, das muss man sagen.
Aber der Groh der Patienten, wenn Sie so nicht entzündliche Unterfunktionen haben,
die kommen auch mit klassischen T4-Produkten oder T4-T3-Kombinationen ganz gut aus.
Aber der Patient wird es Ihnen sagen.
Er wird Ihnen sagen, ob er mit dem Präparat verrückt wird
oder nicht mehr aus dem Bett kommt, weil er keine Energie mehr hat.
Vielen Dank, Herr Dr. Schlett.
Ich danke auch.
Ich denke, es lohnt sich, ein bisschen sehr achtsam auf dem Klavier
der Möglichkeiten zu spielen, um Schilddrösenpatienten weiter zu helfen.
Dankeschön.
Ich danke auch.
