Mein Name ist Herbert Böh. Ich wurde am 11. März 1928 in Wünschendorf geboren und habe da gelebt. Bis Ende 1947 wurde dann den Soldaten eingezogen und war dann bis zum Kriegsende eben als Soldat nicht an der Front, aber zur Hausbildung.
Ich bin dann in Gefangenschaft gekommen und bin dann 1948 hier nach Ferdinand zu hoch gekommen, den neuen Wohnort unserer vielen Bürger aus Wünschendorf.
Ich bin eben zur Schule gegangen in Wünschendorf, fünf Jahre in die Volksschule und dann hatten wir die Möglichkeit nach Heinersdorf, Jindrichowitze, in die Bürgerschule zu gehen.
Wir mussten eine Aufnahmeprüfung machen und sind dann drei Jahre berichtend in die Bürgerschule nach Heinersdorf nach Jindrichowitze gegangen.
Die Schulzeit war natürlich eine schöne Zeit für uns alle Kinder und nach der Schulzeit ging es nachher gleich los in die Lehre.
Ich wollte mal in die Landwirtschaft, habe Landwirtschaft gelernt bis zu meiner Einberufung zu den Soldaten.
Und die besonderen Erlebnisse in Wünschendorf waren natürlich für uns meistens der Winter, weil ja bei uns fast ein schneesicheres Gebiet war und dann waren wir natürlich mit Schlitten oder Skiern.
Wie es die Zeit erlaubte, nach Hausaufgaben, die wir von der Schule bekommen oder schon zu Hause mit zu helfen, dann ging es eben los und dann wurde eben Schiege fahren oder Rodel gefahren.
Beliebt waren immer die Rodeltouren, die Wünschendorfer Straße runter, die ja immer bergab geht.
Und wenn dann zwei, drei Schlitten hintereinander waren, da kriegten wir einen Tempo drauf von 60 bis 70 Stundenkilometern.
Das war natürlich ein unheimlicher Spaß für uns.
Und im Sommer ging es eben zum Baden.
Da war eben am Lindenhof ein Teich, aber da mussten wir fragen, damit wir die Genehmigung kriegen, da zu baden, weil der ja im Privatbesitz war.
Oder denn unten im Niederdorf, kurz vor der Grenze, hatten wir den Bach angestaut, damit wir da auch sehr gut baden konnten.
Das waren so unsere Erlebnisse, die wir gemeinsam mit den anderen Schulkindern eben erlebt haben.
Es war eine freudige Angelegenheit, alle hofften, dass verschiedene Sachen eben sich bessern würden und es war auch so.
Wir gehörten wieder zu Deutschen und die Arbeitslosigkeit war sofort weg.
Und dadurch hatten vor allen Dingen wir Kinder haben es ja nicht so gespürt, aber die Eltern hatten eben viele Erleichterungen dadurch.
Als 1938 unser Gebiet an Deutschland angegliedert wurde, haben wir zum größten Teil Erleichterungen empfunden
und auch Freude, da sofort die Arbeitslosigkeit beseitigt wurde und die Produkte der Landwirtschaft wieder sofort Absatz fanden.
Und dadurch verbesserte sich eben die Lage wesentlich.
Als die Czechoslovakia gegründet wurde, 1919, dann begann eben sofort die Einbürgerung von tschechischen Beamten
und Personen, die in unser Gebiet kamen, was zu 90% deutsch war und die deutschen Beamten wurden entlassen.
Auch verschiedene Fabriken wurden geschlossen, die Produktionsstätten gingen in die innere Czechoslovakia
und die Leute wurden bei uns arbeitslos.
Aber im Großen und Ganzen war das Leben noch sehr gut erträglich.
Aber mit zunehmender Zeit, in den 30er Jahren, wurden die Gesetze immer strenger.
Zum Beispiel, wir waren ja Grenzort, wir lebten direkt an der Grenze zu Deutschland.
Da konnte man früher hin und her gehen, ging man durchs Zolland und dann war das erledigt.
Aber so ab Mitte 1930 musste jeder einen Bass haben, der die Grenze überschreiten wollte.
Da viele Ehen, wie soll ich mich ausdrücken, zwischen Deutschen aus Böhmen und Deutschen aus Deutschland geschlossen waren.
Mit Unterwahn kamen Frauen aus Deutschland oder Männer. Es waren ja Deutsche, aber aus zwei verschiedenen Ländern.
Dadurch war nach Deutschland eine starke Verbindung zwischen uns, besonders wir als Grenzdorf.
Die weiter reingelebt haben, dann war das nicht so gravierend. Aber für uns war es eben eine Belastung,
dass da strengere Maßnahmen eingeleitet wurden von der tschechischen Regierung.
Aber es war immer noch erträglich. Aber mit zunehmender Zeit, auf das Jahr 1938 zu, wurde das immer strenger.
Dadurch entstanden Missverhältnisse. Alle waren froh, als wir nach Deutschland eingegliedert wurden.
Zum Kriegsende war ich natürlich nicht zu Hause, da ich einberufen wurde zu den Soldaten. Und ich war im Süden von der Tschechoslavagie im Umkreis von Iglau.
Da wurde eine Kompanie neu zusammengestellt. Das hat lange gedauert. Also ich bin nicht mehr zum Fronteinsatz gekommen.
Und das Kriegsende in Wünschendorf habe ich nicht erlebt persönlich.
Aber diese praktisch Angst vor dem Ende, die war natürlich überall vorhanden.
Was wird, dass wir den Krieg verloren verlieren würden? Das war ja 1944 schon abzusehen.
Wie lange es noch dauern würde, konnte keiner sagen. Aber die meisten haben sich schon Gedanken gemacht, was wird, wenn der Krieg zu Ende ist.
Und das hat eben unser Leben damals schon bestimmt.
Also die Aussiedlung aus der Tschechoslavagie habe ich persönlich nicht erlebt. Aber vom Erzählen weiß ich, dass die sogenannte Wildevertreibung bereits im Juni 1945 begann.
Da wurden nach welchen Gesichtspunkten das veranstaltet wurde, weiß ich nicht. Weil es überall anders war.
Aber die ersten, das waren wahrscheinlich Parteigenossen, wurden im Juni 1945 mit einer Handtasche über die Grenze gebracht und wurden ihrem Schicksal überlassen.
Die sind natürlich nachher weitergezogen, weil ja die Grenze, was früher Deutschland war, nachher bolnisch wurde. Und die haben versucht weiterzukommen, um wieder nach Deutschland reinzukommen.
Und die Humanaussiedlung begann 1946. Da wurden zuerst die alten Leute ausgesiedelt. Die kamen meistens nach Bayern runter.
Dann wurden die Industriearbeiter, weil ja viele in Weber rein gearbeitet haben und als Industriearbeiter gewertet wurden, die kamen mit einem Transport nach der russischen Besatzungszone unten bei Zwickau, weil da Industrie, also Textilbetriebe waren, um da wieder, dass sie da wieder Arbeit finden konnten.
Und dann ging es immer so, in Etappen wurden eben die Transporte zusammengestellt. Der erste, der hier hoch nach Mecklenburg kam, der war im Juni 1946 nach Wolgastien.
Denn war hier der große Transport nach Altwapin, wo unsere vielen Wünschendorfer dabei waren, auch meine Eltern. Und hier vom verschiedenen, die noch in Verlinanzhof leben, die Eltern waren dabei.
Und ein Transport ging später noch nach Antlam und einer nach Bützer. Die wurden zuerst nach Friedland in das Aussiedler Lager gebracht. Und da wurden denn die Transporte zusammengestellt und nach Deutschland abgeschoben.
Ja, die Gefühlslage war natürlich deprimierend für die Leute. Sie wussten nicht, wohin es ging und was wird, ob sie wieder zurückkommen dürfen, wusste keiner.
Also es war unwahrscheinlich schwer und viele sind an Heimweh und Depression verstorben, bald nachdem sie die Heimat verlassen mussten.
Besonders die älteren Leute haben da sehr gelitten. Die jüngeren Leute, so wie es heute ist, kommen besser über so was hin. Aber für die alten Menschen war es eben furchtbar.
Ja, die Gefühlslage, um wieder in die Heimat zu kommen, war in den ersten Jahren sehr stark verbreitet. Also jeder hat geglaubt, wir kommen nach fünf, sechs Jahren wieder zurück.
Das ging so bis 1952, 1953, aber dann ließ das schon nach. Viele der älteren Bürger waren bereits verstorben. Die mittlere Generation hat denn nicht mehr dran geglaubt, wieder nach Hause zu kommen.
Und mit der Zeit hat man sich ja auch hier eingelebt und hat versucht, wieder etwas Neues aufzubauen.
Und dann ließ das eben so, 1952, 1953, wurde das schon irgendwie, hat man nicht mehr dran geglaubt, dass man wieder nach Hause kommt.
Aber gerade so die Jahre 1946, 1947, als alles noch durcheinander ging, da haben wir ihm viele geglaubt, na, vielleicht können wir doch wieder nach Hause.
Also ich bin das erste Mal wieder in die Heimat gefahren, 1972. Und der Eindruck war erschreckend und deprimierend.
Es waren ja schon, na, bestimmt 70 Prozent der Häuser nicht mehr vorhanden. Mein Elternhaus war weggerissen, daß der Großeltern war nicht mehr da.
Von meiner Frau das Elternhaus war nicht mehr da. Also der Eindruck war im ersten Moment furchtbar.
Aber nach einer gewissen Zeit hat sich das beruhigt, denn unsere schöne Heimatliche Gegend mit Bergen und Dälern und was alles vorhanden war,
das kam in die Erinnerung zurück und das ist so geblieben. Die konnten einfach nicht ein Berg wegschieben oder irgendeine, zum Beispiel wie den weißen Stein.
Ja, das war eben noch da und das waren eben Erinnerungen, die das andere überdeckt haben und man war froh, dass man das wiedersehen konnte.
Denn wir sind ja aus dem Mittelgebirge in das flache Land hier nach Bommern gekommen.
Das möchte ich noch erwähnen. Das war eine unwahrscheinliche Umstellung überhaupt für unsere Eltern und Großeltern.
Das kann man gar nicht beschreiben. Und wenn man das dann, wie wir wieder nach Hause durften und nach Hause fahren konnten,
als man das dann wieder gesehen hat, dann war die Erinnerung sofort wieder da und das hat das andere, wenn eben die Häuser nicht mehr waren, überdeckt.
Denn wir wussten, wir können nicht mehr dahin und wir wollten denn auch schon nicht mehr zurück.
Wir sind gerne hingefahren in Urlaub und zur Erholung, aber unsere Heimat war denn eben hier Ferdinand Zofen-Bammern geworden.
Ja, ich habe in dem Haus Nr. 108. Das war mein Elternhaus. Da bin ich groß geworden, hab meine Jugendzeit verlebt.
Und als wir das erste Mal eben wieder in die Heimat fahren konnten, 1972, da stand das Haus eben nicht mehr. Es war dem Erdboden gleich gemacht.
Und auch das Elternhaus von meiner Frau, die auch aus Wünschendorf stammte und da geboren wurde, das war auch nicht mehr vorhanden.
Da waren noch ein paar Mauerreste von der Scheune und alles andere war eben abgerissen und dem Erdboden gleich gemacht.
Ach so, meine Frau, das war eben die Nr. 98. Ich weiß nicht, ob Sie da schon ein bisschen Einblick genommen haben, wo das war.
Das war gegenüber von der Schule, am Andernberg drüben. Da war das Elternhaus, die hatten eine Landwirtschaft.
Und da war eben das Elternhaus von meiner Frau. Die waren eben auch hier nach Ferdinand Zofen gekommen und da haben wir uns eben gefunden und geheiratet.
Also, nach der Aussiedlung, da ist der Kontakt bald noch stärker geworden wie zu Hause.
Zum Beispiel hier Ferdinand Zofen. Hier sind von Wünschendorf mehr als 100 Personen hergekommen.
Da war der Zusammenhalt so groß, also bei meinen Schwiegereltern. Da war Sonntag nach Mittag das Zimmer voll.
Alle wollten wissen, hast du vom dem was gehört, vom anderen was gehört, also der Kontakt war riesengroß und alle anderen, auch nach Antlam sind ja etliche Familien gekommen.
Nach Wolgas sind so viele gekommen, nach Graal-Müritz oben sind viele gekommen und überall nach ganz Deutschland.
Und das hat gar nicht lange gedauert, waren überall hin briefliche Verbinderungen.
Und der Zusammenhalt war enorm stark, denn wurden Fotos ausgedauscht.
Wer irgendetwas mitgekriegt hat von zu Hause, was nicht weggenommen wurde, das wurde ausgedauscht und dadurch bin ich auch in den Besitz gekommen von vielen alten Bildern von Wünschendorf.
Durch meine Eltern und auch durch die Schwiegereltern. Das war ja nur das Schöne, dass wir beide eben aus Wünschendorf stammen.
Also dieser Kontakt der war und bis heute noch. Bis heute ist der Zusammenhalt noch riesengroß.
Ich habe bald durch ganz Deutschland Verbindungen und Schreibe oder Telefoniere viel mit ehemaligen Bürgern, die eben aus Wünschendorf.
Ich bin Sare Wünschendorf. Normalerweise müsste ich ja Serbska sagen.
Aber für mich ist es eben und bleibt es Wünschendorf, wenn ich das jetzt hier so mal mit einfügen darf.
Also der Kontakt ist bis heute noch vorhanden und wird fortgeführt.
Das zeigt ja auch, dass wir jedes Jahr eine Busreise in die Heimat veranstalten, wo eben immer noch 18 bis 20 Personen dabei sind, die in Wünschendorf geboren wurden.
Ja, sind natürlich eher Partner dabei, aber auch schon Bürger von hier, die wissen wollen, wo wir hergekommen sind.
Ja, also dieses Verhältnis hat sich hier auch durchgesetzt, dass wir eben auch von den Menschen hier geachtet werden und voll integriert werden.
Also die Aufnahme hier in Ferdinand-Zof war am Anfang natürlich mit großer Skepsis verbunden.
Denn es kam ja nicht nur wir aus dem Sudetenland, aus der Tschechoslavagie hierher.
Hier war ja alles schon voll, voll Flüchtling und Aussiedlern aus Ostbräusen, Hinterbormon, Schlesien.
Ferdinand-Zof hatte zum Beispiel 1939 500 Einwohner und 1946 3000.
Dann können Sie sich vorstellen, in so einen Raum wie hier lebten 5, 6 Personen.
So zusammengepercht musste alles werden, um die Leute unterzukriegen, damit sie ein Dach über den Kopf hatten.
Das hat natürlich auch Reibereien erzeugt und es war manchmal eben, kam es auch zu Streitereien.
Aber das hat sich bald gelegt, weil wir und auch die anderen Flüchtlinge versucht haben, mit den Leuten auszukommen, Verständnis dafür zu haben.
Wir mussten raus, die Nachfolge des verlorenen Krieges.
Man muss sich mal vorstellen, Deutschland war zerbompt und zerschossen, da stand kaum noch ein Haus, ein Stein über dem anderen.
Und Deutschland war ja ein 80 Millionen Volk.
Und da kamen die Ostgebiete von Hinterbormon, Ostbräusen, ganz Schlesien, Sudetenland und viele aus anderen Staaten,
kamen 15 Millionen in das kleine, abgetrennte Deutschland, was kaum Wohnmöglichkeiten hatte.
Es war unvorstellbar, unter welchen Verhältnissen die Menschen gelebt haben.
Nicht nur für die Vertriebenen und Flüchtlinge, auch für die Einheimischen war es schwer, weil sie den eigenen Wohnraum abgeben mussten, um die vielen Menschen unterzubringen.
Das war eben die erste, drei Jahre sehr schlimm.
Aber als nachher, da wurden ja eben wieder, man musste ja wieder arbeiten, man musste sich ja versuchen.
Und da kamen eben aus allen Gegenden Menschen auf einem Arbeitsplatz, sag ich mal, zusammen.
Da waren Ostbräusen, Schlesien, Sudetendeutsche, Einheimische und dadurch hat sich denn das Verhältnis gebessert.
Man merkte, dass die Menschen auch willens sind, zu arbeiten und mit den Einheimischen, mit den hiesigen, mit der hiesigen Bevölkerung auszukommen und auch Freundschaften zu schließen.
Ich bin 1948 aus der Gefangenschaft entlassen worden und habe zuerst sechs Wochen oder acht Wochen, acht Wochen auf einem Gut.
Das liegt so fünf Kilometer von Ferdinand's Hof ab, da werden wir heute Nachmittag hinfahren, eben auf der Landwirtschaft, in der Landwirtschaft gearbeitet.
Und dann habe ich bei einem Gestüt, bei einem Hengstgestüt, das hier in Ferdinand's Hof gegründet wurden, bekam ich Arbeit und habe da vier Jahre als Gestützwetter gearbeitet.
Anschließend, weil das Gestüt aufgelöst wurde, habe ich versucht, hier Arbeit zu bekommen und da war eine Lebensmittelgroßhandlung hier im Ort angesiedelt.
Wir haben den Kreis über Münde mit Lebensmitteln beliefert, die Geschäfte und da war ich sechs Jahre und danach wurde die hiesige Tankstelle frei.
Und da habe ich mich beworben, darum. Die wurde als privat, als eigenständig vergeben. Dazu musste man eine Kaution stellen von 6000 Mark.
Das war für damalige Zeit viel Geld. Ich musste mir Geld bauen, aber ich habe es gewagt und dann hatte ich die Arbeitsstelle vor der Tür.
Und diese Tankstelle habe ich 35 Jahre betrieben bis zu meiner Rente.
Wir werden heute noch da runterfahren und werden sehen, wo sie mal gestandet, die besteht nicht mehr.
Aber ich habe mit meiner Frau und meinem Sohn und zum Teil auch mein Vater, als er Rentner wurde, von morgens bis abends Auto bedanken.
Wir hatten wenig Freizeit. Der Tag war elf, zwölf Stunden lang und Sonnend und Sonntag.
Ich kenne in meinem Leben keinen arbeitsfreien Sonnend. Das war nie möglich für mich.
Und auch sonntags war die Tankstelle immer noch ein paar Stunden geöffnet.
So, zu dem Thema.
Zu der Austreibung möchte ich folgendes sagen.
Als die Czechoslovakie 1918-19 gegründet wurde, hat der Präsident Masaryk versprochen, er will eine zweite Schweiz entstehen lassen.
Ja, nicht bloß Tschechien und Deutsche, auch Slowaken, Polen, Routinen, in dem Staat. Es war ja ein Vielvölkerstaat, wo die da wohnten.
Und das sollte eben nach dem Vorbild der Schweiz, wo ja auch Deutsche, Franzosen und Italiener schon Jahrhunderte zusammenleben und was hervorragend funktioniert.
Das hatte der Präsident Masaryk versprochen. Leider ist das eben nicht so eingetreten und durchgeführt worden.
Es wurde eben von Anfang an durch die Beamtenentlassung, weil ja viele Deutsche, die bei der Post, bei der Bahn und auf den Ämtern saßen, die tschechische Sprache nicht beherrschten.
Man hätte ja den Deutschen drei, vier Jahre Zeit lassen können, um die Sprache zu erlernen und zu beherrschen.
Aber das hat man nicht gemacht. Man hat von Anfang an tschechische Beamten eingesetzt.
Und nur überall ein oder zwei Deutsche, die die tschechische Sprache beherrscht hatten, belassen, wenn eben Kunden kamen, Deutsche, damit die das übersetzen konnten.
Das war meines Erachtens nach schon eben, na, ich will nicht sagen ein Fehler oder ein Verstoß, aber das hätte man anders regeln können.
Und das hat sich eben immer mehr zugespitzt, aber trotzdem war es eben, konnte man leben damit.
Wir konnten unsere deutschen Schulen besuchen. Die deutschen Kinder, es wurden auch tschechische Schulen gebaut, dass dem manchmal bloß sechs, sieben Kinder tschechisch in die Schule ging.
Das sollte ja auch sein, das war ja auch in Ordnung.
Und denn die Aussiedlung, wenn das in normalen Verhältnissen gewesen wäre, dann hätten wir ruhig da bleiben können.
Und denn es war ja auch für den tschechischen Staat ein Verlust. Die Gebiete waren ja menschenleer und sind, na, wie soll ich sagen, eben heruntergewirtschaftet worden.
Was ja bis heute noch eben zu sehen ist, dass da eben nicht viel, weil ja das nicht bewohnt werden konnte, alles überhaupt am Anfang.
Man hat zwar versucht, Zigeuner da anzusiedeln, aber die sind ja nicht geblieben, indem wir wieder weggegangen.
Und dadurch sind eben Häuser auch eingefallen und weggerissen und, na, wie es eben so war.
Und wenn das wäre in guten Verhältnissen weitergeführt worden, dann hätte die deutsche Bevölkerung da ruhig bleiben können.
Oder man hätte erst freistellen können. Wer will auswandern?
Dann wären vielleicht welche weggezogen.
Aber wie gesagt, das hätte müssen von der Regierung, von Oberstelle eingeleitet werden und in vernünftigen Verhältnissen eben gemacht werden.
Dann wäre es auch gegangen.
Es ist meine Meinung. Nur ich urteile so. Andere haben vielleicht eine andere Meinung.
Denn ich möchte noch erwähnen, im September 1938, am 3. September, als die Lage schon angespannt war, hat mein Onkel, also ein Bruder von meinem Vater, geheiratet.
In Wünschendorf, in Numero 81, das war eine große Gaststätte unten an der Grenze, mit Gaststättenbetrieb und Danzsaal.
Da haben wir, ich war ein kleiner Junge, aber war dabei, eine große Hochzeit gefeiert.
Und daneben wurden die tschechischen Beamten, die an der Grenze beschäftigt waren.
Da haben wir eine Bolognese gemacht bis zur Grenze hin. Die haben uns zugewingt und wir haben zurückgewingt.
Also das ging. Es ging. Aber wie Sie eben so ist im Leben, man sieht ja heute, was in der Welt vor allen Dingen in den arabischen Staaten geschieht.
Wenn der Hass irgendwie geschürt wird, nicht bloß von einer Seite, sondern von zwei Seiten. Ja, es gehören immer zwei dazu, wenn sich zwei streiten, nicht.
Und ich möchte sagen, wenn es von Anfang an gut eingeleitet worden wäre, wie es versprochen wurde, dann wäre das ein und drei gegangen.
Denn wir haben ja, wir haben ja mal, die Deutschen haben ja mal die Randgebiete von Böhmen und Meeren besiedelt.
Durch ein Erlass des böhmischen Königs Wenzel und haben 800 Jahre da gelebt.
Und zur Zufriedenheit der meisten gibt immer welche, die nicht zufrieden sind.
Aber die meisten konnten sich was gründen und haben sich was geschafft.
Denn es war ja Urwald, das Land musste ja erst urbar gemacht werden.
Und das haben die Deutschen hervorragend gemacht, Dörfer angelegt, Städte angelegt.
Und das haben auf einige Tschechen da gelebt und da war überhaupt kein Hass und nicht dazwischen.
Aber wie gesagt, wenn der Nationalismus hochkommt und jeder auf sein Recht pocht, dann wird es nichts Gutes.
Das ist meine Ansicht.
Meine Präsenz nach Wünschendorf oder meine Sehnsucht nach Wünschendorf und meine Vorstellung.
Die sind noch sehr gut vorhanden.
Ich habe noch nicht täglich, aber immer in der Woche, ein, zwei Mal oder öfter,
irgendwelche Verbindungen zu ehemaligen Wünschendorfern.
Telefonisch, brieflich, mündlich hier in Ferdinandzow, wenn ich durchs Dorf fahre,
weil ich viel mit Fahrrad fahre und ich treffe welche. Wir wünken uns zu, grüßen uns und meistens wird denn darüber gesprochen,
hast du irgendetwas gehört von diesem oder von jenen oder von irgendwohen Nachricht.
Also diese Präsenz ist nach wie vor vorhanden.
Das sehe ich hier zu Hause bin. Ich habe hier zu der Bevölkerung und zu den Leuten genauso ein gutes Verhältnis
und wenn ich mich mit ehemaligen Arbeitskollegen treffe, die von hier sind, dann wird genauso erzählt
und wird sich erkundigt, wie es geht und also das ist nach wie vor stark vorhanden.
In jeder Richtung sage ich mal.
Ich bin da groß geworden, habe da meine Jugend, meine schöne Jugend verbracht
und sobald man da eben mit einem in Kontakt kommt, dann ist das Gefühl wieder da.
Trotzdem, ich hier zu Hause bin und hier alles akzeptiere und hier mich wohlfühle
und auch hier bleiben möchte und mein Lebensabend beenden möchte.
Aber trotzdem, die Heimat ist immer im Gedächtnis vorhanden
und ich glaube nicht, dass das irgendwie mal weggeht
und zumal eben meine Frau auch von da war, der Sohn sich auch schon mit eingefügt hat
und vieles überwünschen darf und die Geschichte weiß, also wird es wohl so bleiben bis an mein Lebensende.
Aber wie gesagt, ich bin hier zu Hause und möchte hier auch nicht mehr weg.
