Schweizer Medien meldeten in der vergangenen Woche, dass der Schweizer Bundesrat in Betracht
zieht, die Entwicklungszusammenarbeit mit Eritrea wieder aufzunehmen.
Die meisten Flüchtlinge in der Schweiz, wie übrigens auch hier in Deutschland, stammen
aus Eritrea.
Gemäß dem Bundesrat werde sich daran so lange nichts ändern, wie sich die politische, wirtschaftliche
und menschenrechtliche Situation in Eritrea nicht verbessere.
Der Bundesrat erinnerte dabei an den Bericht eines UN-Untersuchungsausschusses für Menschenrechte
am 8. August 2016, laut dem Sklaverei, Folter, außergerichtliche Hinrichtungen, das Verschwinden
von Menschen und Diskriminierungen in Eritrea an der Tagesordnung seien.
Bereits vor einem Jahr hatte der UN-Untersuchungsausschuss in einem ersten Bericht dieselben schweren
Vorwürfe gegen die Eritreische Regierung erhoben.
Diesen Bericht werde allerdings von Eritrea kennen, wie auch Eritreern selbst heftig
widersprochen.
Nach der Veröffentlichung des ersten Berichtes demonstrierten z. B. am 22. Juni 2015 in Gämpf
über 1.000 Eritreer aus ganz Europa gegen die Anschuldigungen des UN-Untersuchungsausschusses.
Sie forderten die Rücknahme der Wirtschaftssanktionen gegen ihr Land und auf Transparenten wahrzulesen.
Respektiert Eritrea-Souveränität oder stoppt Eritrea zu demonisieren.
Auch wachen Bilder des Eritreischen Präsidenten Affe Werkey mit Treuebekundungen wie, wir
sind er, er ist wir zu sehen.
Doch die UNO hatte für die Anliegen der protestierenden Eritrea kein Gehör.
Wie übrigens auch die Leitmedie nicht, denn am Tag nach der Großdemo berichtete keine
einzige Schweizer Tageszeitung darüber.
Der deutsche freien Journalist und Buchautor Martin Zimmermann und der Honorarkonsul Eritreas
in der Schweiz Toni Locher, die seit Jahrzehnten regelmäßig Eritrea besuchen, gaben im Juli
2015 eine Schrift heraus mit dem Titel, Lasst uns in Frieden leben, für Gerechtigkeit, Aufhebung
der UN-Sanktionen und ein Ende der Diffamierungskampagne gegen Eritrea.
Darin wird aufgezeigt, wie politische Machtinteressen unter dem Deckmandel der Menschenrechte
am Beispiel des UN-Untersuchungsberichtes betrieben werden.
Denn die Kommissionsmitglieder seien weder unabhängig, noch unparteiisch oder objektiv.
Den deutlichsten Beweis dafür lieferte Kommissionsmitglied Sheila Kisawas, die früher Mitarbeiterin
von Amnesty International war.
Die Beziehungen von Amnesty International zu Eritrea sind nachhaltig gestört, seit
Kisawas 2006 des Landes verwiesen wurde.
Die Problematik dieser Beziehung kommt eindeutig in einer von Amnesty International 2011 durchgesiggerten
Kurzmitteilung zum Ausdruck.
Darin sollen die Mitarbeiter in benachbarten afrikanischen Hauptstädten, darunter auch
Sheila Kisawas, angewiesen worden sein, in Eritrea für einen Regimewechsel wie in anderen
afrikanischen und arabischen Ländern wie Tunesien, Ägypten, Libyen, Syrien, Jemen und Baraen
zu sorgen.
Seit Eritrea 1993 unabhängig wurde, ist laut DEMO ein Entwicklungsprogramm UNDP folgendes
zu verzeichnen.
Die Kindersterblichkeit sank um zwei Drittel und die Sterblichkeitsrate von Frauen bei
der Geburt um 78 Prozent.
Malaria ging um über 85 Prozent zurück und die Zahl der tuberkulose Toten hat in hat
20 Jahren um 61 Prozent abgenommen.
Die Lebenserwartung stieg seit Eritreas Unabhängigkeit von 48 auf 63 Jahre.
Heute verhungert niemand mehr in Eritrea.
Hatte 1991 nur jeder 14. Einwohner Zugang zu sauberem Wasser, sind es heute knapp 80
Prozent der Bevölkerung.
Die Koordinatorin des UN-Entwicklungsprogramms UNDP, Christine N. Umutoni, bezeichnet ihr
in die Entwicklung Eritreas als Vorbild für Afrika.
Sie lobte vor allem die Fortschritte in der Gesundheitsversorgung.
Das Land, so Umutoni, könne Afrika und dem Rest der Welt Lektionen erteilen.
Dieser Vorbild-Charakter erklärt nebst geschichtlichen Fakten, am ehesten weshalb sich Eritrea zwischen
Krieg und Frieden befindet.
Eritrea war nämlich eine Kolonie.
Zuerst der Osmanen, nach 1890 der Italiener und ab 1941 der Briten.
Bei der Endkolonialisierung Anfang der 1960er Jahre wollten die Vereinten Nationen dem kleinen
Staat aber nicht die ersehnte Unabhängigkeit gewähren, sondern unterstellten ihn der Schirmherrschaft
Ethiopiens.
Nachdem Eritrea seine Eigenstaatlichkeit 1993 durch Befreiungskriege erkämpfte, ging es
in Eritrea fünf Jahre wirtschaftlich bergauf.
Bis 1998 ein Grenzkrieg zwischen Eritrea und Äthiopien, ausgelöst durch äthiopische
Truppen, ausbrach.
Laudge Menege Prep, Vorsitzender der Eritreischen Regierungspartei, hatten auch in diesem Konflikt
die USA die Finger im Spiel.
Damit hatte Eritrea zwar keine idealen Voraussetzungen für eine blühende und friedliche Zukunft,
doch ist es interessant, wie die Eritreische Regierung diese Herausforderung meisterte.
Um das Land aufzubauen und gegenüber dem Nachbarn Äthiopien wehrhaft zu machen, hatte
die Regierung 1994 einen nationalen Dienst, das ist ein allgemeiner Militär- und Arbeitsdienst
in Verwaltung, Infrastruktur und Gesundheitswesen eingeführt.
Dieser nationale Dienst ist zwar schlecht bezahlt und wird von vielen Flüchtlingen als Hauptgrund
ihrer Flucht angegeben, hat aber große Erfolge für das Volk als Ganzes, wie der UNDP hervorhob.
Durch diese Gegenüberstellung der zwei gegensätzlichen Berichte von UN-Organisationen ergibt sich
ein anderes Bild der Lage in Eritrea.
Darum ist es wichtig, sich immer auch die Gegenseite anzuhören.
