Naidoo Böhmermann, künstlerische Freiheit für jeden?
Die gesellschaftspolitischen Inhalte, die Sevilla, Naidoo und die Söhne Mannheims in ihrem neuen
Lied Marionetten äußern, empörte die deutsche Medienlandschaft. Das Lied stellt in Frage,
ob unsere gewählten Politiker auch tatsächlich ihrer Pflicht nachkommen und die Interessen
und Bedürfnisse des Volkes vertreten. In den Medienberichten wurden aus dem Songtext einzelne
Fragmente oder Satzteile teilweise aus dem Kontext gerissen, bewertet, gedeutet und heftig
kritisiert äußerte der Sänger Sevilla Naidoo in seiner Stellungnahme in einem Facebook-Kommentar
zu den Vorwürfen. Aufgrund der im Lied verwendeten Begriffe wie Marionetten,
Steigbügelhalter oder Volksverräter wurde ihm eine antisemitische und nationalistische
Einstellung vorgeworfen. Dass derartige Vorwürfe der Realität nicht standhalten,
hat Klagemauer TV in der Sendung Sevilla Naidoo mediale Empörungswelle völlig unglaubwürdig
bereits dargelegt. Ein weiteres negatives Medienecho auf das Lied Marionetten erfolgte durch die
bitterböse Naidoo-Parodie des TV-Satirikers Jan Böhmermann. Diese wurde in seiner Sendung
Neo-Magazin Royal auf ZDF Neo ausgestrahlt und kommentierte die Anschuldigungen gegen
Sevilla Naidoo auf äußerst fragwürdige Art und Weise. Titel der Sendung Vox und Sky präsentieren
die Huren Söhne Mannheims mit ihrem neuen, nicht antisemitischen A-Hit-Album Death to Israel.
Aus Söhne Mannheims machte Böhmermann kurzerhand Huren Söhne Mannheims und aus dem neuen Album
Mannheim wurde Death to Israel. Im Gesangsteil schlüpfte Böhmermann in die Rolle von Sevilla
Naidoo und tauschte Textpassagen bekannter Lieder des Sängers in radikal veränderter Form aus,
wie auf dem deutschen Internetportal Web.de zu lesen ist. Mit den abgeänderten Texten erscheint
Naidoo in einer rassistischen rechtspopulistischen Ecke und als Verschwörungstheoretiker. So
liegt Böhmermann in seiner satirischen Nachahmung Naidoo Worte in den Mund, die dieser so gar nie
gesagt hat, wie zum Beispiel, der Jud ist schuldig, steht zu 100 Prozent fest, ich sag nur,
Rothschild schaut mal ins Netz. Oder dann spielt Böhmermann auf Naidoo's Aussage im ARD-Morgen-Magazin
aus dem Jahr 2011 an, dass Deutschland gar nicht frei sei, sondern, Zitat, wir sind immer noch ein
besetztes Land. Bei Böhmermann lautet es dann, dieses Land ist keine Republik, dieses Land ist
eine GmbH und spielt damit auf die Reichsbürger an. Um jedoch festzustellen, dass sich bis heute
zahlreiche militärische Stützpunkte von ausländischen Streitkräften und um die 40.000
ausländische Soldaten in Deutschland befinden, braucht man noch lange kein Reichsbürger zu sein.
Oder dann heißt es bei Böhmermann, es fliegen über euch her 20.000 Chemtrails über dem Meer,
während es bei Naidoo im Original überhaupt nicht um Chemtrails ging, sondern um 20.000
Meilen in einem ganz anderen Zusammenhang. Schlussendlich zitiert Jan Böhmermann zudem
noch fiktiv Adolf Hitler mit den Worten. Ich bin ja kein Nazi, aber ich finde die
Platte echt stark. Böhmermann schafft es, das Lied Marionetten mit Gedankengut in Verbindung zu
bringen, wie es mit dem Lied nie beabsichtigt war. So sagte Sänger Henning Wehland, der Söhne
Mannheims, wörtlich. Ich verstehe das Lied als Appell zum Nachdenken darüber,
dass Politik oft missbraucht wird. Und da wollen wir mit zugegeben überzeichneten Worten aufrufen,
etwas dagegen zu tun. Das Lied ist kein Aufruf zur Gewalt, es ist ein Aufruf zum Dialog.
Vergleicht man die politischen Äußerungen von Jan Böhmermann mit denen von Xavier Naidoo so
wird deutlich, dass etablierte Medien und Parteien Kunstfreiheit unterschiedlich bewerten. Die Söhne
Mannheims werden für ihre politkritischen Äußerungen in ihrem Lied Marionetten massiv
kritisiert. Jan Böhmermann dagegen kommt mit seiner Parodie, in der er mit verleumderischen
Begriffen nur so um sich wirft und alles undifferenziert in einen Topf schmeißt ungeschworen davon.
Einmal mehr zeigt sich, wie die etablierten Medien und Parteien mit künstlerischen Darstellungen
unterschiedlich umgehen. Eine Medienlandschaft, die sich demokratische Grundrechte und Vielfalt
auf die Fahne schreibt, scheint es hier vorrangig darum zu gehen, die Person Xavier Naidoo als
Verschwörungstheoretiker oder gar als Antisemit abzuschämpeln und so wirkungsvoll von seiner Kritik
abzulenken. Sehen Sie zu dieser Thematik auch unsere Sendungen Todesfalle Satire sowie Justiz
begründet politisches Urteil mit der Kunstfreiheit, zu finden unter den eingegebenen Linkadressen.
presentation Sadistika
