Wir machen das ja Diskussiv heute. Es ist nicht wirklich ein klassischer Vortrag, sondern wir stellen uns
gegenseitig ein paar Fragen und werden versuchen, die zu beantworten. Und die erste Frage an dich Michi
ist, was ist eigentlich eine offene Gesellschaft? Das ist ja einer der Teile in unserem Titel. Der heißt,
was ist eine offene Gesellschaft, eine freie Gesellschaft und ich glaube, das ist was ganz
Wichtiges zu klären, was das für uns eigentlich bedeutet, wenn wir sagen eine offene Gesellschaft und
für mich ist eine offene Gesellschaft eine Gesellschaft, die allen die Möglichkeit bietet,
am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Und dafür sind für mich drei Dinge wesentlich und das ist
eines der Zugang zu Informationen und zu Wissen, die da sind in dieser Gesellschaft zum gesellschaftlichen
Diskurs. Das zweite ist ein Recht auf Gestaltung des eigenen Lebensraums, also dass ich das Recht habe,
mein Umfeld mittel und unmittelbar mitzubestimmen. Und das dritte ist die Kollaboration mit anderen.
Das ist für mich ein wesentlicher Teil dabei, dass wir nicht uns als Individuen begreifen und uns
als Menschen begreifen, die ihr Interesse der Engel durchsetzen müssen, sondern dass wir uns als
Gemeinschaft begreifen, die zusammen das bestmögliche Leben erreichen will. Das ist mal ganz, ganz kurz
gesagt für mich die offene Gesellschaft, jetzt ist auch die freie Gesellschaft im Titel. Tom, was
ist denn für dich die freie Gesellschaft? Ist eine gute Frage. Wenn man sich mal näher definiert,
so was ist eigentlich Freiheit, was ist eine freie Gesellschaft, das ist ein bisschen so wie
Pornografie. Man weiß es, wenn man sieht, vor allem die nicht freie Gesellschaft. Ich denke da,
vor allem an Russland zur Zeit, wegen einer Gesetze, die wir erlassen haben, eben dieses
Gesetz um homosexuelle Propaganda, was mir weniger verbietet, dass man sich outet. Oder die Geschichte
mit Pussy Riot, dass die Freiheit der Kunst so weit eingeschränkt wird, dass eine Performance
in einer Kirche nicht mehr möglich ist, gleichzeitig dann aber auch, dass die einer der Pussy Riot
Aktivistinnen, die inzwischen in Sibirien sitzt, dann trotzdem darüber schreiben kann, wie es ihr
geht in diesem Lager. Und sie kann immer noch ihre Geschichte erzählen. Da ist auch der russische
Staat ein Stückchen freier geworden, als er das vielleicht noch zur Zeit des Kommunismus war.
Und wenn wir es versuchen zu extrahieren, dann würde ich sagen, dass Freiheit und eine freie
Gesellschaft sehr viel mit der Freiheit des Einzelnen zu tun hat. Der Freiheit mitzugestalten in
einer Demokratie, sich selbst auszuleben. Eine Meinungs- und Informationsfreiheit, eine Pressefreiheit.
Es ist aber auch nicht nur die Freiheit für etwas, sondern auch die Freiheit von etwas,
nämlich von Repression, von Überwachung, von all diesen Systemen, die es heutzutage gibt und die
Leute auch angewendet werden, um Menschen einzuschüchtern. Dazu noch mehr. Für uns ist die
Freiheit aber auch, was ja konkret ist, nämlich die europäische Grundrechte-Charta. Generell sind
Grundrechte ein sehr guter Benchmark für die Freiheit an sich, dieses Set an Regeln, dass wir
uns gegeben haben, das eigentlich noch über den Gesetzen stehen sollte, dass alles, was in einem
Staat passiert und auch die Mächtigen eigentlich zur Verantwortung ziehen sollte und zu einem gewissen
Grundkonsens des Miteinamens. Daran kann man die Freiheiten auch wieder da am besten ausmachen,
wo sie gebrochen werden. Und diese Grundrechte, um die es da geht, die sind uns nicht geschenkt
worden, sondern die sind erkämpft. Und dieses Erkämpfen, das müssen wir leider immer wieder
machen. Es ist nicht so, dass dieser Kampf irgendwann einmal gewonnen ist, sondern man muss immer
wieder die Linie vom Neuen ziehen. Und gerade im Digitalen sehen wir heute, dass diese Linie
ganz, ganz oft wieder übertreten wird und neu gezogen werden muss. Im Digitalen werden
auf einmal Dinge wieder möglich, die im Analogen schon längst verpönt sind. Skurrilitäten, wie das
ja so ähnlich wäre, wie wenn wir jedes Klassenzimmer sensieren würden, weil die Kinder ja Urheberrechtsverletzungen
mit ihren Collagen an der Wand begehen könnten. Nichts anderes passiert heutzutage im Internet,
unter Facebook. Wenn wir uns vorstellen, es gibt im Straßenverkehr eine neue Regelung, die sagt,
okay, die Firmen können sich für ihre Lkw seiner Überholspur kaufen. Und da müssen alle anderen
Rechtsanfahren, wenn das wichtige Firmenauto kommt. Das ist die Diskussion um Netzneutralität. Oder
wenn wir uns vorstellen würden, dass der Start auf die Idee kommt, überall Kameras aufzustellen,
an jeder Straßenkreuzung, in jedem Zimmer, in jedem Schlafzimmer. Genau das haben wir zur Zeit mit
dieser massiven Überwachungsmaschinerie, mit dem sind wir heute konfrontiert. Ich glaube,
für eine lebendige Demokratie braucht es diese Grundrechte und da ist wirklich die Freiheit
noch so der Gedanke, auf den man schauen muss. Und nachdem Demokratie immer mehr im Netz passieren
wird, müssen wir insbesondere dort unser Augenwerk hinlegen. Aber Michi, wieso reden wir eigentlich
die ganze Zeit von diesem Open Everything? Das habe ich noch nicht ganz verstanden. Was kann
das eigentlich nicht wirklich verändern? Ich glaube, eine der Gründe, warum wir von Dingen
öffnen reden oder von Open Everything reden, ist, dass wir gesehen haben in den letzten 10,
15 Jahren, dass gewisse Dinge, die mit diesen Ideen gemacht werden sind und auf die komme ich
jetzt noch gleich zu sprechen, sehr erfolgreich waren. Und dazu zählt zum Beispiel Open Source
Software, also Software, die kollaborativ erstellt wird oder Projekte, die Wissen offen miteinander
teilen und kollaborativ Dinge erschaffen, wie zum Beispiel die Wikipedia, die glaube ich,
fast jeder da kennt, die darüber eigentlich kommerzielle Enzyklopädien überflüssig gemacht
hat, in einer Art und Weise, oder in einer Art und Weise Wissen zugänglich gemacht hat,
die das vor nicht da waren. Und zum anderen ist Open ein sehr schönes, sehr schönes Buswriting,
wo jeder in ungefähr ein wahges Bild hat, was denn das eigentlich heißt, aber niemand so
genau weiß, was denn das heißt, wenn ich sage Open something, dann klingt es ganz gut, wenn ich
als Schuhhersteller meine Schuhe dann Open Sneakers nennen, weil das ist ein grundsätzlich
positives Wort. Aber was meinen wir eigentlich, wenn wir Open sagen, wir bearbeiten ja beide
bei der Open Knowledge Foundation, das klingt ja auch ganz gut, mal so offenes Wissen. Was heißt
eigentlich Open in diesem Bereich? Da gibt es zum Glück ein schönes, so ein neues Dokument,
das am Anfang entstanden ist, nämlich die Open Definition, also die Definition davon,
was Open ist. Und die sagt, dass Open ist etwas, an dem ich drei grundsätzliche Rechte habe. Und
zwar ist es das Recht, darauf zuzugreifen und das zu benutzen. Es ist das Recht und die Freiheit
dieses Dingen in meinen Bedürfnissen anzupassen. Und zu guter Letzt ist es das Recht, die Ergebnisse
von meinem Anpass und die Ergebnisse von dem, was ich zu mit diesem Ding, mit anderen frei zu
teilen ohne Einschränkungen oder das auch zu verkaufen. Und es gibt ein paar große Bereiche,
in denen dieses Offenheitskonzept sehr bekannt ist. Open Source Software habe ich schon angesprochen
und dazu gibt es später was eleviert, ich glaube, morgen. Das ist Software, wo der Quellcode, also
das, was die Software eigentlich ausmacht, frei geteilt wird. Und jeder schauen kann,
wie funktioniert in dieses Programm. Jeder, der ein Problem hat damit, wie das funktioniert und
genug Programmieren kann, kann sagen, okay, ja, ich hätte gern, dass das anders funktioniert. Ich
baue mir einfach diese Änderung ein und dann zu guter Letztes Letzte rechnen, ich kann diese
Änderung mit anderen Teilen und ich kann sagen, schaut, ich habe diese Software so verändert,
das funktioniert besser für mich. Wenn ihr wollt, benutzt das doch auch. Und wenn zum Beispiel die
Hauptentwickler in diesem Projekt in eine ganz andere Richtung gehen, kann ich immer sagen,
okay, ich nehme jetzt einfach das und mache meine Version zu einer ganz, ganz anderen Version,
die ganz andere Dinge tun. Das passiert immer wieder öfter in der Open Source Bewegung,
dass sich Projekte teilen, weil gewisse Leute das Gefühl haben, es wäre doch schöner, unsere
Software schaut so aus und funktioniert so und andere Leute das Gefühl haben, wir hätten gern
was anderes. Das heißt, das ist, was das sehr auf den eigenes Maß zugeschnitten werden kann. Dann
gibt es den Bereich von Open Data, der gerade im Moment weltweit sehr populär ist und boomt,
was darum geht, dass Daten, die Organisationen oder Staaten frei zur Verfügung stehen sollen, so
was wie zum Beispiel der Fahrplan der öffentlichen Verkehrsmittel, so was wie Daten darüber,
wie das Budget sich ausschaut und das Budget zusammengesetzt hat. Daten, die die Verwaltung
hat generell, eine Verwaltung hat eigentlich relativ viel Daten, aus der wir ableiten können,
wie unsere Gesellschaft funktioniert. Und dann geht das noch eine Spur weiter in die Richtung
von Open Government, also in die Richtung von offenen Regierungen. Was dann geht, dass Regierende
transparenter werden, dass Prozesse transparenter werden, dass mehr Partizipationsmöglichkeiten
entstehen usw. Und bei dem Ganzen darf man eigentlich nicht außer Acht lassen, dass, gerade
wenn wir von Open Data reden, dass die Tatsache von, ich stelle da jetzt Daten auf eine Website,
also ich, anstatt dass ich das irgendwo auf meinem Serverspeicher ganz, wo nur die Beamten
dazukommen, mache ich das jetzt öffentlich zugänglich für allen, dass das nicht der
Schritt ist, der uns eigentlich sehr viel bringt. Das ist, das ist der erste Schritt, den wir gehen
müssen. Was da nämlich das Problem ist, dass man Transparenz nichts nutzt, wenn da nur Zahlen
irgendwo rumstehen, sondern erst was nutzt, wenn das zu Informationen und zu Wissen gemacht wird.
Das heißt, wir müssen anfangen, als Gesellschaft diese Informationen, also diese Daten, die da sind,
in Informationen zu verwandeln. Also wir müssen uns das vorstellen, die Daten sind eigentlich die
Zutaten zu, die Grundlagen davor, irgendwie Informationen zu schaffen. Wir schaffen erst
der Information aus, wenn wir das im Kontext setzen, wenn wir das mit anderen Daten verbinden,
wenn wir das mit Geschichten verbinden. Und dann müssen wir den Schritt schaffen und aus diesen
Informationen auch Aktionen zu machen. Wir müssen uns schaffen, diese Informationen benutzen zu
können aus Gesellschaft, Geschichten darüber zu erzählen und dann wirklich die Tatsache,
dass da Daten zur Verfügung sind, da zu benutzen, zu kontrollieren, was denn passiert. Und konkrete
Ergebnisse gibt es da in Bereichen, zum Beispiel der Transparenz, da gibt es ein schönes Beispiel
aus England, wo die Abhörenden des Parlaments ihre Spesenabrechnungen hergeben mussten frei und
der Guardian hat dann gesagt, das sind so viele Daten, da kommen wir allein nicht drüber mit dem
Journalisten. Liebe Leserinnen und Leser, helft es uns doch dabei und schaut es da mal rein und schaut
zu, wie das Interessante ist. Und das sind ganz interessante Geschichten daraus entstanden,
wie zum Beispiel das gewisse Abgeordnete sehr viel mehr Reisekosten verlangt haben oder Reisekosten
Abrechnungen eingegeben haben. Als andere, die in ähnlichen Bezirken wohnen oder ähnlich weit weg
von London wohnen, sind sie öfter hin und her gefahren. Haben die vielleicht sich enttäuscht,
dass das erste Klasse Zugticket geleistet, während die anderen alle zweite Klasse gefahren sind
und so weiter. Das sind ganz interessante Fragen. Oder auch, dass eine Abgeordnete sich sehr stark
gemacht hat für Gerechtigkeit und in der Gesellschaft und dann für viel Geld, die ein paar
das geschmissen hat, für politische Freunde und so die Geschichten sind da ausgekommen. Das hat dann
in den Umkehrern das Verhalten von den Abgeordneten geändert, weil die wussten wir mal. Es schaut da
jemand drauf, wie ich das Geld vom Staat verwende, dass er eigentlich unser Geld ist, als Bürgerinnen
und Bürger auch. Das andere ist, ich habe schon die Wikipedia erwähnt, also entstehen von Services,
die kollaborativ entstehen oder auch so Sachen wie öffentliche Verkehrsmittel. Wien hat das ja
kürzlich gemacht, die Verkehrsdaten oder die Echtzeitdaten der Wiener Linien frei als Open Data
zu veröffentlichen. Ich glaube, gerade ist da noch ein bisschen hinterher, da müssen wir den Prozess
nochmal antreten. Das hilft aber auch, dass ich dann auf einmal als Bürgerin in einer Stadt sehr
viel schneller unterwegs sein kann. Ich habe natürlich einen App auf meinem Smartphone,
das vielleicht besser funktioniert, dass es offizielle App, das das schon gibt. Das mir sagt
dann, wenn du dorthin willst, fahr so und so. Und wir reden da immer sehr viel von Daten und dass
das Interessant ist, dass sehr viele Menschen mit Daten eigentlich oft andere Dinge verbinden. Also
wenn ich anfange von Open Data zu reden und von Datens reden, denken viele Leute immer zuerst so
an Google und dass da meine E-Mails gespeichert werden und was ich such gespeichert werde und
das Open Data dann heißt, dass alle irgendwie Zugriff haben darauf, was sich denn so im Internet
tun, was ich denn so privat zu. Und das ist meine nächste Frage in Dicht haben. Gibt es ein Ende
von Open Data? Also endet das irgendwo? Gibt es eine Beschränkung? Gibt es, wenn der Open Data
konsequent eingesetzt wird, noch Privatsphäre? Ich muss es geben. Also Open Data und das Öffnen
von Daten, das muss dort enden, wo unsere Privatsphäre beginnt. Und vielleicht ist es ratsam,
gerade heute in diesen Tagen noch mal Privatsphäre und Datenschutz zu definieren, was das eigentlich
heißt. Und Privatsphäre, meine Privatsphäre auch Privatsphäre, das ist der intimste Bereich eines
jeden Menschen. Das ist der Punkt, wo wir mit uns selbst sind, wo wir unsere innersten Entscheidungen
treffen, wo wir wirklich auf die Welt blicken und bei uns selbst sind. Das ist auch der Bereich,
in dem wir nur sehr kontrolliert nach unserem eigenen Willen leutig hineinlassen. Das ist auch
wieder als anthropologisch schön zu vergleichen. Diese Grenze zwischen öffentlich und privat ist
sehr kulturspezifisch. Ab wann ich jemanden in mein Haus oder meiner Hütte lasse? Gleichzeitig
ist es ein Universalismus, dass es so eine Grenze gibt. Also überall wird sie gezogen. Aber in jeder
Kontur und oft zwischen zwei Menschen wird sie unterschiedlich gezogen. Ab wann ich jemanden
jetzt etwas über mein Privatleben, mein Sexleben, über meine Probleme erzähle? Das ist eine
Entscheidung, die wir als Menschen selbst treffen können, die auch etwas mit unserer Würde als
Menschen zu tun hat. Ohne diese Privatsphäre wäre die Würde des Menschen auch nicht machbar. Das
Problem, das wir jetzt heute haben, wieso diese eigentlich alten Konzepte jetzt wieder relevant
werden ist, dass diese universelle Kopierbarkeit von Daten, die wir in der digitalen Welt haben,
die hat wunderschöne Vorteile, weil wir auf einmal fast ohne Kosten uns alle Informationen dieser
Welt beschaffen können, miteinander kollaborativ neue Dinge schaffen können. Aber dieselbe universelle
Kopierbarkeit ist auch in Sachen Datenschutz der Untergang von der normalen Privatsphäre. Davor
musste die Stase noch Akten anlegen und genau schauen, was haben wir jetzt über diese eine
Person, da musste sich das jemand anschauen und vielleicht einer Verdacht daraus konstruieren.
Heutzutage haben wir Cluster von der NSA in Uta, ein Datencenter, wo einfach jede Sekunde
durchgerechnet werden kann und wie verdächtig ist jetzt diese eine Person. Das ist dieser
Quantensprung, der da passiert ist. Aber vielleicht um das wieder runterzubrechen auf das klassische
Beispiel, die Daten, die wir alle Tag für Tag hergeben, Facebook, dieser gefüllte Freundeskreis,
dieses gefüllte, wir sind unter uns und mit den Menschen, die uns nahe sind und versuchen da mal
einfach nur über gestern Nacht zu reden. Wir haben in diesem System immer das Problem, dass wir
schon per Default, ohne dass wir irgendwas tun können, eigentlich betrogen werden von diesen
Systemen und der Freundeskreis eben gerade nicht das Umfeld ist, in dem wir uns bewegen, sondern wir
erzählen diese Dinge jemanden, der sie zu Geld macht, dessen Geschäftsmodell es ist,
die Daten zu verwerten und zu verkaufen. Das sind aber nicht nur die Daten, die über uns, die
wir selbst hergeben, sondern auch die Daten, die unbewusst anfallen. Das ist fast die Mehrzahl
davon. Jedes Mal, wenn euer Telefon sich mit dem Internet verbindet oder angerufen wird, entstehen
Verbindungsdaten. Das ist das, was bei der Vorratsdaten-Speicherung gespeichert wird. Da kann
man fast nichts dagegen tun und trotzdem liefert es ein irrsinnig umfällentliches Bild über einem
Menschen. Und dieses Frühjahr gab es dann eine wunderschöne Studie aus Cambridge, wo man mal
ablesen kann, was eigentlich möglich ist mit solchen Metadaten. Die haben sich einfach nur von 56.000
Menschen die Facebook-Likes angeschaut und allein aus diesen Facebook-Likes konnten sie nicht nur
herauslesen, welche politische Einstellung dieser Mensch hat, sondern auch welche sexuelle Orientierung,
teilweise auch noch bevor diese Leute das Selbsttusten. Und auch so wirklich erschreckende
Dinge wie, waren die Eltern dieser Person vor dem 21. Lebensjahr geschieden? Mit statistischer
Relevanz konnte man über diese Frage Aussagen treffen. Allein aus diesen Daten. Das sind jetzt
nur die Facebook-Likes. Da ist noch nicht in dieser Korrelation ein bisschen Verbindungsdaten und
sonstige Meldedaten dazu gemischt, weil damit wäre wahrscheinlich erschreckenderweise noch viel
mehr möglich. Das ist das große Thema Profiling und Persönlichkeitsprofilbildung. Wie kennen
das? Wenn wir heute eine Versicherung abschließen, dann berechnet sich unsere Prämie zu großen
Teilen schon aus solchen Profilings. Wenn wir heute einen Fahrrad kaufen gehen und das mit
Ratenzahlung machen wollen, dann gibt der Verkäufer unsere Daten ein und zieht dort dann ein grünes
oder ein rotes Licht. Grünes Licht heißt, ja, geht okay, Ratenzahlung ist genehmigt. Rotes Licht
heißt, nein, keine Ratenzahlung. Die Person ist nicht kreditwürdig. Das ist alles, was der Verkäufer
sehen kann und diese Kreditwürdigkeitsfirma, die diese Auskunft erstellt, kann man vielleicht
mit einer Datenschutzauskunft da hingehen und schauen, was die übereinheit wissen, aber der
meisten Fällen hat man da recht wenig Handhabe. Hier werden das Grundbild dahinter ist immer, es werden
Entscheidungen über Menschen getroffen, ohne dass irgendwo noch ein Mensch involviert ist,
sondern eigentlich sind das Algorithmen, die zusehends die Entscheidung überbekommen. Denke
ans Arbeitsmarkt-Service in Österreich ist das glaube ich noch nicht der Fall, aber in Deutschland
kennen wir solche Fälle, dass es dann die Software der Betreuerin oder des Betreuers ist, die entscheidet,
ob diese Person noch Fortbildungskurse bezahlt bekommt oder ein Hartz IV geschickt wird. Das erinnert
so an diesen Satz aus dem Snowcrasher, dass das wahrhaft böse eigentlich das Menschen, das
Urteilen über Menschen ohne jede Menschlichkeit ist. Und wir sind halt heute an dieser spannenden
Schnittmenge, wo diese Personalisierung von allem, dieses Leute, die dieses Buch gekauft haben,
haben vielleicht auch dieses Buch gekauft. Das könnte sie interessieren, wo diese Dinge,
dieser Personalisierung immer mehr zur Diskriminierung werden kann, wenn man auf der falschen Seite des
Schrewellenwertes steht. So viel mal zum Datenschutz, aber wir reden ja da zum Glück drüber wegen
Prism. Und das ist ja in den USA. Wie ist das eigentlich in Europa? Ich glaube zum ersten Mal,
dass wir sagen müssen, dass Prism, also die Tatsache, dass das bekannt wurde, dass das Geheimprogramme
gibt, den solchen Umfahrungsaufkommunikationsdaten zugreifen. Was ist das dabei geholfen hat? Die
Debatte über diesen Zugriff und diese Debatte über solche Techniken aufzubringen. Und was
ich ganz interessant gefunden habe, vor allem am Anfang, die ersten Dinge, die von Prism bekannt
wurden, waren Dinge wie zum Beispiel das Verbindungsdaten von E-Mails, Verbindungsdaten von Telefongesprächen
aufgezeichnet werden in der USA und auch vom Rest der Welt, sofern das irgendwie mit den USA
zu tun hat. Und da gab es auf einmal eine Riesenaufregung rundum. Und ich habe mir gedacht, das ist doch
irgendwie seltsam, weil die USA hat das als Geheimprogramm machen müssen. In Europa haben wir
dazu die Vorratsdatenspeicherrichtlinie. Das heißt, bei uns muss das kein Geheimdienst machen hinter
verschlossenen Türen. Bei uns hat das irgendwann mal die europäische Kommission und später das
Parlament beschlossen. Das müssen jetzt alle Mitgliedstaaten eigentlich tun und das müssen
die Verweiderspeichen und die Polizei darf dann unter bestimmten Gründen darauf zugreifen. Aber auch
europäische Geheimdienste wie zum Beispiel das britische Government Communications Headquarter,
ich verwende eigentlich ungern das Abkürzel, da verspreche ich mich immer. Das heißt GCHQ,
also Government Communications Headquarter. Die Leute, die in den 40er Jahren daran beteiligt waren,
die Verschlüsselung der deutschen Armee zu knacken, die haben auch ähnlich Programm beim
Laufen. Selbst in Europa, wir schauen immer gerne auf die USA als Europäer und fühlen uns gut und
schimpfen ein bisschen über die USA, weil das sind ja eh die Bösen. Aber in Europa machen das
Geheimdienste genauso wie der GCHQ. Die haben ein Programm, das heißt dann halt nicht Prism,
das heißt Temporar, tut im Wesentlichen das Gleiche und hört unter anderem auch die Telefonanlagen
vom Europäischen Parlament ab und die E-Mail-Kommunikation vom Europäischen Parlament. Das heißt,
wir haben zum einen die Tatsache, dass das europäische Dienste genauso tun und zum anderen haben
wir die Tatsache, dass wir das gar nicht als Geheimdienst machen müssen, sondern wir haben
der offizielle Richtlinie und ich denke, das sind drei Richtlinien, die ich irgendwie exemplare
schnelle und will dir erst einmal angesprochen, die Vorratsartenspeicherungsrichtlinie. Die
wurde 2006 beschlossen als Maßnahme gegen den Terrorismus und organisierte Kriminalität,
wurde uns das verkauft und so wird in unter der Vorratsartenspeicherungsrichtlinie mindestens
sechs Monate lang gespeichert, wen ich angerufen habe, wen ich Textnachrichten geschickt habe von
einem Handy, also wenn ich SMS geschickt habe, wo ich war und wann ich das getan habe und wenn ich
E-Mail schreibe und auch darauf gespeichert, wer mich E-Mail schreibe und wer mir E-Mail schreibe und
wann und daraus kann wunderbar soziale Netze gespannt werden. Das Interessante war, als wir
angefangen haben diese Kampagnen gegen die Vorratsartenspeicherung zu machen, wurden gerade
über Schulen geliegt, von Wikileaks, die an Regierungen gingen, also das waren von einer
Überwachungskonferenz, das mal irgendjemand hingefahren, also die ganzen Werbematerialien
der Firmen mitgenommen, die dort sitzen. Da gab es einige Broschüre, die haben halt Services
verkauft, um Vorratsartenspeicherung zu machen und die haben das dann an die Regierungen verkauft
mit den Worten, das ist ein wunderbares Werkzeug, um Strukturen und Mitglieder von oppositionellen
Gruppen ausfindig zu machen. Klingt doch schon ganz anders, das ist auch wunderschön, klingt
ganz anders als, das ist um euch von den bösen Terroristen zu schützen. Das heißt, das wurde
mal unterschiedlich kommuniziert und zum anderen, so ein tiefer Eingriff in unsere
Grundrechte auf Kommunikation, weil ich auf einmal gespeichert wird, wenn ich mit meiner
Psychiatrin, wenn ich meinen Anwalt kontaktiere oder meine Ärztin, das kommt auf einmal da
alles da rein, oder Journalistinnen, die mit Quellen kommunizieren, da gab es schon Fälle
dazu in Polen, wo die Vorstatten dazu verwendet wurden, wenn die was um Gutes geschrieben
haben, die Quellen ausfindig zu machen und dann die Quellen zu bestrafen. Und ich glaube,
das ist ein Riesengefahr. Das zweite Abkommen, das im Moment im Gang ist und wo es erst gestern
Debatten dazu gab im Europäischen Parlament wieder, ist ein Abkommen zur Weitergabe der
Bankdaten, also von Banktransaktionsdaten. Da geht es nicht um, wer hat wie viel Geld
auf dem Konto, sondern von welchem Fronten wird wie viel Geld wohin überwiesen im internationalen
Ausland. Das SWIFT Abkommen, ich glaube, das heißt TFTP ist das offizielle Kürzel, also
Abkommen zur Übermittlung von Finanzdaten, von der Europäischen Union an die USA und
in diesem Abkommen geht es darum, Finanzierung von Terrorismus ausfindig zu machen. Aber
das, was halt Bankdaten so sagen, ist einiges und da gab es vor kurzem den interessanten
Fall in Österreich, dass Mitarbeiterinnen vom AMS, also vom Arbeitsmarktservice, die Überzugsrehemmen
gestrichen wurden bei den Banken automatisch, beim für die Software, der kriegt Geld vom
AMS, der ist wahrscheinlich arbeitslos oder die. Und wenn die arbeitslos sind, dann sollten
die nicht so viel Geld ausgeben können, Geld, das sie uns vielleicht nicht mit zurückzieht und
zack überfüllte Zugrahmen weg. Dass die Software nicht in der Scheibenkranz fischen, dass es eine
Angestellte vom AMS oder ein Angestellte vom AMS und dass es wirklich jemand, der arbeitslos ist,
das war ein kleiner Seiteneffekt. Aber genau solche Dinge, solche Dinge sieht man
aus solchen Transaktionsdaten. Das heißt, es geht sehr tief in unsere, auch in unsere
Selbstverständnissen. Es gibt wenige Menschen in Österreich, die haben diese Kultur nicht,
dass wir darüber reden, wie viel wir verdienen, wie viel wir wo einnehmen. Das darf dann maximal
die Finanz sehen, wenn sie mal bei uns vor der Hausdeutsche steht und mal anläutern und sagt,
wir wollen da mal reinschauen. Also das geht schon sehr weit. Und dann zu guter Letzt ein
Abkommen, das noch in Verhandlung ist, das sich jetzt ein bisschen zum Glück herausgezogen hat,
das ist das Flugerstartenabkommen, das Department of Homeland Security in der USA ein Programm,
dass sie anschauen von Leuten, die halt in der Welt zu herumfliegen, wo fliegen die
denn hin und wie oft fliegen die und sind das irgendwelche Muster, die normal sind oder
sind das Menschen, die eventuell sich so verhalten, wie sich Verdächtige verhalten und umsetzen,
wir die dann gleich automatisch auf eine Liste sagen, die dürfen einfach nicht mehr einreisen.
Und die Europäische Union wollte das Gleiche haben, dem sich gedacht, das ist eine gute Idee,
machen wir eine Richtlinie dazu, wie wir das halt in Europa machen. Wir machen kein Geheimprogramm,
wir machen eine Richtlinie, wir machen diese Flugerstartenrichtlinie und das Flugerstartenrichtlinie
ging es halt darum, dass dann wirklich alles gespeichert wird, wer wohin fliegt. Und ich glaube,
die Dauer war dann nicht da angegeben, aber wir wollen nochmal Zugriff drauf und schauen zu können,
wo Leute hinfliegen. Und ganz interessant war die Begründung, was sie machen wollen mit diesen
Daten, weil das war die erste Richtlinie, wo drinnen gestanden ist, diese Daten dienen
zu Identifikation von bisher unbekannten Verdächtigen. Und das ist genau ein Punkt, der uns irgendwie,
oder mich hellhörig gemacht hat. Was heißt das, die Identifikation von unbekannten Verdächtigen?
Das ist was ganz Ähnliches, wie du vorbeschrieben hast, mit der Kreditprüfung oder die Daten
eingegeben werden an dem Computer, sagt dann grutzlich, grünes Licht. Nur ist das halt,
wir nehmen diese Datenmengen, um zu sagen, mit einem statistischen Vorgang, um zu sagen,
zu können, der Mensch fliegt anders als der Rest der Bevölkerung. Und gerade Menschen wie
mich, ich bin immer mal relativ viel unterwegs, es zahlen relativ viel verschiedene Menschen,
meine Flugtickets. Ich fliege ordentlich dorthin zurück, wo ich herkomme, fliege kreuz und quer,
komme dann immer wieder mal in einen gleichen Ort zurück, bin für kurze Zeit irgendwo ab selten
Gepäck mit, das ist was, das keinem normalen Muskel entspricht. Das heißt, Menschen wie ich
oder Menschen, die sich irgendwie ein bisschen anders verhalten, die fallen dann auf einmal raus
und auf einmal sagt dann in einem Programm, dieser Mensch, der ist verdächtig. Schaut's
da mal genauer drauf, also er, dieser Mensch ist verdächtig. Schaut's da mal genauer drauf,
schaut's mal genau, was der so treibt. Vielleicht das nächste Mal, wenn der fliegt, nehmt's ihn auf
die Seite und fragt es einmal, Entschuldigung, kannst du mir das erklären. Und das ist genau
das Problem, das wir haben bei solchen statistischen Prozessen, Statistik ist immer Wahrscheinlichkeit.
Und auch wenn das, wenn man zum Beispiel mit statistischer Relevanz sagen kann, ob die Eltern
von dem 21. Lebensjahr geschieden waren oder nicht, die Wahrscheinlichkeit ist nur, dass unter 5%
der falsch liegt. Dass 56.000 Menschen in der Studie untersucht werden, wenn das 5% sind,
können wir uns ausrechnen, wie viele Menschen da in die Gruppe, der vor 21 Jahren geschieden
gereiht worden sind, wo die Eltern das nicht waren. Und das wird noch schlimmer, wenn wir
zum Beispiel nach, wie dort die Begründung ist, nach Kriminellen suchen, der kleinste Teil der
Bevölkerung ist Kriminell. Also das ist ein verschwindenden kleiner Teil. Das heißt aber,
wenn wir da eine Wahrscheinlichkeit berechnen und eine Statistik drüberlaufen lassen,
über die gesamte Bevölkerung, ob die jetzt verdächtig sind, da fallt da raus,
mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wird dann der Menschen identifiziert. Also wenn das 5%
sind, werden dann von 105 auf die Seite genommen. Von 100 ist aber vielleicht nur einer, wirklich
ein Krimineller, nicht einmal einer. Ich glaube, es ist eher so, dass das von 10.000 einer ist. Also
es ist ein verschwindenden kleiner Teil davon. Das heißt, wir identifizieren vor allem sehr
viel Unschuldige, die dann, wie die Anne-Rotas gestern erzählt hat, unter Überwachung gesetzt
werden und mit den stärksten Maßnahmen überwachtern, weil die könnten gefährlich sein. Und das bringt
mich eigentlich zu meiner nächsten Frage an dich. Wenn man mit dem Übereimenschen redet,
sagen sehr viele Menschen, aber ich tue doch nix, dass irgendwie so wichtig ist. Man
kann es eh gern schauen, aber ich tue ja nix, dass irgendwie auffällig wäre. Das ist ja
eigentlich nicht das Problem dabei, oder? Das ist eigentlich das Problem mit dieser
flächendeckenden, verdachtsunabhängigen Überwachung. Ja, also das generelle Problem mit Überwachung
ist an der Stelle einfach, dass wir unser Verhalten ändern, wenn wir wissen, dass jemand zuschaut.
Das ist das sogenannte Chilling-Effekt. Wir kennen das, wir sitzen mit Freunden gemütlich
zusammen und auf einmal zieht jemand eine Kamera heraus und macht ein Video. Das wird
die Situation ändern. Es wird ändern, was wir im nächsten Moment uns noch zu sagen trauen,
oder vielleicht auch, wie wir uns geben als Mensch mit unserem Gistus. Und diese Tatsache,
dass jemand zuschaut, wenn das in die Köpfe der Menschen kommt, wenn man sich diese Überwachung
bewusst macht und dann auch wirklich anfängt, das eigene Verhalten daran anzupassen, um
diesem unbekannten Dritten, der jetzt gerade zuschaut, eben nicht aufzufallen und nicht
verdächtig zu wirken. Dann haben sie zum Teil eigentlich schon gewonnen, die Überwacher,
weil wir dann eben selbst anfangen, uns zu kontrollieren. Da gibt es ein schönes Beispiel
aus der Architektur, das Panoptikum. Das ist ein Konstrukt, das in Kuba auch wirklich mal
gebaut wurde. Das ist ein Gefängnis mit einem Turm in der Mitte. Und aus diesem Turm, in
dem die Wachen dieses Gefängnisses sind, kann man in jede einzelne Zelle in diesem Gebäude
hineinschauen. Und dadurch ist keiner dieser Häftlinge zu keinem einzigen Zeitpunkt oder
zu keinem einzigen Nische in seiner Zelle unbeobachtet. Und der große neoliberale Vorteil davon
ist, dass man sehr viel Personal ansparen kann, weil die Wahrscheinlichkeit von Gefängnisseaufständen
und von generell Upprises an der Stelle geringer sind, weil die Leute einfach auch sich selbst
kontrollieren. Allein dieses Bewusstsein darüber, dass jemand zuschaut, hat schon einen normativen
kontrollierenden Effekt. Und wenn man das Ganze dann skaliert, dann wird das Ganze irgendwann
nochmal sehr gefährlich für die Demokratie. Also wir hatten ja dieses berühmte Beispiel
mit dem Guardian einer Zeitung in England, die ganz viel über diese Prism-Geschichten
mit etwas Snowden berichtet hat und wo irgendwann auch mal der Geheimnis reingegangen ist und
deren Festlappen mit diesen Snowden-Daten zerstören ließ. Das heißt, die haben da
wirklich zugeschaut, wie der Löcher reingebohrt wurden, Ramm rausgerissen wurde und dieser
Computer physikalisch zerstört wurden. Nicht, dass es da nicht schon noch Backups gegeben
hätte. Das war allen klar, dass diese Daten jetzt nicht weg sind. Man hat das aus einem
anderen Grund gemacht. Man hat es nämlich darum gemacht, um denen zu sagen, wir schauen
auf euch auf die Finger. Und das mit der Pressefreiheit, ja, das hat Grenzen. Das ist das
selbe Bild. Wir haben diese Freiheit in unserer Äußerung. Ich meine, gerade die Medien sind
als eine Macht im Staat irrsinnig zentral für eine Diskurs in einer Demokratie. Und ein Angriff
auf diesen Fourth Estates, dem muss man einfach auch so werten, dass das was da ist. Nämlich
diese Frage, die wir uns dann stellen müssen, leben wir eigentlich noch in einer freien
Gesellschaft und die Antwort ist zu sehen, nein. Wir finden uns heute schon in immer mehr
Datenbanken als potenzielle Käufer mit unseren Vorteilskarten von BIPA, Bilder, Merke oder
sonst wem. Wir finden uns als potenzielle Wähler, jetzt gerade bei der Wahl gab es ja
auch wieder mal sehr viel Big Data und Parteien verwenden das, um herauszufinden, wie sie sich
jetzt geben müssen, um uns zu überzeugen, also eigentlich nicht uns, sondern eher die Mehrheit.
Ich glaube, das kann man schon sagen, wenn wir hier sind auf so einer Veranstaltung, sind
wir nicht die Mehrheit in diesem Staat. Und auch zuletzt als potenzielle Straftäter finden
wir uns in diesen Datenbanken. Weil über so gut wie jeden von uns, zumindest jeder, der
schon mal in ein Flugzeug gestiegen ist, wird zu einer Überprüfung angestellt. Wie verdächtig
sind wir als Menschen? Und das hat heutzutage einfach einen Umfang erreichen, eine Universalität,
weil es so leicht geworden ist und so billig, dass wir, glaube ich, jetzt erst wirklich am
Anfang stehen davon zu begreifen, was das heißt. Ich glaube auch genau deswegen sind
wir hier auf dem Elevator, um uns mit diesen Fragen zu beschäftigen. Und vielleicht auch noch so
zuletzt, ich mache es kurz, damit wir in der Zeit bleiben für Okto, diese Idee von, wir konstruieren
uns einen Verdacht. Wie hat sich eigentlich die Ermittlungstätigkeit geändert von damals auf
heute? Früher war das so, man kommt zu einem Tatort, da ist eine Bank ausgeraubt worden,
dann schaut man mal, wer war in der Gegend? Wer hat wegen gesehen? Wir befragen mal alle Leute dort.
Heute geht man her und holt sich eine Auskunft aus den Vorratsdaten und schaut mal bei einem
Internet-Handy-Provider nach, wer war zu dem Zeitpunkt? Ungefähr dort, in der Funkzelle von
dem Tatort. Dann wissen wir mal, welche Telefone, noch nicht welche Menschen, waren dort. Da ist
auch schon mal die Gefahr, vielleicht war mein Telefon dort, aber ich nicht. Vielleicht war ich
irgendwie drei Reise weiter, aber das war irgendwie noch die Funkzelle von diesem Tatort. Da gibt es
schon wieder Interpretationen. Daten müssen immer interpretiert werden. Daten haben was inherent,
noch nicht aussagekräftiges. Daten sind noch keine Informationen, dazu muss man sie erst interpretieren.
Und wo wir aber leider heute sind, in der Verbrechensbekämpfung, in der Kriminalistik ist,
vor allem bei diesen großen Datenbanken wie SWIFT oder PNR, dass man nicht mehr hergeht und auf
ein konkretes Delikt schaut, das passiert ist, sondern dass man präventiv versucht Verbrechen
zu bekämpfen und dass man das dann so macht, dass man sich anschaut, wie kommunizieren bekannte
Terroristen. Was ist das Bewegungsprofil von jemandem, der bald eine Straftat begehen wird? Was sind
die Muster dahinter? Und wo finde ich diese Muster sonst noch? Wer verhält sich ähnlich? Wer kommuniziert
ähnlich? Wer kennt vielleicht die selben Leute? Wer hat so ehrliche Muster? Und na, dann muss ich
mir die Leute mal gleich näher anschauen. Das heißt, die haben wir keine Kausalität mehr,
dass wir hergehen und sagen, hier sind Verbrechen, wo ist der Täter? Sondern Korrelation. Was ist
verdächtiges Verhalten und wo finde ich das vielleicht sonst noch? So, soweit zu Dystopie.
Große Frage, wie kommen wir hier wieder raus? Das ist eine gute Frage und ich würde Sie gern
beantworten, aber ich weiß die Antwort nicht. Ich weiß nur etwas. Wir schaffen das und wir schaffen
das gemeinsam. Das heißt, wir brauchen jede einzelne, jeden einzelnen in diesem Diskurs, um Ideen
einzubringen, um Meinungen einzubringen, um die Fragen, die wir als Bevölkerung beantworten müssen,
beantworten. Aber das ist jetzt mal ganz schön einfach dahingesagt. Ich glaube, es sind einige Punkte
mir sehr wichtig, die ich noch erwähnen will. Das erste ist, das erzählt, wie sich Verhalten
ändert, wenn wir wissen, dass wir überwacht werden. Wir wissen jetzt, dass wir überwacht werden. Und
ich glaube, das ist eines der allerwichtigsten Dinge für mich ist, wir dürfen unser Verhalt nicht
ändern. Wenn wir anfangen, uns selbst zu sensieren, wenn wir anfangen, Dinge nicht mehr zu sagen,
die gesagt werden müssen, dann haben die Überwacher gewonnen. Dann haben wir als Gesellschaft keine
Chance mehr, die Gesellschaft nach unseren Vorstellungen gestalten zu können. Das andere ist
etwas, das eigentlich sehr deutlich geworden ist in den Beispielen, die wir aufgezählt haben. Das ist
ein Machtumgleichgewicht, das besteht. Informationen, also Daten und Informationen und Wissen,
ist sehr gern, wird ja gern mit Macht gleichgesetzt. Wenn wir uns denken, was für ein Ungleichgewicht an
Informationen es gibt von staatlichen Organisationen, von Konzernen und von Informationen, die wir
überstaaten und Konzerne haben, dann ist ein massives Ungleichgewicht in Macht. Das heißt,
der Staat weiß alles über mich. Ich bin transparent und der Staat schaut aber selbst, dass er so
geheim wie möglich ergeben kann. Das sieht man auch bei der Aufregung von der Angela Merkel heute,
gestern und heute in der frühen Medien, darüber, dass ihre Textnachrichten, ihre SMS gelesen werden
und gespeichert werden. Bei uns war das noch relativ wurscht, das hat sie nicht interessiert. Das heißt,
die Staaten werden immer geheimer, große Organisationen werden immer geheimer und die
Bürger wird versucht, immer transparenter zu machen, weil die könnten ja was Gefährliches tun.
Und ich glaube, da muss man drei Dinge tun, oder wir können drei Dinge tun, die mir einfallen,
so ad hoc, um diese Situation zu verbessern. Das eine ist ein guter Datenschutz, ein guter
Personenschutz, wie das Jack Applebaum so schon gesagt hat gestern, Datenschutz ist Personenschutz,
ein guter Schutz der persönlichen Informationen über den Bürger. Und in Europa sind wir in der
glücklichen Lage, dass wir Datenschutz-Gesetze haben. Wir müssen diese Datenschutz-Gesetze nur
greifend machen und bindend machen. Im Moment gilt das überall als, das ist ja zwar schon lieb
und pflaffig, aber beißen tut es nicht. Wir müssen schauen, dass diese Gesetze durchgesetzt werden
und dass diese Gesetze hart durchgesetzt werden. Das heißt, dass weniger Information von uns beim
Staat landet, dass weniger Information von uns der Konzern landet und missbraucht werden kann.
Das Zweite ist, das Spiel ein bisschen umzudrehen und da kommt die offene Gesellschaft und die Idee
von offenen Regierungen rein, nämlich Staaten transparenter zu machen, Organisationen transparenter
zu machen, Funktionsweisen wie Gesetze entstehen, transparenter zu machen und aufzuzeigen, wie
Entscheidungen gefällt werden in einem Staat und wo sie gefällt werden und wie der Staat denn
eigentlich mit seiner Aufgabe zurechtkommt, nämlich unser Leben und unsere Gesellschaft zu
gestalten. Und das Dritte ist, wir müssen als Bürgerinnen und Bürger uns wieder als der
souverän begreifen, das steht bei uns ganz am Anfang in der Verfassung, wir müssen anfangen,
diese Informationen, die da rauskommen zu benutzen, um den Staat und die Gesetzgebenden, die Rechtsprechenden
besser zu kontrollieren und besser zu schauen, was passiert da. Und dazu müssen wir uns der ganzen
Technologie aneignen, die eigentlich auch da ist. Wir beide sind, haben uns kennengelernt, als wir die
Kampagnen gegen die Vorwärtsdatenspeicherung gemacht haben und wir haben mit Zeichnemieter-TNE
Beginnitiative gemacht, die sehr erfolgreich waren, über 100.000 Unterschriften. Der einzige Grund,
warum wir das tun konnten mit einer kleinen Gruppe von vier, fünf Menschen, die wir da wirklich im
Kern waren, war, weil wir gut mit Technologie umgehen konnten. Wir konnten die moderne Kommunikationstechnologie
ausnutzen, um unsere Geschichte zu erzählen, unser Thema den Menschen nahezubringen. Und ich glaube,
das ist was ganz Wichtiges, dass wir da als Menschen wieder aktiv werden müssen,
wieder unsere Rolle als Bürgerinnen annehmen und nicht uns als bluse Wählerinnen oder Konsumentinnen
zu sehen und sagen, okay, ich kann zwar irgendwie was anderes kaufen, aber ändert das wirklich was.
Und damit eigentlich zu einem nächsten Punkt, und zwar reden wir relativ viel über Technologie,
auch weil wir seit beides ja Technologieffin sind. Und wir haben aber heute auch relativ viel über
Wertvorstellungen und über Ideen, wie privatsphäre geredet und persönliche Bisse, wie wir uns die
Welt vorstellen. Wie ändert denn Technologie die Wertvorstellung, die wir haben? Und anders gesagt,
gibt es auch die Möglichkeit, dass die Wertvorstellungen, die wir haben, die Technologie ändert?
Ja, das ist das Spannende an unserer Zeit gerade. Und das ist auch der Grund,
wieso wir Netzpolitik machen oder man überhaupt Netzpolitik macht als trockenes technisches Feld,
weil das so spannende Fragen sind, die jetzt gerade ausverhandelt werden. Wir haben jetzt gerade den
gesellschaftlichen Diskurs darüber, wie wir mit dieser Technik umgehen. Inzwischen ist das
Internet nicht mehr so neu und es sind auch alle überzeugt, dass es nicht mehr weggehen wird und auf
unsere Handys verzichten wollen wir auch nicht mehr. Das heißt, wir müssen mit der Technik irgendwie
umgehen und auch mit all ihren Konsequenzen. Wir können es nicht mehr zurücklehnen und so zu tun,
als wäre das etwas, das auch wieder weggehen wird oder wo sich dramatisch viel neu ändern wird,
weil ich glaube langsam es ist absehbar in welche Richtung es geht, mit welchen Potenzialen wir
da konfrontiert sind. Und das versucht eigentlich, Netzpolitik zu machen, diese Ausverhandlung,
diesen Diskurs zu führen. Und das ist eben ein inherent politisches Thema, wo es eigentlich auch
politische Entscheidungen und Diskurse bräuchte. In Österreich passiert das minimal fast homopathisch
studiert. Auf EU-Ebene ist das inzwischen mit einem eigenen Kommissariat und ganz vielen
Agenten in fast allen Ausschüssen des Parlaments ständig Thema. Und dieser Diskurs passiert,
egal ob wir da mitmischen oder nicht, aber irgendwann einmal in 15 Jahren haben wir die
Entscheidungen getroffen, wie wir mit dieser Technik umgehen werden. Da ist es klar, wie die Regelung
ist zur Privatsphäre, zum Urheberrecht, zur Netzneutralität. Solange wird das alles nicht
bedauern. Und deswegen ist es eben jetzt gerade die spannende Zeit, dass wir so wie in Rom damals
vielleicht entscheiden dürfen alle auf die Straßen dieses tolle Dinge, was wir da entfunden haben,
oder nur eine kleine Klasse der Leute ist, das nur fürs Militär. Und was wir halt im Moment
ziehen, ist, dass diese Debatte eigentlich nicht geführt wird. Und deswegen passiert es etwas,
dass ich gerne als Verantwortungstiffusion bezeichne. Auf politischer Ebene werden viele
Entscheidungen nicht getroffen. Die Firmen kümmern sich auch nicht wirklich darum, da große Regelungen
zu finden oder einen Ausgleich dienen geht es nur um den Profit. Die sind auch nicht böse,
die sind nur Kapitalisten. Und damit diffundiert die Verantwortung so nach unten zum einzelnen
Konsumenten. Das wir uns dann entscheiden müssen gut, verwende ich jetzt Gmail, dass es gratis,
das funktioniert gut und da zahle ich halt mit meinen Daten, das kann ich ignorieren und dann
habe ich ein Supermail Service und zahle halt nix dafür oder gehe ich zu einem anderen Provider,
vielleicht einem kleinen nationalen E-Mail Provider, wo ich Geld zahlen muss, wo aber in den Allgemeinen
Geschäftsbedingungen meine Grundrechte nicht so stark verletzt werden und ich nicht mit meinen
Daten, sondern mit meinem Geld bezahle. Und das ist halt ein Teil des Problems, dass wir die
Verantwortung, weil sie oben nicht gelöst wird, in der Wirtschaft nicht gelöst wird, dann bei dem
einzelnen Konsumenten versuchen zu lösen. Und wir kennen das von irgendwo her, dass es ähnlich
wie in der Lebensmittelfrage und dem ganzen Bio-Produkte waren. Dass wir dann uns selber fragen
können, nehmen wir das CLEVER oder das ja natürlich Logo. Und da sind wir heute eben an einem Punkt,
wo wir uns auch fragen müssen, wollen wir, dass das Einkommen darüber entscheidet,
welchen Datenschutz ich als Mensch habe. Weil gerade die Einkommensschwachenschichten werden
in diesem Regime auch von den Algorithmen am ersten als schlecht zahler potenzielle Straftäter
oder uninteressante Wähler angeordnet. Wir müssen uns aber auch so ein bisschen als IT-Community
selber an der Nase packen und auch grundsätzlich mal diese Experimentierphase der IT beenden.
Es geht langsam darum, dass wir Technik bauen, hardware und Software bauen, die den Datenschutz
mehr respektiert und die vor allem auch wenigstens allen Konsumenten-Tools an die Hand gibt,
wenigstens zu wissen, was da los ist. Also, dass wir zum Beispiel auf unseren Telefonen,
kleine LEDs haben, die uns sagen, wenn das Mikrofon an ist oder die Kamera an ist,
dass wir vielleicht noch nicht verstehen, was jetzt genau passiert, aber wir können anfangen,
Fragen zu stellen. Wir brauchen neue Tools zur digitalen Selbstverteidigung, weil wenn das
alles eine Blackbox bleibt in der Cloud, dann haben wir ein Problem. Dann haben wir auf lange
sich dann wirklich großes Problem. Es wurde ja schon gesagt von europäischen Politikern,
dass Daten das neue Öl sein werden. Und wenn Daten das neue Öl werden, dann müssen wir nur da
schauen, wie das zwei, dreimal zu Tage gehandhabt wird. Dann wissen wir, dass es riesige
Naturkatastrophen geben wird, wie Deepwater Horizons, wo einfach mal die Kreditkartendaten von allen
Sony-Kunden öffentlich im Netz stehen. Und ich warte nur darauf auf irgendeinen Google-Fokusschimmer,
wenn wirklich mal das, was die NSA war, für alle bekannt wird. Tom Scott hat da schon eine
Vision gezeichnet. Ich fand diese lustig, aber das war schon auch irgendwie noch eine optimistische
Szenario, das er gezeichnet hat. Und zuletzt will ich noch auf einen Punkt eingehen. Und zwar,
dass es noch mal viel mehr eigentlich bei uns selbst anfängt, ob wir diese Überwachung brauchen
oder nicht. Es hat nämlich sehr viel mit dem Menschenbild zu tun. Irgendwann der Beiner NSA
oder GCHQ arbeitet, der hat das Menschenbild, die Demokratie, ein sehr schützenswertes Gutes,
dass wir um jeden Preis behalten und beschützen müssen. Und Domständen auch beschützen vor den
Menschen, vor den Menschen, die schon eine Tendenz dazu haben, auch immer wieder was Blödes,
was Böses zu tun und die dieser Demokratie gefährden. Und deswegen schützt der Staat sich
vor seinen Bürgern. Und wir müssen mal potenziell allen Misstrauen, um die Möglichkeit zu haben,
den Staat vor jeder Gefahr, die auch noch so unbekannt sein kann, der Unknowns Unknowns,
da draußen zu beschützen. Und das ist halt eben, meiner Meinung nach, das falsche Bild,
weil der Staat sich eigentlich nicht, der Bürger sich nicht vor dem Staat schützen sollte,
sondern der Staat vor seinem Bürgern. Und wir es souverän an der Stelle auch die Macht haben
sollten, Nein zu sagen zu gewissen Programmen oder dafür, wir heute stehen eher mal Transparenz
zu fordern und auch Accountability, dass die Leute, die diese Dinge tun, auch zu Verantwortung gezogen werden.
