Am 11. März machte folgende Meldung der Nachrichtenagentur Associated Press kurz AP die Runde.
Der britische UN-Nothilfe-Koordinator Steven O'Brien schlage Alarm.
In vier Ländern könnten insgesamt 20 Millionen Menschen verhungern.
O'Brien hatte kurz zuvor die Krisengebiete im Jemen, im Süd Sudan und in Somalia sowie in Nigeria besucht
und sich ein Bild von der Lage gemacht.
Alle vier Länder haben eine Sache gemeinsam, den Konflikt.
Menschen werden schlicht und einfach den Hunger totsterben, sagte er am Freitag, den im Sicherheitsrat vertretenen Diplomaten.
Für den Nothilfe-Koordinator sei ein kritischer Punkt in der Geschichte der Vereinten Nation erreicht, wie aus einer Unumitteilung hervorgeht.
Die Vereinten Nationen seien mit der größten humanitären Katastrophe seit ihrer Gründung konfrontiert.
O'Brien sagte wörtlich, die Lage für die Menschen in diesen Ländern ist schrecklich und ohne eine große internationale Reaktion wird sie noch schlimmer.
Benötigt würden bis im Juli 4,4 Milliarden Dollar, sagte O'Brien vor dem UNOSicherheitsrat.
Darauf läuft es also hinaus.
Benötigt werden 4,4 Milliarden Dollar für die Schlussendlich der Steuerzahler aufzukommen hat.
Doch warum stellt sich weder die UNO noch eine einzige der westlichen Massenmedien die Frage, auf was diese größte humanitäre Katastrophe seit 1945 zurückzuführen ist?
Denn am fehlenden Geld dürfte es sicher nicht liegen.
Listeten doch dieselben Leitmedien noch am 16. Januar die Namen der acht reichsten Männer der Welt auf.
Diese hätten im Jahr 2016 zusammen 426 Milliarden US-Dollar besessen.
Mehr als die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung und hundertmal so viel wie laut O'Brien benötigt wird.
Da es angesichts dieser horrenden Geldanhäufungen ganz sicher nicht am fehlenden Geld liegen kann,
woran liegt es dann, dass in der heutigen technisch hochentwickelten Welt solche humanitären Katastrophen überhaupt noch möglich sind?
Einer, der sich mit den politischen sowie wirtschaftlichen Ursachen der Verarmung von Millionen von Menschen beschäftigt, ist der deutsche Finanzexperte Ernst Wolff.
Wolff studierte in den USA und arbeitete unter anderem als freiberuflicher Journalist, Däumischer und Autor.
In seinem im September 2014 erschienenen Buch Weltmacht-IWF-Kronik eines Raubzugs deckt er die Geschichte des internationalen Währungsfonds kurz IWF auf.
Darin legt Wolff da, wie die Politik des IWF auf der einen Seite die Förderung von Hunger, Armut, Seuchen und Kriegen zur Folge hat
und auf der anderen Seite die Begünstigung einer winzigen Gruppe von Ultrarreichen, deren Vermögen derzeit ins unermessliche wächst, wie beispielsweise bei den bereits erwähnten acht ultrarreichen Männern.
In einem Interview mit dem serbischen Magazin Geopolitiker spricht Wolff über die wichtigsten Inhalte seines Buches.
Das Interview erschien bereits am 7. April 2015 auf Deutsch, ist aber angesichts der größten humanitären Katastrophe aktueller denn je.
Wolff erklärt quasi das einmal eins der Finanzindustrie, indem er die wichtigsten Eckpfeiler der IWF-Programme wie Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung auf einfacher Art erläutert.
Wolff zeigt auf, wie viele afrikanische Staaten, die sich früher mit Nahrungsmitteln selbst versorgt haben, von internationalen Nahrungsmittelkonzernen abhängig gemacht wurden.
Wie der IWF als Kriegsbegleiter in verschiedenen Ländern tätig war und Konflikte begünstigte oder sogar verursachte.
Wie der IWF von Anfang an das Ziel hatte, neben der wirtschaftlichen und militärischen auch die finanzielle Weltherrschaft der USA zu sichern.
Der IWF sei der verlängerte Arm der Wall Street und des weißen Hauses, so Wolff.
Sehen Sie nun zum Selbststudium und zum Weiterverbreiten das Interview, das das Magazin Geopolitiker mit Ernst Wolff führte und die wesentlichsten Ursachen der größten humanitären Hungerkatastrophe erklärt.
Sehr geehrter Herr Wolff, nach Angaben des IWF wurde diese Organisation zur Errichtung und Stärkung eines gesunden globalen Währungssystems gegründet.
Zur Stabilisierung von Wechselkursen, zur Kreditvergabe, zur Überwachung der Geldpolitik sowie zur technischen Hilfe.
Hat der IWF überhaupt eine Aufgabe erfüllt oder war das vorgegebene Ziel im Voraus im Dienste der großen Interessen?
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die USA die wirtschaftlich und militärisch stärkste Macht der Erde.
Allerdings produzierten sie mehr Wahlen, als sie verbrauchen konnten. Deshalb mussten sie sich neue Märkte schaffen.
Aus diesem Grund beriefen sie 1944 die Konferenz von Bretton-Wutz ein.
Dort legten sie ein globales Währungssystem fest, das ausschließlich auf ihr eigenen Interessen zugeschnitten war.
Und alle Währungen der Welt zu festen Wechselkursen an den US-Dollar und ermöglichte den USA den Weltmarkt mit amerikanischen Waren und amerikanischem Kapital zu überschwimmen.
Die Aufgabe des IWF war es, dieses System weltweit einzuführen und zu stabilisieren.
Der IWF hatte also von Anfang an das Ziel, neben der wirtschaftlichen und militärischen auch die finanzielle Weltherrschaft der USA zu sichern.
Der IWF hat zurzeit 188 Mitgliedstaaten, deren Stimmrecht sich an ihrem Kapitalanteil orientiert.
Der Mitgliedstaat mit den größten Stimmanteilen sind die USA mit 16,75 Prozent.
Haben dem zufolge die USA das sagen? Wie ist der IWF überhaupt aufgebaut?
Der IWF ist so aufgebaut wie andere Finanzorganisationen auch.
Er hat ca. 2600 Mitarbeiter, ein Direktorium und einen Governörsrat.
Die USA besitzen allerdings Sperrminulität und Wetterecht.
Das heißt, es kann also keine Entscheidung ohne ihr Einverständnis getroffen werden.
Der wichtigste Faktor für die Übermacht der USA aber ist die weltweite Dominanz des US-Dollars.
Er ist nicht nur die globale Leitwährung, sondern auch die wichtigste Reservewährung.
Alle Zentralbanken der Welt halten einen großen Teil ihrer Gewiesenreserven in US-Dollar.
Die ganze Welt ist also auf den Dollar angewiesen.
Aber das einzige Land, das ihn drucken darf, sind die USA.
Auf diese Weise beherrschen sie mithilfe ihrer Währung das Finanzgeschehen der ganzen Welt.
Der IWF ist Schwesterorganisation der Weltbank. Wie sieht diese Kooperation in der Realität aus?
Die Weltbank ist hauptsächlich für die Finanzierung von großen Investitionsprojekten wie Eisenbahnlinien,
Häfen oder Staudämmen zuständig.
Die Hauptaufgabe des IWF ist die des Kreditgebers letzter Instanz.
Der IWF greift immer dann ein, wenn ein Land in Zahlungsschwierigkeiten greift.
Er bietet ihm Kredite an, knüpft diese aber an harte Bedingungen, die die Souveränität des Landes einschränken
und es den Interessen des internationalen Finanzkapitals unterordnen.
Der IWF handelt im Grunde wie ein Pfandleier, der die Notsituation seiner Klienten ausnutzt,
um sie auf diese Weise gefügig zu machen und sich an ihnen zu bereichern.
Ein Wort, das immer wieder im Zusammenhang mit dem IWF gebraucht wird, ist Strukturanpassungsprogramme.
Wie sieht die Umsetzung solch eines Projektes aus?
Mit den Strukturanpassungsprogrammen hat der IWF sein Vorgehen Ende der 70er Jahre
auf der Grundlage des Neoliberalismus systematisiert.
Die wichtigsten Eckpfeiler dieser Programme sind die Liberalisierung, die Deregulierung und die Privatisierung.
Die Liberalisierung beinhaltet unter anderem die Aufhebung von Import- bzw. Einfuhrbeschränkungen.
Sie führt dazu, dass einheimische, zumeist mittelständische Betriebe
mit riesigen transnationalen, internationalen Konzernen konkurrieren müssen.
Auf diese Weise wurden zum Beispiel viele afrikanische Staaten,
die sich früher mit Nahrungsmitteln selbst versorgt haben, von internationalen Nahrungsmittelkonzernen abhängig gemacht.
Die Deregulierung bedeutet die Aufhebung aller Restriktionen,
Einschränkungen für ausländische Investitionen,
d.h. inländische Investoren müssen mit den Giganten der Wall Street konkurrieren
und werden von ihnen überrollt.
Die Privatisierung führt dazu, dass zuvor subventionierte finanziell unterstützte Güter wie Wasser oder Energie
nach dem Aufkauf durch ausländische Konzerne teuer und teilweise für die unteren Einkommensschichten unerschwinglich werden.
D.h. Strukturanpassungsprogramme begünstigen die großen internationalen Investorenanleger
und schaden der einheimischen Bevölkerung.
In ihrem Buch Weltmacht evf. Chronik eines Raubzugs schreiben sie von der historischen Entwicklung des evf in vier Phasen,
indem sie Kriege, Putze und Finanzpleiten der Länder verfolgen.
Das ganze Spiel beginnt in Lateinamerika, insbesondere in Chile.
Welches Unwesen triebt der evf in diesem Kontinent?
Der faschistische Putzchenchile im Jahr 1973 war ein Wendepunkt in der Entwicklung des evf.
Nachdem der Diktator Pinochet die Macht übernommen hatte, beauftagte er eine Gruppe von Ökonomen der Chicago School of Economics
unter Milton Friedman, damit die Wirtschaft seines Landes neu zu organisieren.
Diese als Chicago Boys bekannt gewordene Gruppe bestand aus Anhängern des Neoliberalismus.
Das Ziel des Neoliberalismus ist es, den Staat weitgehend aus der Wirtschaft rauszuhalten und sie den Kräften des Marktes zu überlassen.
Da der Markt aber von der Finanzindustrie und wenigen transnationalen Großkonzernen dominiert und manipuliert wird,
vertritt der Neoliberalismus die Interessen des internationalen Großkapitals.
Mit der Übernahme dieser Philosophie begann in Chile ein neoliberaler Kreuzzug des evf,
der sich in Argentinien fortsetzte und später in der lateinamerikanischen Krise der 80er-Jahre
zur Verarmung von Millionen von arbeitenden Menschen in ganz Südamerika führte.
Der IVF hat etwa 2600 Mitarbeiter aus 142 Staaten.
Sein Unwesen konnte der IVF nicht ohne Erlaubnis der Regierungen der Staaten und mithilfe seiner Mitarbeiter verursachen.
Wie findet man so schnell Verräter in so vielen Ländern?
Die Welt wird seit mehreren Jahrzehnten komplett von der Finanzindustrie beherrscht.
Keine Regierung kann auf Dauer existieren, ohne sich der Macht der globalen Finanzinstitutionen zu unterwerfen.
In den meisten Fällen werden Politiker bei zum Wahlkampf von Geldgebern finanziert.
Wegen dieser Abhängigkeit vom großen Geld zieht der Beruf des Politikers vor allem Opportunisten,
für die der Zweck die Mittel heiligt und Karrieremacher an.
Für den IVF sind diese Menschen ideale Partner, denn sie sind käuflich und haben kein Gewissen.
Die große Sowjetunion wurde vom IVF nicht verschont.
Mit welchen Argumenten wirkt die Organisation dort und mit welchen Folgen?
Der Zusammenbruch der Sowjetunion führte zum ersten Mal in der Geschichte dazu, dass eine zentral verwaltete Planwirtschaft abgeschafft und wieder durch ein kapitalistisches, über den Markt gesteuertes System ersetzt wurde.
Der IVF erkannte sehr schnell die Möglichkeiten, die sich westlichen Banken und Konzernen boten und organisierte die Privatisierung der Wirtschaft zusammen mit ehemaligen Funktionären und Parteimitgliedern.
Diese Kooperation führte zu einem riesigen Raub am einstigen Gemeinschaftseigentum der ehemaligen Sowjetbürger und erzeugte eine Schicht von Oligarchen, die einen großen Teil ihrer Vermögen in westliche Banken steckten.
Obwohl der IVF ihr zu Beginn der Maßnahmen eine bessere Zukunft versprochen hatte, bedeutete die Einführung der Marktwirtschaft für die arbeitende Bevölkerung einen katastrophalen sozialen Abstieg.
Noch heute liegt der Lebensstandard eines Rettels der Menschen auf den Gebiet der ehemaligen Sowjetunion unter dem Niveau zu Zeiten der Planwirtschaft.
Anfangs der 90er Jahre nahm der IVF Jugoslawien ins Visier. Ein Kapitel des Buches befasst sich mit diesem Thema. Sie behaupten, dass der IVF als Kriegsbegleiter in diesem Land tätig war.
Der IVF hat vorsätzlich dazu beigetragen, den Staat Jugoslawien zu destabilisieren, indem er den Kapitalfluss zwischen dem serbischen Landesteil und den übrigen Republiken und Provinzen unter Band verhinderte und auf diese Weise systematisch nationalistische Tendenzen förderte.
Hinterunter Strategie des IVF in Jugoslawien war das Interesse der USA, das Blockfeier Regime durch ein dem Westen höhere Regime zu ersetzen.
Außerdem hat der IVF mit der EU zusammengearbeitet, die sich die ehemaligen Teile Jugoslawiens einverleiben wollten.
Die Ereignisse in Jugoslawien zeigen ebenso wie die Ereignisse in der Ukraine, dass eine Finanzorganisation es durch ökonomische und finanzielle Maßnahmen schaffen kann, ein ganzes Land systematisch in den Krieg zu treiben.
Wenn man ein Land wirtschaftlich zerstören will, dann sollte man den IVF rufen. Serbien ist das beste Beispiel. Das Land wird seit 2000 sehr stark vom IVF beeinflusst, man kann sagen der IVF betreibt die katastrophale Finanzpolitik des Landes.
Der Einfluss ist so drastisch, dass man sogar der serbischen Regierung vorschreibt, dass der Strompreis im April im 15% steigen muss. Zeigt sich damit der IVF als ein Herrschaftsinstrument des internationalen Finanzkapitals?
Ganz gewiss. Mit der Erhöhung des Strompreises belastet der IVF die arbeitenden Menschen in Serbien, die ohnehin kein einfaches Leben haben. Die Austeritätspolitik, einer strengen Sparsamkeit des IVF ist in Serbien nicht anders als in allen anderen Ländern der Welt.
Sie betrifft nie die Ultrarreichen, sondern immer die arbeitende Bevölkerung und ganz besonders die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft. Der IVF hilft der globalen Finanzelite, sich auf Kosten des Rests der Menschheit bis ins Unermissliche zu bereichern.
Er fördert damit aktiv die schlimmste Entwicklung auf unserem Planeten. Die Explosion der sozialen Ungleichheit, noch nie in der Geschichte der Menschheit, war der Unterschied zwischen Reichen und Armen so groß wie heute.
Hatte der IVF auch die Hand im Spiel in der großen Finanzkrise 2007, 2008, so wie etwa in Griechenland, Island, Irland und Zypern?
Der IVF war nicht die Ursache der Krise. Aber sobald die Krise einsetzte, hat er zusammen mit der Europäischen Zentralbank und der EU-Kommission die Theuka gebildet und mit aller Härte eingegreifen.
Ursache der Krise waren gewissenlose Spekulationsgeschäfte der Finanzindustrie.
Der IVF hat diese Ursache stets bestritten und behauptet, die Krisenländer hätten über ihre Verhältnisse gelebt und müssen deshalb sparen.
Die Rolle des IVF bestand also darin, die Wahlen schuldigen, die Banker in Schutz zu nehmen und die Folgen ihrer gewissen, losen Politik in Form von Austroalitätsstrengen Sparsamkeitsprogrammen auf die arbeitenden Menschen abzuwälzen.
Der IVF hat auf diese Weise zur größten Vermögensumverteilung beigetagen, die jemals auf europäischem Boden stattgefunden hat.
Bei solch einem umfassenden Raubzug der Länder sollte es auch Schuldige geben. Wie heißen Sie?
Die Schuldigen sind zuerst einmal gewissenlose Banker, die hemmungslos und ohne Rücksicht auf die sozialen Folgen ihres Tuns an den Finanzmärkten spekuliert haben. Zweitens sind es die den bankernhörigen Politiker, die die Folgen missglückter Spekulation auf die arbeitenden Bevölkerung abwälzen.
Drittens sind es die führenden Mitglieder von Organisationen wie dem IVF, die den Haupt an der arbeitenden Bevölkerung auf Anweisung der Politiker im Einzelnen organisieren.
Im Grunde müssten alle drei Goppen für ihre schweren Menschenrechtsfällezungen zur Rechenschaft gezogen und vor Gericht gestellt werden.
Die USA sind der mit Abstand meist verschuldete Staat. Wird dann schlussendlich der IVF auch die USA in die Knie zwingen?
Der IVF ist der verlängerte Arm der Wall Street und des Weißen Hauses. Er wird die USA niemals in die Knie zwingen, aber er wird alles tun, um Washington's Macht zu erhalten.
Da der Dollar als Reservewährung immer schwächer und China als Wirtschaftsmacht immer stärker wird, versucht der IVF zurzeit, sich auf eine Zeit nach der Dominanz des Dollars vorzubereiten.
So soll der chinesische Yuan in den Währungskorb, der als Grundlage für die Sonderziehungsrechte die eigene Währung des IVF dient, aufgenommen werden.
Doch all diese Bemühungen werden scheitern, da das bestehende Finanzsystem nicht zu retten ist.
