Heute ist gar nicht der 20.
Mai. Das ist eine Lüge. Es ist viel später. Ich habe es nämlich mal wieder verraft vor
epischer Kulisse, wie zum Beispiel der Frauenkirche, ein Videotour-Tagebuch aufzunehmen.
Ich bin mittlerweile wieder zurück in Berlin. Nach Erfurt bin ich nach Jena gefahren und Jena sieht
oder sah ja von der Autobahn immer aus wie die letzte Scheißstadt. Dann haben sie irgendwann
angefangen, so eine Art Limes aufzubauen direkt an der Autobahn. Das heißt, man sieht die
ganzen hässlichen Platten nicht mehr. Seitdem sieht Jena von der Autobahn nicht mehr ganz so
scheiße aus. Ich bin aber schon zweimal durch Jena durchgefahren und dachte mir dabei, Jena sieht
eigentlich gar nicht mal so hässlich aus. Und war dem Beispiel auch schon etwas gespannt,
dann jetzt Jena erstmal zu wirklich kennen zu lernen. Ja, der Verdacht hat sich bestätigt.
Jena ist wirklich eine ganz süße Stadt und die Lesung hat auch Spaß gemacht. Ich habe auf dem
Holzmarkt gelesen. Ja, hatte ich auch einige Zuhörer. Dann bin ich ein bisschen durch Jena
spazieren gegangen, hatte einen sehr coolen Biergarten gefunden und ja, habe dann irgendwo in der
Nähe von Jena, wie dieses Kaffees habe ich schnell vergessen, im Auto übernachtet. Wurde nachts von
irgendeinem Tier erschreckt, das auf meinem Dach gelandet war und eine Riesenherz veranstaltet
hat. Am nächsten Morgen ging es dann weiter nach Gera. Ja, da habe ich dort auf dem Marktplatz
gelesen, da war da noch gerade Markt und da hatte ich dann innerhalb der Zeit das Interesse eines
jungen Mannes geweckt und seiner Frau, die gerade an einem Thüringer Prathwurst stand,
standen und dann auch fleißig zugehört haben und mich um halb zwölf, zwölf ungefähr zu einem
ersten Bier schneingeladen haben. Dann ging es weiter nach Chemnitz. In Chemnitz war es
respektakulär, obwohl ich von der Stadt erschreckend wenig gesehen habe. Ich habe das Auto in der
Tiefgarage abgestellt, bin auf dem Neumarkt. Das hatte ich vorher mit der sehr aktiv mit mir
telefonierenden Morgenpost abgemacht, als ich auf dem Neumarkt gelesen werde. Sehr viele
Leute haben zugehört. Einige haben sich dazu gesetzt. Da sind drüber um stehen geblieben,
vorallem sehr junge Leute. Das hat sehr viel Spaß gemacht und wurde laut gelacht. Gerade
als ich mich entschlossen hatte, nach einem Kapitel meine kleine Pause einzulegen, standen
auf einmal noch viel mehr junge Leute um mich herum, die allerdings nicht wegen der Lesung
da waren, sondern einen Flashmob geplant hatten und ich saß im Weg. Die kamen dann zu mir,
haben freundlich gefragt, ob sie jetzt mal ein paar Minuten Flashmobben dürfen und ich dann mal
die Klappe halte und ich habe gemeint, kein Problem, wollte ich sowieso gerade eine Pause machen. Dann
kam einer, der von Anfang an schon nicht halb so sympathisch wirkte, wie die Mädels, die mich
freundlich gefragt hatten. Der gehört aber auch zum Flashmob, war wohl der Veranstalter von
den ganzen. Der fragte, ob er dann auch mal mein Mikro und den Verstärker für den Flashmob nutzen
dürfte und da habe ich gemeint, ja, nicht so 100% egal, wie lange dauert es denn. Er meint,
ein Mädel will ein Gospel-Song singen und danach will noch einer mit seiner Klampe und Liedchen
singen, dauert maximal drei bis fünf Minuten. Ich meine, ja, okay, geht klar, aber mein Verstärker
läuft ja mit Batterien und jetzt war er ja schon einige Stunden in den letzten Tagen am Laufen,
also es wäre nicht verkehrt, mir ein bisschen was in meinen Rucksack zu werfen, also in meinen
Spendenhut in den Rucksack zu werfen. Wenn es ihn nichts ausmacht, wenn sie schon meinen Kram benutzen,
dann macht er ja klar, kein Problem. Dann habe ich den dann das Zeug aufgebaut, es wurde gesungen
und die Gitarre gespielt und weiter gesungen und dann hat der mit der Gitarre gedacht auch,
ich singe jetzt noch ein Lied, dann kam auf einmal der Typ, dem ich fragte, ob das mal okay wäre,
mein Kram auszuleihen und hat auf einmal noch ein Ghetto-Blast aufbohrt, hat mein Mikro davor
auf dem Boden gelegt und es dauerte und dauerte und ich bin dann irgendwo zu dem Typ hingegangen,
hat man nachher drei bis fünf Minuten, sind jetzt aber schon längst vorbei und ich habe
das jetzt ehrlich gesagt ein bisschen treist und die größte 30-Kart war vor allen Dingen. Ich hatte
mich mit Julian und Paul unterhalten, die zugehört hatten und als ich den Flächschmob, mein Kram
aufgebaut hat und dann wieder zu dem Rucksack kam, meinten die, dass der Typ ja mal super treist wäre,
weil er mir einfach nur ungefähr 35 Cent in 1 Cent Münzen in meinen Rucksack geworfen hat,
das war ein Riesenberg mit Kupfergeld an meinem Rucksack. Ja und als ich dann dem Kollegen gesagt
hat, dass ich es jetzt nicht ganz so cool finde, dass er hier einfach die ganze Zeit weitermacht und
es vor allen Dingen auch ziemlich erbärmlich findet, dass wenn er sich so aus von mir ausleit,
mich dann verarscht, indem er mir da 35 Cent in seinen Kupfer Münzen hinschmeiß,
ich frag mich doch, wo der dieses ganze Geld aufbewahrt hat, also es hat nicht mehr in
mein Portmanier eingepasst danach. Aber ich meine, das ist ja wohl ein bisschen arg treist
und ich nehme da jetzt mal meinen Kram wieder und verdiene dann mal wieder mein Geld, indem ich,
wenn der Flächschmob dann hoffentlich vorbei ist, demnächst auch mal wieder weiterlesen. Und da
hat er dann die ganzen 15-Jährigen rumherum animiert, oh wir müssen dem Mann Geld geben,
also schnelle Kollekte, von ihm kann man wahrscheinlich dann nichts mehr dazu, haben
seine noch ein bisschen Kollekte gemacht und ich habe dann aber mal geguckt,
was mir dann ein Koffer geworfen haben. Da waren auch primär Kupfer Münzen und dann auch noch
irgendwie asiatische Münzen. Die habe ich dann da rausgesucht, bin dann zu einer Frau gegangen,
die zum Orga-Team wohl gehört hatte und habe gesagt, na so danke, aber diese Münzen brauche ich
nicht. Dann guckt die Frau mich total angewidert an und macht, hm, die waren von mir, also wie
von wegen du Arschloch. Und ich dachte nur, okay, also ich rette deren Flächschmob, indem ich den
Verstärker und das Mikro leihe, weil ohne Verstärker und Mikro hätte man nichts von den Stimmchen
gehört. Und dann werde ich auch noch dumm angemacht, weil ich mich darüber beschwere,
dass ich deren Kupfermüll irgendwie in meinen Rucksack geschmissen bekomme. Na ja, als sie dann
weg waren, natürlich auch ohne Danke zu sagen, dachte ich mir mein Teil. Gut, aber ja, die
Unterhaltung mit Julian und Paul und dass sie so schön zugehört haben, ich habe auch einige Bücher
verkauft, haben alles in einem Chemnitz zu einer großartigen Lesung werden lassen. Ich muss
sagen, Chemnitz genauso überraschend wie letztes Jahr Darmstadt, so eine Stadt, in der man nicht
allzu viel erwartet und dann sehr, sehr positiv überrascht wird. Chemnitz war super. Dann ging es
weiter nach Dresden vor die Frauenkirche, er fuhrt Friedrichshafen, danach habe ich ja die Theorie
aufgestellt, dass dort, wo viele Touristen sind, Lesung auch große Erfolge bringen. In Dresden wurde
ich eines besseren belehrt, im Prinzip genauso wie in Köln. In Köln hat letztes Jahr auch gedacht,
dass wir jetzt super, aber Köln war gar nicht gut und Dresden war jetzt auch nicht so wirklich
geil. Schön allerdings war, dass eine, ich glaube Chinesen, es kam mir schon so vor, als wäre
ich mir direkt gefolgt, als ich noch einen Platz gesucht habe und als ich mich dann hingesetzt
habe, hat sie es dann auch direkt hingesetzt und hat die komplette Lesung zugehört, allerdings
ständig auch mit so einem Blick. Und dann kam sie irgendwann zu mir und hat ihn sehr gebrochen
und Deutsch erzählt, dass sie in der sächsischen Zeitung gelesen hat, dass ich heute hierher kommen
werde, um zu lesen und sie das total spannend findet und deswegen extra zum Neumarkt gereist ist,
um mich zu hören, hat mir dann auch ein Buch abgekauft, was wiederum, ich sage mal höchst
illegal war, denn mitten in der Lesung kam auf einmal die Polizei. Es war 18-jährige
Mädels, die wahrscheinlich gerade irgendwie den Auftrag bekommen hatten. So, ihr verteilt
jetzt mal schön Strafzettel beziehungsweise reguliert Straßenmusiker am Neumarkt. Zum
einmal staunt durfte ich auch mit Verstärker weiterlesen, allerdings durfte ich nicht für
den Verkauf des Buches werben und schon gar nicht das Buch verkaufen, also musste ich dann den Preis,
der auf meinem Schild steht, überkleben und musste die Verkaufsbücher irgendwo verstecken,
mal Rucksack konnte ich sie nicht packen, weil da, das war ja mal ein Spenden, ein Rucksack, also musste sie in der Beine Verstärker stellen. Das
haben die Damen von der Polizei dann aber auch akzeptiert. Dann irgendwann zehn Minuten später
kamen sie aber wieder und haben mich mitten im Lesen so von hinten auf die Schulter getippt. Dann
wurde ich dann ermahnt, wir haben doch gesagt, das Schild muss weg, dann habe ich gesagt,
sie haben gesagt, ich muss den Preis überkleben, das habe ich gemacht und dann ist beiden dann so die
Kindler und die eine hat dann geguckt, er hat es tatsächlich überklebt und so, oh tut mir leid,
da haben sie sich sehr herzlich entschuldigt und ich durfte dann weiterlesen und ja, das war dann
also meine Lesungen am Neumarkt. Weiter ging es zum Alauenpark, da habe ich dann quasi noch eine
Zugabe geben wollen und ja, das hat so gar nicht funktioniert. Bei der Lesung kam ich wirklich
stoff vor den Eisenach, habe ich mir überlegt, ob ich nicht vorkommen sollte, aber dachte mir,
nee, aber jetzt da im Alauenpark, das war schon irgendwie sehr unangenehm, aber naja, hat wieder
die Schamgrenze etwas verschoben wahrscheinlich, also kriege ich jetzt auch hin. Ja, und dann ging es
wieder zurück nach Berlin und hier bin ich jetzt und in einigen Tagen wird es dann weitergehen,
wie und wo es weitergeht weiß ich jetzt noch nicht, aber das steht auf jeden Fall auf meiner
Agenda der nächsten Tage ein Tourplan zu entwickeln, den ich auch sehr gerne mitteilen
werde und dann hoffe ich, dass wir uns demnächst wieder sehen werden, wenn ich wieder unterwegs
bin auf den Straßen dieser Nation. Bis dahin, tschö.
