Ein 52-jähriger Patient (Body-Mass-Index 43 U), der nach einer Hüftoperation eine antithrombotische Therapie mit Enoxaparin (Lovenox®) erhielt, stellte sich am achten Tag nach der Operation mit anhaltenden Schmerzen, einem geschwollenen Bein und vereinzelten nekrotischen Flecken vor. Die Anamnese ergab, dass er vor zwei Jahren eine unauffällige Enoxaparin-Therapie erhalten hatte. Trotz eines normalen Thrombozytenwerts (286 G/l) zu Beginn der LMWH-Therapie zeigten die Standardlaborparameter nun ein neu aufgetretenes Thrombozytopenie (33 G/l). Der klinische Zustand, die Ergebnisse der Ultraschalluntersuchung des unteren Beins und eine CT-Angiographie ergaben Hinweise auf ein großes thromboembolisches Ereignis innerhalb der rechten Arteria femoralis superficialis und ein damit einhergehendes Kompartmentsyndrom. Die Enoxaparin-Therapie wurde sofort abgebrochen und die Behandlung mit Argatroban (Argatra®) wurde eingeleitet. Aufgrund der 4T-Punkte (8 Punkte) und des Nachweises von PF4-Heparin-Antikörpern mittels ELISA-Immunoassay war die HIT-Diagnose wahrscheinlich und wurde schließlich mit einem Heparin-induzierten Thrombozytenaggregationsassay (HIPAA) bestätigt. Trotz interventioneller Thrombektomie und Fasziotomie musste 2 Tage später die linke Beinamputation durchgeführt werden. Am 15. Tag nach der Hüftoperation erforderten Thrombosen der rechten Poplitea- und der oberflächlichen Femoralarterie eine interventionelle Thrombektomie und Fasziotomie. Dies verhinderte jedoch nicht die Amputation aufgrund der fortschreitenden Nekrose des rechten Unterschenkels. Akrale nekrotische Stellen deuteten auf Mikroembolismus hin. Aufgrund eines septischen Schocks entwickelte sich ein akutes Nierenversagen und es musste eine Citrat-Dialyse durchgeführt werden. Außerdem war eine dilatative Tracheotomie erforderlich, um das Absetzen der Atemunterstützung zu erleichtern. Während eines 30-tägigen Aufenthalts auf der Intensivstation stabilisierten sich die hämodynamischen und respiratorischen Parameter und der Patient erlangte seine Nierenfunktion wieder. Außerdem normalisierte sich die Thrombozytenzahl (Abb. ). Aufgrund der wesentlichen wiederholten chirurgischen Eingriffe musste die Verabreichung von Argatroban mindestens 38 Tage fortgesetzt werden, da sie im Vergleich zu Vitamin-K-Inhibitoren eine bessere perioperative Kontrollierbarkeit bot. Die Therapie mit Argatroban wurde später gemäß den aktuellen Leitlinien für die Überbrückung von Therapielücken auf Phenprocoumon (Marcoumar®) umgestellt. Der Patient konnte auf die normale Station und zur weiteren Rehabilitation überwiesen werden.