Eine 33-jährige Frau, die als Lagermitarbeiterin ohne bedeutende medizinische Vorgeschichte beschäftigt war, stellte sich mit einer bilateralen Schwäche der unteren Extremitäten vor, die seit einem Monat fortschritt. Die Patientin berichtete, dass die Symptome zunächst als „Kribbeln“ in ihren Füßen begannen, das sich langsam zu einem „schweren“ Gefühl und Schwierigkeiten beim Gehen entwickelte. Sie bestritt ein kürzliches Trauma, eine Erkrankung oder Schmerzen und gab an, dass sie regelmäßig zwei- bis dreimal im Monat 20-30 „Ballon“ von NO schnupfte. Bei der körperlichen Untersuchung stellte sich eine normale Vitalfunktion, eine normale Funktion der Hirnnerven und ein normaler rektaler Tonus dar. Sie hatte eine verminderte Kraft in den unteren Extremitäten mit verminderter Empfindlichkeit gegenüber Nadelstichen, Vibrationen und Schmerzen bis zur Mitte des Bauches mit vollständiger Empfindung und Kraft in den oberen Extremitäten. Außerdem hatte sie ein positives Lhermitte-Zeichen und einen positiven Romberg-Test mit verminderten Patellareflexe und Achillereflexe 1+, mit 2+ Brachioradialis- und Bizeps- und Trizeps-Reflexe bilateral. Die Patientin wurde auf die Neurologieabteilung eingewiesen. Die Laborergebnisse nach der Aufnahme zeigten einen verminderten Vitamin-B12-Spiegel mit erhöhtem Methylmalonsäurespiegel ohne Makrozytose, normale Werte des intrinsischen Faktors ohne Antikörper und unauffällige Liquoruntersuchungen mit normalen entzündlichen und infektiösen Markern. Die Folat- und Kupferwerte waren ebenfalls normal. Die radiologischen Befunde einschließlich der MRT-Bilder des Gehirns und der Wirbelsäule waren normal. Die Elektromyographie ergab keine Hinweise auf eine Demyelinisierung, war jedoch abnormal und deutete auf eine Myeloneuropathie aufgrund eines Vitamin-B12-Mangels hin, der durch die Einnahme von NO verursacht wurde. Der Patientin wurden hochdosierte Vitamin-B12-Injektionen (1.000 Mikrogramm täglich) verabreicht, die zu einer deutlichen klinischen Verbesserung führten. Die Patientin wurde am dritten Tag der Krankenhausbehandlung mit einem Gehwagen und ambulanter Physiotherapie nach Hause entlassen. Bei der achtwöchigen neurologischen Nachuntersuchung konnte die Patientin unabhängig mit 5/5-Stärke in beiden Hüftbeugern mit negativem Romberg gehen. Die Patientin erlangte ein Jahr nach dem ersten Auftreten eine vollständige Symptomfreiheit. Sie blieb nüchtern und ihre Vitamin-B12- und Methylmalonsäurewerte blieben normal.